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Normative Theorie der Alterssicherung

  • Stefan Homburg
Part of the Studies in Contemporary Economics book series (CONTEMPORARY)

Zusammenfassung

Inzwischen ist unsere Untersuchung ein gutes Stück vorangekommen, wo doch im vorigen Kapitel nach Abschluß der Partialanalysen einige besonders interessant und wichtig erscheinende Probleme im Rahmen einer gesamtwirtschaftlichen Analyse geklärt werden konnten. Dabei wurden Wertungen so gut es ging vermieden, und insofern ist alles bisherige noch vorläufig und unvollständig. Es bedarf nun einer normativen Analyse, mit der die Alterssicherungsverfahren nicht auf ihre objektiven Wirkungen, sondern daraufhin untersucht werden, wie wünschenswert diese Wirkungen sind. Daß dies eine genuin wissenschaftliche Aufgabe ist, die keinesfalls allein den Praktikern oder dem politischen Raum überlassen werden darf, ergibt sich aus dem Umstand, daß die hier involvierten Werturteile nicht einfach „zugrundeliegen“, sondern zum erheblichen Teil selbst „endogen“ sind, also von Tatsachenfragen abhängen1). Dieses Zusammenspiel von objektiven Tatsachen und subjektiven Werturteilen zu erforschen, ist die Aufgabe einer normativen Theorie.

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Literatur

  1. 1.
    Dies macht Sen [1970; 60] anhand originellen Dialoges deutlich: “A: Men and women should be allowed to dress as they like. B: Even if it turned out that miniskirts caused cancer in the eyes of the beholder? A: Not in that case, of course.” Ein vielleicht noch eindringlicheres Beispiel vom selben Autor [1970; 61] lautet: “[T]he kindly man who wishes everyone an income higher than the national average seems to have an analytical problem of some magnitude.”Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Samuelson [1958], [1959] und Lerner [1959a], [1959b]. Ebenso interessant liest sich der anschließende Austausch zwischen Samuelson [1960] und Meckling [1960a], [1960b], in dem die Diskussion um das “consumption-loan model” fortgeführt wird.Google Scholar
  3. 1.
    In der folgenden Darstellung werden neben den vorgenannten Arbeiten jene von Cass und Yaari [1960] sowie Shell [1971] herangezogen.Google Scholar
  4. 2.
    Vgl. zu ähnlichen Gedankenexperimenten Shell [1971], von Weizsäcker [1979] und Gamow [1961].Google Scholar
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    Gemeint sind die Modelle mit einem Kontinuum von Wirtschaftssubjekten; vgl. etwa Hildenbrand [1976].Google Scholar
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    Darauf weisen auch Borglin und Keiding [1986;21f.] in einer Randbemerkung hin.Google Scholar
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    Lerner [1959b; 523]: “‘Business is fine,’ said the optimistic contractor. ‘It is true that I lose money on every contract’, but I always start on a bigger one and get an advance that more than covers the loss of the old one.” Ebenso interpretieren Famulla und Spremann [1980] das Umlageverfahren als „Ponzi GmbH“.Google Scholar
  8. 1.
    So schreiben Janssen und Müller [1981; 297]: “Das Mischverhältnis [von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren] ist optimal, falls es zu einem Realzins führt, der mit der Wachstumsrate der Lohnsumme übereinstimmt.„ In die gleiche Richtung argumentieren Männer [1974] und Hu [1982]. Bierwag et al. [1969] kommen aus demselben Grund zur Schlußfolgerung, daß Renten bei r≥n Steuer-, sonst schuldfinanziert werden sollten.Google Scholar
  9. 2.
    Die Goldene Regel wurde Anfang der sechziger Jahre unabhängig von Allais [1962], Beckmann [1961], Desrousseaux [1961], Phelps [1961], Robinson [1962], Srinivasan [1962], Swan [1964] und von Weizsäcker [1962] entdeckt. Vgl. hierzu auch Koopmans [1965] und Phelps [1965].Google Scholar
  10. 1.
    Spremann [1984] hat in einer bemerkenswerten Arbeit gezeigt, daß auch nicht ein beliebiger „Wechsel“ des Alterssicherungssystems bei veränderlichem Verhältnis von Zins und Wachstumsrate vorgenommen werden kann, wenn die Beitragsbelastung der Erwerbstätigen durch eine „eherne Schranke“ begrenzt ist.Google Scholar
  11. 1.
    Jaeger [1987; 92]: „Die Gruppe der normativ orientierten theoretischen Analysen [ist sehr dünn besetzt]. Hier dominieren ganz eindeutig die Partialansätze bzw. solche Beiträge, in denen ausschließlich die Realisation der ‘ersten goldenen Regel der Kapitalakkumulation’ unterstellt wird. Diese Untersuchungen können nicht überzeugen“.Google Scholar
  12. 1.
    Vgl. etwa Atkinson und Stiglitz [1980; 367f].Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • Stefan Homburg
    • 1
  1. 1.Staatswissenschaftliches SeminarUnivesität zu KölnKöln 41Deutschland

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