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Zur Chemiehistorik überhaupt

  • Paul Walden

Zusammenfassung

Als der unbesoldete außerordentliche Universitäts-Professor der Geschichte Friedrich Schiller vor anderthalb Jahrhunderten (1789) sein Lehramt in Jena antrat, geschah dies mit der Vorlesung: „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Geschichte?“ Die Antwort lautete: „Aus der Geschichte erst werden Sie lernen, einen Wert auf die Güter zu legen, denen Gewohnheit und unangefochtener Besitz so gern unsere Dankbarkeit rauben.“ Von der Bedeutung der Geschichte der Wissenschaften sagte Goethe: „Die Geschichte der Wissenschaft ist die Wissenschaft selbst.“ Eine Geschichte der organischen Chemie soll hiernach biologisch den Hauptinhalt dieses Wissensgebietes widerspiegeln, d. h. sie soll nicht einen stationären Wissenszustand, nicht — etwa wie das Lehrbuch — nur das zur Zeit Erreichte und Gewordene als Endprodukt, sondern zugleich die Dynamik des Forschers, das Werden mit Ausgangspunkt und Zwischenstufen der Entwicklung schildern. Nicht allein das „Was?“, sondern auch das „Wie ?“ soll verlebendigt werden. Dies entspricht der genetischen Methode der Unterweisung in der wissenschaftlichen Chemie. Im genetischen Zusammenhang gleiten die vielgestaltigen Probleme an unserem geistigen Auge vorüber; wir lernen die Größe der aufgewendeten Arbeit und den geistigen Energieverbrauch kennen; die vielen Namen der beteiligten Forscher werden in dem Bewußtsein der jetzigen Generation verlebendigt, und mit den Namen erkennt sie den Anteil der einzelnen Völker an dem Ausbau der organischen Chemie, in diesem Anteil prägt sich aber das wissenschaftliche Interesse und die schöpferische Potenz der betreffenden Nationen aus.

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© Julius Springer in Berlin 1941

Authors and Affiliations

  • Paul Walden

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