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Antisemitische Hochschulpolitik: Zur Lage an der Technischen Hochschule Berlin 1933/34

  • Rudolf Schottlaender

Zusammenfassung

Zum geschichtlichen Verständnis der antisemitischen Aktionen an der Technischen Hochschule Berlin nach der „Machtergreifung“durch die NSDAP bedarf es der Vergegenwärtigung des allgemeinen politischen Hintergrundes, vor dem jene Vorgänge sich abspielten1. Vor etwa hundert Jahren, in der gleichen Epoche also, in die auch die Gründung der Berliner TH fällt, begann sich der Hochschulantisemitismus im gesamten ehemals „großdeutschen“Raum zu verbreiten. Von der Professorenschaft weitgehend alleingelassen, erhob hiergegen Theodor Mommsen seine Stimme schon 1880 in seiner Schrift „Auch ein Wort über unser Judentum“. Die oft nur gleichsam unterirdische Kontinuität in den darauffolgenden fünfzig Jahren zu skizzieren, scheint mir unerläßlich, weil sich nur dadurch überhaupt begreifen läßt, wie es schließlich zu einem so zerstörenden Ausbruch kommen konnte.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Die folgende Darstellung beruht auf den Akten des Deutschen Zentralarchivs Merseburg und des Preußischen Geheimen Staatsarchivs in Berlin. Darüber hinaus wurden neben der weiter unten einzeln genannten Literatur u. a. folgende Arbeiten herangezogen: Cahiers Juifs, mit französischem Geleitwort von Albert Einstein, Paris 1933; Christian von Ferber, Die Entwicklung des Lehrkörpers der deutschen Universitäten und Hochschulen 1934–1954, Göttingen 1954; Der gelbe Fleck, Paris 1936Google Scholar
  2. 1a.
    E. J. Gumbel (Hg.), Freie Wissenschaft. Ein Sammelbuch aus der deutschen Emigration, Strasbourg 1938; Juden im deutschen Kulturbereich. Ein Sammelwerk, hg. v. Siegmund Kaznelson, Berlin 1935 (mit einem Geleitwort von Richard Willstätter), 2. Auflage Berlin 1959 (mit einem Vorwort von Robert Weltsch)Google Scholar
  3. 1b.
    Guido Kisch, Die Universitäten und die Juden. Eine historische Betrachtung zur Fünfhundertjahrfeier der Universität Basel, Tübingen 1961Google Scholar
  4. 1c.
    Léon Poliakov/Josef Wulf, Das Dritte Reich und die Juden, Berlin 1955Google Scholar
  5. 1d.
    Helge Pross, Die deutsche akademische Emigration nach den Vereinigten Staaten 1933–1941, Berlin 1955Google Scholar
  6. 1e.
    Rudolf Schottlaender, Gedenkwerk: Verfolgte Berliner Wissenschaft, Berlin 1962 (unveröffentlichtes Manuskript); derselbe, Reichshauptstädtische Akzente der Entehrung von Wissenschaftlern, in: Tribüne, Dezember 1972; derselbe: In den Jahren 1933 – 1945 verfolgte Berliner Wissenschaftler, in: Nachrichtenblatt der Jüdischen Gemeinde von Groß-Berlin und des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR, Juni 1974; Das Schwarzbuch. Tatsachen und Dokumente. Die Lage der Juden in Deutschland 1933, Paris 1934.Google Scholar
  7. 2.
    Otto Lubarsch, Ein bewegtes Gelehrtenleben, Berlin 1931, S. 542.Google Scholar
  8. 3.
    Vgl. Physikalische Blätter, 1947, S. 143.Google Scholar
  9. 4.
    Zitiert nach Richard Willstätter, Aus meinem Leben. Von Arbeit, Muße und Freunden, hg. v. A. Stoll, Weinheim a. d. Bergstraße 1949, S. 274.Google Scholar
  10. 5.
    Es handelt sich um ein Schreiben Habers v. 30.4. 1933, mit dem er die Versetzung in den Ruhestand beantragte; Text bei Willstätter, S. 273.Google Scholar
  11. 6.
    Der Aufruf wurde in der Ausgabe des „Völkischen Beobachter“v. 1./2.4.1933 veröffentlicht.Google Scholar
  12. 7.
    Vgl. „Vossische Zeitung“(Berlin) v. 28. 4. 1933.Google Scholar
  13. 8.
    Bericht der „Jüdischen Rundschau“v. 9. 5. 1933 (die „Jüdische Rundschau“war als ausschließlich für jüdische Leser bestimmte Tageszeitung, mit Sitz in Berlin, zugelassen worden); vgl. auch „Vossische Zeitung“v. 5. 5. 1933.Google Scholar
  14. 9.
    Vgl. „Völkischer Beobachter“v. 6.5.1933. Der preußische Kultusminister Rust hatte bereits am 12. 2. 1933, damals noch „Reichskommissar für das preußische Kultusministerium“, in einer Rede auf einer großen Wahlkundgebung der NSDAP in Hannover die radikalantisemitische Hochschulpolitik in der Form der „gesetzmäßigen Abschneidung alles Undeutschen“als „Brutalität der Pflicht“deklariert (vgl. „Frankfurter Zeitung“v. 13. 2. 1933)Google Scholar
  15. 10.
    Hier zitiert nach der „Jüdischen Rundschau“v. 16. 5. 1933.Google Scholar
  16. 11.
    Willstätter, S. 274.Google Scholar
  17. 12.
    Deutsches Zentralarchiv Merseburg, Rep. 76 V b Sekt. 5, Tit.3: Technische Hochschule Berlin.Google Scholar
  18. 13.
    Deutsches Zentralarchiv Merseburg, Rep. 76 V c, Sekt. 2, Tit. XXIII, Lit. A (April 1933 bis Oktober 1934).Google Scholar
  19. 14.
    Waldemar Koch, Aus den Lebenserinnerungen eines Wirtschaftsingenieurs, Köln 1962, S. 132.Google Scholar
  20. 15.
    Waldemar Koch, Aus den Lebenserinnerungen eines Wirtschaftsingenieurs, Köln 1962, S. 104.Google Scholar
  21. 16.
    Siegfried Kuntsche, Auswertbarkeit von Akten des ehemaligen preußischen Kultusministeriums über die Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums an preußischen Hochschulen für den antifaschistischen Widerstand, ungedruckte Dissertation, Potsdam 1960.Google Scholar
  22. 17.
    Edward Yarnall Hartshorne, Jr., The German Universities and National Socialism, London 1937, S. 79.Google Scholar
  23. 18.
    Edward Yarnall Hartshorne, Jr., The German Universities and National Socialism, London 1937, S. 79.Google Scholar
  24. 19.
    Technische Universität Berlin-Charlottenburg, hg. u. bearb. v. Alfred Herrmann, Basel 1954, S. 42 f. Eine von Dr. Horst Müller im Hochschularchiv der TU angefertigte Liste der Ehrensenatoren, die im Personal- und Vorlesungsverzeichnis 1936/37 nicht mehr aufgeführt sind, enthält u. a. folgende Namen: Rudolf Alberti; Carl Becker; Gustav Boss; Hans Bredow; Max Cassirer; Heinrich Giesecke; Heinrich Hirschberg; Kurt Magnus; Paul Mamroth; Paul Silverberg; Rudolf Wachsmann. Einige der 1936/37 nicht mehr genannten Ehrensenatoren — wie Georg Franke, Karl Fuhrmann, Georg Michaels—waren in der Zwischenzeit verstorben.Google Scholar

Copyright information

© Technische Universität Berlin 1979

Authors and Affiliations

  • Rudolf Schottlaender

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