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Sondermaßnahmen zur Förderung der Chemie in Deutschland

  • Paul Walden

Zusammenfassung

Von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der organischen Chemie bzw. der Chemie überhaupt war die Organisation des chemischen Unterrichts und der Ausbildung der Chemiker2). Zuerst wäre zu bemerken, daß eine Lösung dieses Problems sinngemäß von der Zeit und dem Ort abhängig ist, bzw. den jeweiligen äußeren Bedürfnissen sich anpassen muß. Solange es noch keine eigentliche Nachfrage nach Chemikern von Seiten der Praxis und der Industrie gab, war es den großen Lehrern und Forschern der Chemie an den Hochschulen überlassen, ganz persönlich, im Sinne eigener Anlagen und Arbeitsrichtungen die Lehre und den Unterricht in der Chemie zu gestalten. Anders als ein Liebig hatten ein Wöhler, ein Bunsen, ein Kolbe, ein Kekulé oder ein A. W. Hof mann den Laboratoriumsunterricht organisiert. Mit der Begründung einer bodenständigen organisch-chemischen Industrie und ihrer Entwicklung in Deutschland wurde nun auch ein neues Betätigungsgebiet für den schöpferischen Chemiker allmählich erschlossen. Im Jahre 1860 hatten K. Oehler in Offenbach, 1863 Friedr. Bayer1) & Co. in Elberfeld, ferner W.Kalle in Biebrich a. Rh. die Fabrikation von Anilinfarben begonnen, 1862/63 wurden die Höchster Farbwerke (durch E. Lucius, A. Brüning, L. A. Müller und W. Meister) ins Leben gerufen, 1865 erfolgte die Gründung der Badischen Anilin-und Sodafabrik, 1873 entstand die Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation (Agfa) in Rummelsburg-Treptow (nachher Wolfen). Weitblickende Betriebserweiterungen vollzogen im Jahre 1888 die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld (durch eine eigene pharmazeutische Abteilung, und im Jahre 1889 die Agfa durch die Angliederung einer photographischen Abteilung (und 1909 einer Filmfabrik).

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Literatur

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    Zur Geschichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft vgl. die Festschrift von B. Lepsius zur 50jährigen Feier, B. 51, Nr. 17 (1918).Google Scholar
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    Die Bezeichnung “Chemiker” kommt erst seit 1792 in Gebrauch, und zwar im Zusammenhang mit der deutschen Übertragung der Lehren und der Nomenklatur der “antiphlogistischen” Chemie (K. v. Meidinger, Hermbstädt, Girtanner, N. v. Scherer), teilweise noch wechselnd mit “Chemist”, “Chymist” [lat. chemicus, chymicus; engl. chymist (1661); franz. “les chymistes” oder “les chymiques” (1615)].Google Scholar
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© Julius Springer in Berlin 1941

Authors and Affiliations

  • Paul Walden

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