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Macht und Abhängigkeit in therapeutischen Beziehungen

  • Ulrich Streeck
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Part of the Lindauer Texte book series (LINDAUER TEXTE)

Zusammenfassung

Vor vielen Jahren hat der Philosoph Jean Paul Sartre die Tonbandaufzeichnung eines Gespräches veröffentlicht, zu dem ein ehemaliger Patient seinen Psycho-analytiker drei Jahre nach Abschluß einer Behandlung genötigt hat. Der Patient hatte in dem Gespräch versucht, die Rollen umzukehren und seinerseits das Verhalten seines ehemaligen Analytikers zu deuten. In der Präambel zu diesem Dialog, bei dem der ehemalige Patient den Analytiker unerbittlich in die Enge treibt, schreibt Sartre (1969):

„… der Analytiker als unsichtbarer und schweigsamer Zeuge verwandelt schon im Mund des Patienten das Wort und diesen selbst in ein Objekt; aus dem einfachen Grund, weil es zwischen dem Mann mit abgewandtem Rücken und dem auf der Couch liegenden Patienten keine Wechselwirkung gibt. Ich weiß“ so Sartre weiter „der Kranke muß sich selbst emanzipieren. Aber die Schwierigkeit… liegt darin, daß er sich als etwas Passives entdeckt — durch diesen Blick des Analytikers, den er nicht einfangen kann und der ihn doch beobachtet… In dieser Situation ist die Gewalt latent vorhanden, damit auch die Unterwerfung des Patienten…“.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

Authors and Affiliations

  • Ulrich Streeck

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