Die bakterielle Zellwand — ein verwundbarer Schutzschild

  • T. J. Franklin
  • G. A. Snow
  • Werner Goebel
Part of the Heidelberger Taschenbücher book series (HTB, volume 116)

Zusammenfassung

Forscht man nach den Unterschieden zwischen Bakterienzellen und tierischen Zellen als einer möglichen Basis für ein selektives antibakterielles Eingreifen, tritt ein auffallendes Unterscheidungsmerkmal in ihrer allgemeinen Struktur zutage. Die tierische Zelle ist relativ groß und besitzt eine komplexe Organisation. Ein Teil der Zelle ist jeweils für einen bestimmten biochemischen Prozeß zuständig; der Zellkern mit der ihn umgebenden Kernmembran, die Mitochondrien und verschiedene andere Organellen erfüllen alle unterschiedliche Funktionen. Die äußere Membran ist dünn und wenig stabil. Die Zelle lebt in einer Umwelt, in der Temperatur und Osmolarität kontrolliert sind. Von der Flüssigkeit, die die tierische Zelle umgibt, wird diese ständig mit Nährstoffen versorgt. Die sehr viel kleinere Bakterienzelle dagegen lebt in einer sich ständig ändernden, für sie oft ungünstigen Umgebung. Sie muß insbesondere großen Schwankungen der Osmolarität standhalten. In dem Cytoplasma Gram-positiver Bakterien sind niedermolekulare gelöste Substanzen in relativ hohen Konzentrationen enthalten. Werden solche Zellen in Wasser oder in verdünnten Lösungen suspendiert, so entsteht ein hoher osmotischer Druck in der Zelle. Unter diesem Druck würde die Zellmembran unweigerlich platzen, wenn sie nicht von einer starken, festen Außenhülle umgeben wäre. Diese Außenhülle ist die Zellwand. Sie ist ein typisches Merkmal einer Bakterienzelle und fehlt bei tierischen Zellen ganz. Diese Hülle schützt das Bakterium, sie stellt aber gleichzeitig auch eine verwundbare Angriffsfläche dar. Eine Reihe hochwirksamer antibakterieller Agentien verdanken ihre Wirkung der Fähigkeit, Prozesse, durch die die Zellwand synthetisiert wird, zu stören. Da die tierische Zelle keinen vergleichbaren biosynthetischen Mechanismus besitzt, können Substanzen, die in diesen Prozeß eingreifen, für die Tierzellen wenig toxisch sein.

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Weiterführende Lektüre

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1973

Authors and Affiliations

  • T. J. Franklin
  • G. A. Snow
  • Werner Goebel
    • 1
  1. 1.Institut für Mikrobiologie und Molekularbiologie derUniversität HohenheimKirchnerstraße 30Deutschland

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