Über die Notwendigkeit der Transformation des Philosophischen Systembegriffs

  • Wolfgang Marx
Conference paper
Part of the Heidelberger Jahrbücher book series (HJB, volume 21)

Zusammenfassung

In einem seiner letzten Texte sieht Husserl der „Asche der großen Müdigkeit“, die das in der „Entfremdung gegen seinen eigenen rationalen Lebenssinn“erstarrte Europa überfallen hat, den Phönix des „allein unsterblichen Geistes“entsteigen. Dem müden Vogel das Fliegen wieder beizubringen, das bedeutet für Husserl, erneut die Grundlagen des Denkens hinsichtlich seiner systematischen Gestaltung zu untersuchen. Ganz der idealistischen Tradition verpflichtet, fordert er eine Grundlegung der Philosophie und der Wissenschaften in einer Analyse der internen Strukturen des Geistes, der „bei sich selbst und rein bei sich selbst bleibt“und darin sich selbst vollständig genügt1). Für Husserl ist freilich die Analyse der Geiststrukturen nicht wie in der Geistontologie des deutschen Idealismus zugleich Wirklichkeitsanalyse, sondern lediglich eine Theorie der die Erkenntnis fundierenden Konstitutionsleistungen des Subjekts. Insofern ist das Problem einer transzendentalen Konstitutionstheorie von einem die ganze Wirklichkeit umfassenden spekulativen Begriffssystem zwar fundamental unterschieden, aber sie bleibt den traditionellen idealistischen Konzeptionen doch in einem entscheidenden Punkte verpflichtet. Sie übernimmt den Anspruch, die Fundamente des Wissens und Weltverstehens eindeutig und im Prinzip sogar vollständig zu entfalten und prätendiert überdies, sichere, d. h. intuitiv gewisse und durch Reflexion nicht erschütterbare Grundlagen als stabile Voraussetzungen der erkennenden und handelnden Bezüge zur Realität begründen zu können.

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References

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    Hegels abstruse Spekulationen zur physikalischen Mechanik beruhen auf einer völlig unbegründeten Übertragung der Formen des „Geistigen“auf die materiellen Körper und ihre Beziehungen. Das geht u. a. daraus hervor, daß Hegel die Beziehungen der Körper mit der Beziehung zwischen „Regierung“, „Bürgerindividuen“und den „Bedürfnissen“oder dem „äußerlichen Leben der Einzelnen“formal gleichsetzt. Vgl. Wissenschaft der Logik, ed. G. Lasson, Leipzig 1951, 2. Teil S. 374 (Was immer man gegen Hegel auch vorbringen mag, man kann gewiß sein, daß die „absolute Idee“, was immer dieses Monstrum auch sein mag, ihre qualvolle Reise von sich selbst zu sich selbst auch über die größten Stolpersteine hinweg fortsetzen wird: in den Köpfen der unermüdlichen Exegeten wenigstens, die besonders dann, wenn ihnen etwas hervorzubringen gelingt, in der Begeisterung über ihre Subtilität den darin entstehenden Glauben an fixe Ideen, die Valery wohl vergeblich verspottet hat, vergessen).Google Scholar
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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1977

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  • Wolfgang Marx

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