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Eine Theorie der Währungsdesintegration

  • Clemens Muth
Part of the Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge book series (WIRTSCH.BEITR., volume 151)

Zusammenfassung

Die bisherige Analyse hat eine Reihe von möglichen Motiven eines Landes zur Austrittsentscheidung aus einer Währungsunion gezeigt. Während in Teil I.A.1 unter dem Titel der realen Integration vor allem allokative Aspekte einer Währungsunion untersucht wurden, und auch die Forderung nach einer Konvergenz der Wirtschaftsordnung zwischen den Mitgliedstaaten (Kapitel I.A.2) allokationstheoretisch begründet wurde, behandelten die Teil I.A.3 bis I.A.5 vor allem Verteilungsaspekte zwischen den Mitgliedstaaten und zeigten mögliche Konfliktpunkte zwischen den Partnern in einer Währungsunion. Teil I.B diskutierte spezifischen Wirkungen des Desintegrationsprozesses und zeigte die Verschiedenheit zwischen Währungsintegration und Währungsdesintegration. Schließlich hat das letzte Kapitel die Grenzen der ökonomischen Analyse aufgezeigt. Politische Erwägungen sind maßgebliche Determinanten der Austrittsentscheidung und nur schwer zu operationalisieren.

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Referenzen

  1. 200.
    Zur mangelnden Operationalisierbarkeit und Manipulierbarkeit der Theorien des optimalen Währungraums vgl. z.B. Melitz, Jaques (1995, S. 500), The current impass in research on optimum currency areas, in: European Economic Review, Vol. 39, S. 492500.Google Scholar
  2. 201.
    Für unsere Analyse unterstellen wir ein festes Verhältnis zwischen der Zentralbankgeldmenge M und der Gesamtgeldmenge (etwa M3). Die Inflationsrate sei mit π definiert, V bezeichne die Geldumlaufgeschwindigkei Y das reale Sozialprodukt. Variablen mit einem bezeichnen die Wachstumsraten der jeweiligen Größe.Google Scholar
  3. 202.
    Der theoretische Extremfall ist hier die Dollarisierung. Hier hat die Unionszentralbank keinerlei Kredite an das Austrittsland erteilt, die umlaufende Geldmenge ist durch Zahlungsbilanzüberschüsse in das Austrittsland gelangt. In diesem Fall ist U SM auf jeden Fall positiv, die Einführung einer neuen nationalen Währung bedeutet einen Ressourcengewinn im Umfang der zuvor genutzten Menge an (ausländischer) “Unions”währung. Auf den Ressourcengewinn bei Beendigung (bzw. Ressourcenverlust bei Entstehung) einer “Dollarisierung” hat bereits Fischer (1982, S. 305) in einer kurzen Bemerkung hingewiesen: “A country giving up use of its own currency faces a one-time cost of aquiring the initial stock of foreign high powered money”. Vgl. Fischer, Stanley (1982, S. 305), Seigniorage and the Case for National Money, in: Journal of Political Economy, Vol. 90, S. 295–313.CrossRefGoogle Scholar
  4. 203.
    Siehe hierzu die Einschränkung in der folgenden Fußnote.Google Scholar
  5. 204.
    Der Zeitfaktor ist insbesondere bei schon vorhandener Inflationierung von Bedeutung. Bei hoher Inflationierung kann so über den “Zeitfaktor” auch bei “konventioneller Geldschöpfung” der Wert von U SM durch einen nur teilweisen Umtausch der Unionswährung erhöht werden.Google Scholar
  6. 205.
    Völlige Gleichheit zwischen (88) und (82) herrscht, sofern die folgende Bedingung erfüllt ist: a (G _ T) (eF + D) = a Z eF + a D D.Google Scholar
  7. 206.
    Abgesehen vom Fall der Weigerung des Austrittslands zur Begleichung der Forderungen der Unionszentralbank.Google Scholar
  8. 207.
    An dieser Stelle könnte eingewandt werden, daß diese Abhängigkeit von der Zahl der Mitglieder (siehe auch die folgende Gleichung (89)) anstelle von U M die Größe UAUS betrifft. UAUS betrifft jedoch den Nutzen aus dem bloßen Austrittsvorgang aus einer bestehenden Währungsunion mit bestehender Zahl n an Mitgliedstaaten, während U M den Nutzen aus dem Verbleib in der Währungsunion (einschließlich des Nutzens aus einem späteren Austritt aus einer Währungsunion mit n-x Mitgliedern) darstellt.Google Scholar
  9. 208.
    Der Prozeß läuft jedoch genauso in die umgekehrte Richtung. Ein Anstieg der Bleibewahrscheinlichkeit für ein Land erhöht die Bleibewahrscheinlichkeit der übrigen Mitglieder.Google Scholar
  10. 209.
