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Morphologie, Physiologie und Pathologie der Mamma in Gravidität, Laktation und Involution

  • Roland Bässler
Part of the Spezielle pathologische Anatomie book series (SPEZIELLE, volume 11)

Zusammenfassung

Der physiologische Funktionszustand der weiblichen Brustdrüse ist allein die Laktation, die — einem phylogenetisch uralten Ernährungsprinzip folgend — der Aufzucht des Neugeborenen und damit der Arterhaltung dient. Die morphologischen Wandlungen des Organs von der Zeit der Geschlechtsreife bis zu Schwangerschaft, Laktation und Involution sind vom makroskopischen Aspekt her, wie im mikroskopischen Bereich weitgehend bekannt und haben durch die neuen Ergebnisse der Elektronenmikroskopie, der Histochemie und Autoradiographie eine wesentliche Bereicherung und Vertiefung erfahren. In Verbindung mit physiologischen und biochemischen Untersuchungen ist es ferner möglich geworden, wichtige Partialfunktionen in der Zelle und in den Zellorganellen zu lokalisieren und eine Topik des intrazellulären Stoffwechsels und Stofftransports zu entwickeln. Die Leistungen der Einzelzelle und des gesamten Organs unterliegen komplizierten hormonalen Steuerungen, die noch heute keineswegs vollständig überblickt werden können. Drüsenentwicklung und Funktion werden von Regulationsmechanismen verschiedener Wirkstoffe gesteuert, die sich in den einzelnen Phasen unterscheiden und für die folgende Begriffe angewendet werden:
  1. 1.

    Mammogenese: Entwicklung des Drüsenkörpers mit Beginn der vegetativen Funktion des Ovariums (ovarielle Phase). Wachstum und tubuloazinäre Differenzierung des Drüsenbaums unter dem Einfluß von Östrogen und Progesteron. In der Gravidität gesteigerte Proliferation, unter akzessorischer Wirkung von Prolaktin, STH, Kortikosteroiden, Thyroxin und plazentarem Laktogen.

     
  2. 2.

    Laktogenese: Milchsynthese in der Drüsenzelle und Beginn der Sekretion in die Alveolen in der 2. Schwangerschaftshälfte. Nach Ausstoßung der Plazenta kommt die Laktogenese voll in Gang und ist Voraussetzung der Galaktopoese.

     
  3. 3.

    Galaktopoese bedeutet Erhaltung der Laktation, d.h. der intrazellulären Milchsynthese und Abgabe (Laktogenese) aus den Alveolen in das Gangsystem durch Wirkung des Myoepithels. Endokrinologisch sind jetzt nicht nur laktogene Hormone, vor allem das Prolaktin erforderlich, sondern zusätzlich Oxytozin.

     
  4. 4.

    Galaktokinese: Milchtransport von den Drüsenalveolen in das Gangsystem durch Kontraktion des Myoepithels unter Oxytozin-Wirkung. Die Galaktokinese ist somit ein Partialvorgang der Galaktopoese, denn ohne diesen Ejektionsmechanismus versiegt die Sekretion; im angloamerikanischen Schrifttum bekannt als „milk ejection“ oder „milk let down“.

     
  5. 5.

    Laktation als Oberbegriff umfaßt die Milchsynthese und -abgabe (Laktogenese und Galaktopoese) sowie den Transportvorgang (Galaktokinese) als Antwort auf einen Saugreiz. Endokrinologisch bedeutet es das sukzedane oder simultane Zusammenwirken aller mammotropen und laktotropen Hormone.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1978

Authors and Affiliations

  • Roland Bässler
    • 1
  1. 1.Pathologischen InstitutesStädtischen KlinikenFuldaDeutschland

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