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Ölhydrierung (Fetthärtung, Tetralin u. a.). Erdöl- und Fettsäure-Synthesen

  • Paul Walden

Zusammenfassung

Eine grundlegende Voraussetzung der Sabatierschen Methode war der dampf-oder gasförmige Zustand des zu hydrierenden Stoffes. Es bedeutete daher einen kühnen und praktisch weitreichenden Schritt, als W. Normann (D.R.P. 141029 vom 14. Aug. 1902) den Nickel-Katalysator, erstens zur technischen „Fetthärtung“, d. h. „zur Umwandlung ungesättigter Fettsäuren oder deren Glyceride in gesättigte Verbindungen“ anbahnte, und zweitens „. . . das Fett oder die Fettsäuren in flüssigem Zustande der Einwirkung von Wasserstoff und der Kontaktmasse , ..“ aussetzte. Kulturhistorisch bemerkenswert ist es, daß die praktische Einbürgerung dieses deutschen Verfahrens von England1) her (1905/06) erfolgen mußte; 1907 erfolgte die erste Großhärtung von Walol, während 1909 die erste Anwendung des gehärteten Fettes für Nahrungszwecke einsetzte. Damit begann ein kulturhistorisch bedeutsamer Umbruch in der menschlichen Ernährung, indem die chemische Industrie durch einen synthetischen Veredelungsprozeß die Großerzeugung von lebenswichtigen Fettsubstanzen übernahm. Doch noch in anderer Hinsicht bietet dieses Problem eine ernste Lehre und Mahnung. Es ist belehrend zu erfahren [vgl. W. Normann, Chem.-Zeit. 61, 20 (1937)], daß es die rein wissenschaftlichen Forschungen von Sabatier waren, welche bei Normann (1901) den Gedanken ihrer Anwendung auf die öle und ihrer Übertragung auf die Praxis auslösten, ein „Denken in Zukunftsproblemen“ ließ ihn die Möglichkeit einer Verarmung an Fettbelieferung durch die althergebrachten Quellen vorausschauen. Dramatisch ist der weitere Verlauf, der sich in drei Akte gliedert, und zwar: in die Überwindung der technischen Schwierigkeiten, in die Bekämpfung der menschlichen Vorurteile, und drittens in das Ringen mit den „Nacherfindern“.

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Literatur

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  7. 1).
    Vgl. auch W. Boesler, Leuna: Die Entwicklung und der heutige Stand des I.G.-Hydrierungsverfahrens. Chem.-Zeit. 64, 81 (1940).Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1941

Authors and Affiliations

  • Paul Walden

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