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Generationenverträge als Basis des Sozialstaates: Ökonomische Interpretationsmöglichkeiten und fiskalische Konsequenzen

  • Richard Hauser
Conference paper

Zusammenfassung

Aus ökonomischer Sicht ist die gesamtwirtschaftlich verfügbare Konsumsumme auf die drei gleichzeitig lebenden Generationen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts aufzuteilen. Dies geschieht durch soziastaatliche Umverteilungsmechanismen und durch intrafamiliale Transfers. Dabei sind intrafamiliale, intragenerationale und intergenerationale Umverteilungen zugunsten der jungen und der alten Generation zu unterscheiden. Bei einer den gesamten Lebenslauf einer Generation umfassenden Betrachtung ist die sie betreffende Netto-Umverteilung weit geringer als es die bei einer Jahresbetrachtung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ausgewiesenen Transferströme erkennen lassen. Der Beitrag zeigt, daß ein Drei-GenerationenVertrag in der Privatrechts-und in der Sozialrechtsordnung moderner Sozialstaaten verankert ist. Die Regelungen zur Alterssicherung und zum Kinderlastenausgleich können mit einem solchen Drei-Generationen-Vertrag begründet werden, weil die seit Urzeiten im Rahmen der Großfamilie durchgeführte Absicherung der Kinder und der Alten im Sozialstaat auf die gesellschaftliche Ebene gehoben wurde. Die auf einem Drei-GenerationenVertrag beruhenden Umverteilungsmechanismen entscheiden auch darüber, welche Generation bei unerwarteten Verschlechterungen der externen Rahmenbedingungen die Hauptlast zu tragen hat. Aus staatsphilosophischer Sicht, die nach den Kriterien einer gerechten Staatsordnung fragt, hat Rawls eine vertragstheoretische Begründung entwickelt, die großen Anklang gefunden hat. Ein-Drei-Generationen-Vertrag stellt allerdings, weil er sich nur auf das Verhältnis zwischen den Generationen bezieht, lediglich ein Element eines umfassenderen Sozialvertrags dar, der zur Begründung eines modernen Sozialstaates dient. Abschließend wird die Frage aufgeworfen, welche Änderungen der Drei-Generationen-Vertrag erfahren müßte, wenn große einseitige Wanderungsströme zu berücksichtigen sind.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2001

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  • Richard Hauser

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