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Zur Regionalisierung in der gesetzlichen Krankenversicherung

  • Eberhard Wille
  • Udo Schneider
Conference paper

Zusammenfassung

Um die vielschichtigen Effekte einer Regionalisierung in der gesetz-lichen Krankenversicherung (GKV) adäquat analysieren zu kön-nen, erscheint es zunächst notwendig bzw sinnvoll, einen Blick auf die Ziele und Grundlagen der neugestalteten wettbewerblichen Orientierung des deutschen Krankenkassensystems zu werfen. Das Gesundheitsstrukturgesetz (GSG) vom 21. 12. 1992 stellte die Weichen in Richtung einer wettbewerblichen Orientierung, indem es den Kassenmitgliedern bzw. den Versicherten in § 173 des Sozialgesetzbuches (SGB) V erheblich erweiterte Wahlrechte einräumte. So gewährt das Gesetz zum 1. 1. 1997 allen Mitgliedern von Orts-, Betriebs- und Innungskrankenkassen gleichberechtigen Zugang zu allen Arbeiter- und Angestelltenkrankenkassen, deren Zuständigkeit sich auf den Beschäftigungs- oder Wohnort erstreckt. Zudem können Mitglieder von Betriebs- und Innungskrankenkassen zu den Ortskrankenkassen ihres Beschäftigungs-oder Wohnortes wechseln1. Die Mitglieder bzw. Versicherten erhalten damit in deutlich erweitertem Umfang die Möglichkeit, ihre Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit einer Krankenkasse über eine „Abstimmung mit den Füßen“ zum Ausdruck zu bringen (vgl. Pfaff, M. und Wassener, D., 1996, S. 165). Diese Wahlfreiheit einer größeren Anzahl von Versicherten setzt die Kranken-kassen als Anbieter von Versicherungsleistungen einem verstärkten Wettbewerbsdruck aus 2.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1998

Authors and Affiliations

  • Eberhard Wille
    • 1
  • Udo Schneider
    • 1
  1. 1.Lehrstuhl für VWLUniversität MannheimMannheimDeutschland

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