Advertisement

Zusammenfassung

Der jahrzentelange Gebrauch und Erfolg der Lehre vom vier-wertigen Kohlenstoffatom hatte dieselbe mit einem solchen Maß von Sicherheit umgeben, daß ein Zweifel unzulässig erschien und eine gewisse Erstarrung zu einer Art Dogma unvermeidlich war. Tatsächlich geschah es auch so, wie Berzelius es vorausgeschaut hatte — ein Zufall, und es konnte nur ein solcher sein, der ungesucht und entgegen aller Theorie, das erste freie Radikal Triphenylmethyl (C6H5)3C mit dreiwertigem Kohlenstoff dem Chemiker in die Hände spielte und seitdem die „etres imaginaires“, die chemischen Gespenster zu „materialisierten“ chemischen Verbindungen gewandelt hat. Wenn gegenwärtig zur Bestandaufnahme unserer Kenntnisse von den freien Radikalen schon umfangreiche Monographien1) erforderlich sind, so läßt sich voraussehen, daß ein weiteres experimentelles und theoretisches (nach den Denkmitteln der modernen Physik orientiertes) Studium noch neue Überraschungen, neue Tatsachen und neue Beziehungen erschließen wird. Neben den langlebigen und isolierbaren freien Radikalen werden die kurzlebigen und als Zwischenstufen bei chemischen Vorgängen auftretenden Radikale eine erhöhte Beachtung finden und hier wird vielleicht Biochemie und biologisches Geschehen dem Auftreten und synthetischen Wirken der Radikale eine neue Problematik zuweisen 2).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. H. Wieland: Die Hydrazine. Stuttgart 1913.Google Scholar
  2. J. Schmidlin: Das Triphenylmethyl. Stuttgart 1914.Google Scholar
  3. P.Walden: Chemie der freien Radikale. Leipzig 1924.Google Scholar
  4. P.Walden: Radicaux libres et corps non saturés. Institut Solvay (Chimie) 1928, S. 431–532.Google Scholar
  5. Ferner: A general discussion on Free Radicals. Trans.Faraday Soc.30, 3–248.1934.CrossRefGoogle Scholar
  6. W. Hückel: Theoretische Grundlagen der organischen Chemie. I. Band (II. Aufl.), S. 111–133. 1934.Google Scholar
  7. L. Anschütz in Richter-Anschütz: Chemie der Kohlenstoff Verbindungen II2, S. 767–839. 1935.Google Scholar
  8. F. O. Rice und K. K. Rice: The aliphatic Free Radicals. London 1935.Google Scholar
  9. 2).
    Vgl. P. Walden: Radicaux usw., S. 437 (1928); F. Haber u. R. Willstätter: B. 64, 2844 (1931); R.Kuhn u. Th. Wagner-Jauregg: B. 67, 362 (1934) und 70, 753 (1937); Eug. Müller: Z. angew. Chem. 51, 662 (1938).Google Scholar
  10. 1).
    Nach A. Burawoy [Z. ph. Ch. (A) 166, 393 (1933)] soll bei lichtabsorbierenden Substanzen mit mehrfacher Bindung ein Gleichgewicht zwischen einer “ Biradikal -form”Google Scholar
  11. (welche die Absorption bedingt) und einer gesättigten Form vorliegen.Google Scholar
  12. 2).
    E. Weitz u. Mitarbeiter hatten angenommen, daß die von B. Emmert bzw. O. Dimroth als dimere “Chinhydrone” angesehenen tieffarbigen Verbindungen aus 1 Mol Dipyridinium-dihalogenid + 1 Mol. Dihydro-dipyridyl in Wirklichkeit einfachmolekulareGoogle Scholar
  13. Mono oder Subhalogenide der zweiwertigen (s. o.) Dipyridinium Radikale seien (B. 57, 161). In Verallgemeinerung dieser Ansicht kam E. Weitz [B. 59, 432 (1926)] zu dem Schluß: ,,alle merichinoiden Salze sind monomolekularGoogle Scholar
  14. zu formulieren, als Radikale. Eine Einschränkung gibt J. Piccard [B. 59, 1438 (1926)].Google Scholar
  15. 1).
    Vgl. a. J. Obermiller: Die orientierenden Einflüsse und der Benzolkern. Leipzig 1909.Google Scholar
  16. 1).
    Vgl. a. R. Robinson: Versuch einer Elektronentheorie organisch-chemischer Reaktionen. Stuttgart 1932. Entwicklungsgeschichtlich ist hervorzuheben, daß bereits H. S. Fry [Z. ph. Ch. 76, 398 (1911)] alternierende Elektronenverteilung im Benzol angenommen hatte; Th. M. Lowry [Soc. 123, 822 (1923) u. f.] gab eine PolaritätstheorieGoogle Scholar
  17. der Doppelbindung und W. H. Carothers [Am. 46, 2226 (1924)] entwickelte sie weiter. Neuere Beiträge: Soc. 1933, 1112–1143. H. G. Rule [Soc. 125, 1121 (1924); 1927, 54] ordnet die Elemente und Gruppen (auf Grund ihrer relativen dirigierenden Wirkung als Substituenten im Benzolkern und des Parallelismus mit der optischen Drehung der o-substituierten Benzoesäureester) in eine “polare Reihe”, mit einem stufenweisen Übergang von stark positiv polaren durch nahezu unpolare zu stark negativ polaren Gliedern, z.B.: NH3+, NO2, CO2H, COCH3, H, CH3, J, Br, Cl, I, CO.O, OCH3, N(CH3)2. Dagegen spricht sich jedoch D. R. Boyd aus (Chemistry and Industr. 43, 851 (1924)]. Vgl. auch: Benzol, S. 191 u.f.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1941

Authors and Affiliations

  • Paul Walden

There are no affiliations available

Personalised recommendations