Advertisement

Raub — und erpressungsähnliche Delikte

  • Wolfgang Mitsch
Chapter
  • 142 Downloads
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Die beiden in diesem Kapitel erläuterten Straftatbestände — der Räuberische Angriff auf Kraftfahrer (§ 316 a) und der Erpresserische Menschenraub (§ 239 a) haben nicht nur Raub- und Erpressungsähnlichkeit, auch im Verhältnis zueinander lassen sich einige Gemeinsamkeiten festhalten: Beide Straftatbestände sind — wie der Kleinbuchstabe hinter der Paragraphenzahl andeutet — erst nachträglich in das Strafgesetzbuch aufgenommen worden, gehörten also 1871 noch nicht zum Besonderen Teil des StGB. Darüber hinaus steht ihre Entstehung in demselben geschichtlichen und politischen Zusammenhang. Beide Strafvorschriften sind Erzeugnisse nationalsozialistischer Verbrechensbekämpfungspolitik. Außerdem wurde bei beiden Straftatbeständen der Anstoß zu ihrer Schaffung durch tatsächliche kriminelle Ereignisse („Lindbergh-Baby-Entführung“;1 „Gebrüder Götze“) gegeben,2 die die Bevölkerung in Unruhe versetzten und den NS-Machthabern willkommener Anlaß für weitere Exempel einer zunehmenden Brutalisierung, Primitivierung und Verrohung hoheitlicher Verbrechensverfolgung waren (näher dazu unten Rn. 4).3 Den Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ haben Räuberischer Angriff auf Kraftfahrer und Erpresserischer Menschenraub als Straftatbestände insofern überdauert, als sie nach Gründung der Bundesrepublik in entnazifizierter — wenngleich nicht unbedingt rechtsstaatlich vorbildlicher4 — Fassung weiterhin Bestandteile des Strafgesetzbuches geblieben sind. Vor allem wegen ihrer hohen Strafdrohung sind diese Strafvorschriften immer noch umstritten und vielfältiger Kritik ausgesetzt.5

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bohlinger, Bemerkungen zum Zwölften Strafrechtsänderungsgesetz (12. StrÄG), JZ 1972, 230Google Scholar
  2. Fahl, Zur Problematik der §§ 239 a b StGB bei der Anwendung auf „Zwei-Personen-Verhältnisse“, Jura 1996, 456Google Scholar
  3. Graul, Vom Zustand der Zeit im Umgang mit Gesetzen, dargestellt am Beispiel der §§ 239 a, 239 b StGB, in: Vom unmöglichen Zustand des Strafrechts, Institut für Kriminalwissenschaften Frankfurt a. M. (Hrsg.), 1995, S. 345Google Scholar
  4. Hansen, Tatbild, Tatbestandsfassung und Tatbestandsauslegung beim erpresserischen Menschenraub (§ 239 a StGB), GA 1974, 353Google Scholar
  5. Bernd Heinrich, Zur Notwendigkeit der Einschränkung des Tatbestandes der Geiselnahme, NStZ 1997, 365Google Scholar
  6. Maurach, Zur Rechtsnatur des erpresserischen Kindesraubes (§ 239 a StGB), JZ 1962, 559Google Scholar
  7. Maurach Probleme des erfolgsqualifizierten Delikts bei Menschenraub, Geiselnahme und Luftpiraterie, Festschrift für Ernst Heinitz, 1972, S. 403Google Scholar
  8. Müller-Dietz, Der Tatbestand der Geiselnahme in der Diskussion, Jus 1996, 110Google Scholar
  9. Müller-Emmert/Maier, Erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme, MDR 1972, 97Google Scholar
  10. Rengier, Genügt die „bloße“ Bedrohung mit (Schuß-) Waffen zum „Sichbemächtigen“ i.S. der §§ 239 a, 239 b StGB ?, GA 1985, 314Google Scholar
  11. Renzikowski, Erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme im System des Besonderen Teils des Strafgesetzbuches, JZ 1994, 492Google Scholar
  12. Tenckhoff/Baumann, Zur Reduktion des Tatbestandes des erpresserischen Menschenraubs und der Geiselnahme, §§ 239 a, 239 b StGB, Jus 1994, 836Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2001

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Mitsch
    • 1
  1. 1.Juristische FakultätUniversität PotsdamPotsdamDeutschland

Personalised recommendations