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Politische Theorie der Alterssicherung

  • Stefan Homburg
Part of the Studies in Contemporary Economics book series (CONTEMPORARY)

Zusammenfassung

Wie kann ein ursprünglich für wenige benachteiligte Mitglieder der Gesellschaft geschaffenes Alterssicherungssystem sich derart ausweiten, daß in seiner Reifephase auch die Top-Führungskräfte der Wirtschaft nach Maßgabe von Regeln für ihr Alter vorzusorgen haben, die von subalternen Ministerialbeamten erdacht werden? Fragen wie diese, die nicht mit Redensarten wie “Sozialstaat” oder “Werturteile” abgetan werden können, harren ihrer Beantwortung, die, so ist zu vermuten, von einer politischen Theorie der Alterssicherung beigebracht werden muß. Denn daß der oben angesprochene Zustand den gesellschaftlichen Werturteilen entspricht oder sich die Fürsorgepflicht des Staates auch auf jene Bürger erstreckt, deren Einkommen und Vermögen jenseits der Millionengrenze liegt, erscheint in höchstem Maße unglaubwürdig.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. insbesondere die Beiträge von Browning [1975], Bridges [1978], Browning [1978], Townley [1981], Hu [1982], Petersen [1984], Sjobohm [1985] und Verbon [1986].Google Scholar
  2. 1.
    Dies stellt keine Verletzung des Prinzips der Teilhabeäquivalenz dar, das nur die horizontale Verteilung der Rentenansprüche reguliert. Die individuelle Rente kann durchaus proportional zur Beitragsdauer sein. Es Hegt in der Natur des Umlageverfahrens und ist unabweisbar, daß die Einführungsgeneration eine im Vergleich zu den von ihr insgesamt gezahlten Beiträgen höhere Rente bekommt als ihre Nachfolger.Google Scholar
  3. 1.
    Dies ist erstmals von Browning [1975] behauptet worden. Brownings Begründungsversuch geht allerdings rein graphisch in Begriffen ganz obskurer Indifferenzkurven im Beitragssatz-Rendite-Raum vonstatten und ist von Bridges [1978] mit vollem Recht angezweifelt worden.Google Scholar
  4. 1.
    Falsch ist freilich die von Holler [1986; 68] aufgestellte Behauptung, die Mehrheit würde für einen Beitragssatz von 100% votieren; denn dies sei “in accordance with the logic of Samuelson’s model”. Ganz im Gegenteil wird bei streng konvexen Präferenzmengen immer ein Beitragssatz von weniger als 100% beschlossen werden (außer die Rentner hätten die absolute Mehrheit, wovon aber weder Samuelson noch Holler ausgehen). Anschaulich ausgedrückt kann keine noch so hohe Rente den Medianwähler für das zuvorige Verhungern entschädigen.Google Scholar
  5. 2.
    Vgl. hierzu auch Townley [1982]. Townley gehört zu jenen Autoren, die das Alterssicherungssystem für die Erlangung des Golden Rule Wachstums instrumentalisieren wollen. Er zeigt, daß die Bedingung “Zins gleich Wachstumsrate” durch den demokratischen Entscheidungsprozeß niemals realisiert werden kann, wenn isoliert über den Beitragssatz abgestimmt wird. Der Medianwähler bevorzugt ein b derart, daß r > n.Google Scholar
  6. 1.
    Hierzu gehört insbesondere, daß von einer Eigendynamik der Bürokratie und von Transaktionskosten bei der Durchsetzung politischer Interessen völlig abgesehen wurde.Google Scholar
  7. 1.
    Es ist falsch, wenn Browning [1975; 382] meint, die Rendite würde in diesem Fall gegen Null konvergieren. Haben alle Versicherten die Beitragsbemessungsgrenze überschritten und halbiert sich die Bevölkerung, dann erhält jeder Rentner die Hälfte der gezahlten Beiträge: Wachstumsrate und Rendite betragen jeweils -50%.Google Scholar
  8. 2.
    Der Nachsatz stimmt allerdings nur, wenn die Sache geschickter als in der Bundesrepublik Deutschland angestellt wird. Erweitert man den Kreis der Beitragszahler um freiwillig Versicherte, ist eine spätere Verschlechterung der Lage der Pflichtversicherten absehbar. Denn sinkt die Rendite des Umlageverfahrens auch nur vorübergehend unter eine vergleichbare Rendite privater Vorsorge, werden sich die freiwillig Versicherten sofort verabschieden, was einen selbstverstärkenden Effekt hat. Ist ihr Anteil an allen Versicherten merklich, kann die Rendite für die übrigen durchaus negativ werden, obwohl die Wachstumsrate der Einkommen positiv ist.Google Scholar
  9. 1.
    Sjobohm [1985; 230]. Als erster hat wohl Hu [1982; 269] auf dieses Problem hingewiesen.Google Scholar
  10. 1.
    Vgl. hierzu in Ansätzen Sjobohm [1985].Google Scholar
  11. 1.
    Vgl. hierzu die Fußnote auf S.69.Google Scholar
  12. 1.
    So auch Petersen [1984].Google Scholar
  13. 2.
    Vgl. hierzu auch Petersen [1984; 435].Google Scholar
  14. 1.
    Dieser treffende Ausdruck stammt von Neumann [1986; 76], der einen ähnlichen Vorschlag diskutiert. Ebenso hat Townley [1982] argumentiert, daß eine Generation durch entsprechende Kompensation zu einem Verzicht auf das Umlageverfahren bewegt werden kann.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • Stefan Homburg
    • 1
  1. 1.Staatswissenschaftliches SeminarUnivesität zu KölnKöln 41Deutschland

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