    Voraussetzung ist die oben getroffene Annahme eines positiven Werts des Gewichts von Land j für den Nutzen von Land i aus der Mitgliedschaft in der Währungsunion. Ist gi<O, so wird die Währungsunion durch die gestiegene Austrittswahrscheinlichkeit für Land j stabiler, der Prozeß läuft in die umgekehrte Richtung. So könnte beispielsweise die Mitgliedschaft eines insolventen Landes j (im Fall der Rubelzone z.B. das im Bürgerkrieg stehende Tadschikistan) mit überhöhter Staatsverschuldung den Nutzen aus der Währungsunion für ein anderes Land i (z.B. Estland) negativ beeinflussen. Ein Rückgang der Bleibewahrscheinlichkeit für Land j würde den Nutzen aus der Mitgliedschaft von Land i erhöhen. Da ein Land jedoch nur Mitglied einer Währungsunion bleiben dürfte, sofern zumindest einer der Partnerstaaten (hier z.B. Rußland) einen Nutzen aus seiner Mitgliedschaft hat und zudem das Entstehen einer Austrittswahrscheinlichkeit für ein Land, das den meisten Ländern durch seine Mitgliedschaft Nachteile bereitet (also zu deren Lasten Nutzen aus der Union erzielt) wenig wahrscheinlich ist, erscheint dieser Punkt nur von nachrangiger Bedeutung. Ob die Währungsunion in einem solchen Fall durch die gestiegene Austrittswahrscheinlichkeit für Land j stabiler oder instabiler wird, hängt von den einzelnen Veränderungen von ε1. ..n-1 (Gleichung (90)) und ihren Rückwirkungen ab. Beide Resultate sind prinzipiell möglich. Der Vollständigkeit halber sei hier auch erwähnt, daß im Falle g j-0 für alle i ein Anstieg von εj keinen Einfluß auf die Union und ihre Stabilität hat.Google Scholar
  11. 210.
    Diese als ‘Austrittswettlauf’ bezeichnete Tendenz zur Instabilität der Währungsunion kann durch erste positive Erfahrungen der ersten Austrittsstaaten zusätzlich verstärkt werden. Ist etwa zu Beginn der Währungsdesintegration die Furcht vor den negativen Begleitserscheinungen eines Austritts bei den meisten Mitgliedstaaten noch sehr hoch, so können erste positive Erfahrungen früh ausgetretener Mitgliedstaaten mit den Folgen des Austritts die Währungsunion weiter destabilisieren und den Austrittswettlauf verstärken. Umgekehrt können negative Erfahrungen ausgetretener Staaten die Währungsunion erneut stabilisieren. Übersetzt in das theoretische Vokabular heißt dies, die von den politischen Akteuren beobachtete Größe U*NM, also der Nutzen aus der Nicht-Mitgliedschaft in der Währungsunion, kann sich durch frühere Austritte verändern.Google Scholar
  12. 211.
    Ein schlaues Mitgliedsland könnte angesichts der negativen Wirkungen eines ungeordneten Austritts sogar soweit gehen, sich den geordneten Rückzug aus, oder den Verbleib in, der Währungsunion von den übrigen Mitgliedern bezahlen lassen.Google Scholar
  13. 212.
    Etwa analog dem in Kapitel I.A.3.4 gemachten Vorschlag einer Verknüpfung von Zinskriterium und Schuldenstandskriterium.Google Scholar
  14. 213.
    Zumindest für eine Übergangszeit kann versucht werden, die Stabilität einer Währungsunion durch allgemeinpolitische Integrationsanstrengungen zu verstärken, so daß die Währungsunion aus politischen Motiven “unumkehrbar” wird, der Nutzen der Mitgliedschaft und der Nutzen aus der Nichtmitgliedschaft also aus politischen Gründen extrem hoch bzw. extrem niedrig angesehen wird. Langfristig erscheint eine solche Strategie aufgrund der Wechselwirkungen zwischen politischen und ökonomischen Austrittsmotiven (siehe Kapitel I.C.2.1) jedoch wenig erfolgversprechend. Verklausuliert befindet sich diese Position bereits 1970 im sog. Werner-Bericht, zur Schaffung einer europäischen Währungsunion, wenn es heißt. “Die Wirtschafts- und Währungsunion erscheint somit als Ferment für die Entwicklung der politischen Union, ohne die sie auf Dauer nicht bestehen kann”. Vgl. Bericht an Rat und Kommission über die stufenweiseVerwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion in der Gemeinschaft — “WernerBericht” (1970, S. 27), Sonderbeilage zum Bulletin der Europäischen Gemeinschaften, Luxemburg.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1997

Authors and Affiliations

  • Clemens Muth
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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