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Alternative Erklärungsansätze: Einführung und Überblick

  • Oliver Landmann
  • Jürgen Jerger
Chapter
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Zusammenfassung

Die Vielfalt existierender Erklärungsansätze, wie sie auch die am Ende des ersten Kapitels angesprochenen Typologien zum Ausdruck bringen, erleichtert den Einstieg in die Beschäftigungstheorie nicht gerade. Wir beginnen in diesem Kapitel daher mit einer einfachen Systematik, aufbauend auf der Unterscheidung zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Ursachen der Arbeitslosigkeit. Die eine mögliche Ursache ist eine Diskrepanz zwischen dem Arbeitskräftepotential und der Menge der insgesamt verfügbaren Arbeitsplätze. Die zweite mögliche Ursache sind Friktionen in der Vermittlung von Angebot und Nachfrage durch den Markt. Folgende Definitionsgleichungen machen die Unterscheidung deutlich:
$$ U \equiv {N^S} - N $$
(2.1)
$$ {N^d} \equiv N + V $$
(2.2)

Gleichung (2.1) definiert die Arbeitslosenzahl Uals die Differenz von ArbeitsangebotN S und tatsächlicher BeschäftigungN, während (2.2) besagt, dass die insgesamt verfügbaren ArbeitspläN d — d.h. die Arbeitsnachfage der Unternemer1 — sich aus der Anzahl der besetzten StellenNund der offenen Stellen V (für Vakanzen) zusammensetzt.

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Literatur

  1. Keynes (1936) war eine der einflussreichsten wirtschaftswissenschaftlichen Veröffentlichungen des 20. Jahrhunderts überhaupt. Dieses Buch begründete die keynesianische Tradition der Beschäftigungstheorie. Pigou (1933) fasste die Doktrin der klassischen Arbeitsmarkttheorie zusammen. Keynes (1936) nahm vor allem Pigou (der sein Kollege in Cambridge war) als Ausgangspunkt für die Formulierung seiner Gegenposition zur klassischen Schule.Google Scholar
  2. Landmann (1976) fasst den Stand der Rezeption von Keynes (1936) bis Mitte der 70er Jahre zusammen; ein gutes Lehrbuch der modernen Makroökonomik, das zum Aneignen hier vernachlässigter Aspekte, insbesondere der Funktionsweise der Gütermarktaspekte im klassischen und keynesianischen Modell empfohlen werden kann, ist Mankiw (1997).Google Scholar
  3. Varian (1996) ist dagegen ein gutes Anfängerlehrbuch der Mikroökonomie, in dem auch die Grundzüge der Theorie der Arbeitsnachfrage und des Arbeitsangebots, jeweils aus der Sicht eines einzelnen Unternehmens bzw. Haushalts dargestellt wird.Google Scholar
  4. Bruno (1986) und Coen/Hickman (1987) sind empirische Analysen der aggregierten Arbeitsmarktsituation in den OECD-Ländern, die den Versuch unternehmen, die „keynesianische“ bzw. „klassische“ Komponente der Arbeitslosigkeit zu quantifizieren.Google Scholar
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  9. Lehment (1991, 1993) und Jerger (1996) untersuchen den Zusammenhang zwischen der Beschäftigung, dem Wachstum der nominalen Gesamtnachfrage und dem Nominallohnwachstum, und konstatieren (wie unsere Schätzung in Box 2.4) die enge Korrelation zwischen diesen Grössen, wie sie aufgrund des Modells in Abschnitt 2.6. zu erwarten ist.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1999

Authors and Affiliations

  • Oliver Landmann
    • 1
  • Jürgen Jerger
    • 1
  1. 1.Institut für allgemeine Wirtschaftsforschung Abteilung für WirtschaftstheorieUniversität FreiburgFreiburgGermany

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