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Gewässerbewirtschaftung auf der Grundlage von Flußeinzugsgebieten

  • Ilja Betlem

Zusammenfassung

Dieser horizontale Bericht untersucht die unterschiedlichen institutionellen Modelle zur Planung und Bewirtschaftung von Flußgebieten in den fünf EUROWATER-Ländern. Ein Flußgebiet ist das Einzugsgebiet eines Flusses und seine Grenzen sind daher durch die Hydrologie des Flußsystemes bestimmt. Als solches ist das Flußgebiet eine natürliche Einheit für die Integration in der Wasserwirtschaft, was zunehmend allgemein anerkannt wird. „Flüsse sind Integratoren für all das, was in ihrem Einzugsgebiet geschieht“ (Dovers und Day, 1988). Auf der Grundlage des Einzugsbereichs eines Flußgebietes kann eine umfangreiche Planung und Zuweisung von Wasserressourcen im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung sichergestellt werden. Verschiedene Wassernutzer wie beispielsweise Industrie, Landwirtschaft, Wasserversorgung, Fischereiwesen und Tourismus sowie Nutzungen, bei denen das Wasser nicht verbraucht wird, d.h. Wasser zur Erhaltung von Feuchtgebieten, natürlichen Gebieten und Ökosystemen, haben jeweils spezifische und konkurrierende Bedürfnisse, die im Rahmen des Flußgebietes in ausgewogener Weise berücksichtigt werden können.

Im Hinblick auf die Flußgebietsplanung und -bewirtschaftung werden zahlreiche institutionelle Fragen aufgeworfen. Ein Flußgebiet stimmt schon fast per definitionem nicht mit den Grenzen von Verwaltungseinheiten (kommunal, regional oder international) überein, so daß neue Institutionen oder Verfahren erforderlich sind, um die traditionellen Verwaltungsgrenzen zu überwinden. Außerdem fragt man sich, wie die verschiedenen Nutzer in den Entscheidungsfindungsprozeß eingebunden werden. Die Flußgebietsplanung und -bewirtschaftung ist vorwiegend auf die direkten Nutzer der Gewässer sowie auf diejenigen ausgerichtet, durch deren Aktivitäten die Gewässergüte beeinträchtigt werden könnte. Eine dritte wichtige Frage bezieht sich auf den Umfang der Planung und Bewirtschaftung. Welche Aspekte und Funktionen der Wasserwirtschaft beziehen sich auf das Flußgebiet und in welchem Umfang sind diese Aspekte integriert. Im Hinblick auf eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen ist eine Integration aller Aspekte, die einen Einfluß auf die Gewässer haben, unerläßlich.

Alle EUROWATER-Länder haben einen eigenen institutionellen Rahmen für die Planung und Bewirtschaftung von Flußgebieten geschaffen. Unterschiedliche Traditionen sowie politische und geographische Bedingungen führten zu unterschiedlichen Lösungen im Bereich der Planung und Bewirtschaftung von Flußgebieten. Im Vereinigten Königreich sind Institutionen, die sich mit der Integration in der Wasserwirtschaft befassen, bereits seit Jahrzehnten bekannt und haben sich bis zur heute tätigen Staatlichen Flußbehörde (National Rivers Authority, NRA) weiterentwickelt. In Frankreich wurden in den 60er Jahren Institutionen geschaffen, die in sechs wichtigen Einzugsgebieten über finanzielle Anreize den Gewässerschutz sicherstellen sollen. 1992 wurde ebenfalls auf der Ebene der Flußgebiete ein Planungsverfahren eingeführt, bei dem die Wassernutzer stark in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. In Deutschland waren Flußgebietsbehörden im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung auf das Ruhrgebiet beschränkt. Ein flußgebietsbezogenes Planungssystem wurde für ganz Deutschland eingeführt, konnte jedoch insgesamt nicht erfolgreich umgesetzt werden. In Portugal führte die gründliche Umstrukturierung der mit der Bewirtschaftung der Wasserressourcen und der natürlichen Lebensgrundlagen befaßten Institutionen zur Schaffung eines Planungssystems für Flußgebiete, das von den Wassernutzern überwacht wird. In den Niederlanden ist die Integration in der Wasserwirtschaft vor allem auf die Planung im Bereich der Wassersysteme ausgerichtet, das heißt auf Einheiten, die mit den Flußgebieten vergleichbar sind. Im Rahmen der Planung werden vor allen Dingen die Maßnahmen der betroffenen Institutionen koordiniert, da in den Niederlanden keine neuen Institutionen geschaffen wurden.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1997

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  • Ilja Betlem

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