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Chinas politische und wirtschaftliche Lage nach der Revolution

  • Fritz Wertheimer

Zusammenfassung

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist der ferne Osten von den Westländern und den Amerikanern in ihren Welthandelsverkehr einbezogen worden und wurde damit gezwungen, seine Sonderstellung in sich geschlossener Sonderwirtschaften aufzugeben. Dieser Erschließungsarbeit stellte der Osten in Japan und in China zunächst eine ausgesprochene Fremdenfeindlichkeit gegenüber, die auch in der Folge, in der Form eines passiven Widerstandes, das System Chinas geblieben ist, wenn es galt, sich mit den eindringenden fremden Persönlichkeiten abzufinden. In Japan schlug unter der Führung weitaus-schauender Staatsmänner diese Stimmung bald, äußerlich wenigstens, ins Gegenteil um, und die letzten Jahrzehnte japanischer Entwicklung zeigen im Vergleich mit dem selben Zeitraum chinesischer Geschichte deutlich, auf wessen Seite der Erfolg liegt. In Japan erkannte man klar die Unmöglichkeit, gegenüber dem energischen Willen der Handelsfreiheit erstrebenden kaufmännischen Pioniere das Land länger in seiner Abgeschlossenheit zu erhalten. Mit dem Handel aber kamen unmerklich die Gedanken und Ideen und als drohendes Gespenst, wenn man sich ihnen entziehen wollte, die fremden Kriegsschiffe und Soldaten, denen abendländische Technik und Ausbildung eine unermeßliche Überlegenheit über den Osten verleihen mußte. Man sah ein, daß nur ein rasches Nachholen des in Jahrhunderte langer Abgeschiedenheit Versäumten die Japaner wehrhaft machen könnte. Schon damals steckte in dieser Erkenntnis wohl ein Keim von dem Gedanken, daß von der Schnelligkeit in der Übernahme der fremden, Methoden und Einrichtungen nicht nur die Geltung gegenüber jenen Fremden, sondern auch die Stellung im fernen Osten den anderen zurückgebliebenen Nationen Korea und China gegenüber abhängen müsse. Es ist bekannt, wie geschickt und mit welcher Anpassungsfähigkeit Japan seine Pläne in der Folgezeit zur Durchführung brachte, wie es seine Söhne zum Studium nach allen Weltgegenden entsandte und in der Heimat fieberhaft arbeitete, um im chinesisch-japanischen Kriege 1894/95 und endlich im russisch-japanischen Kriege ein Jahrzehnt später militärische Erfolge nicht nur über die Chinesen, sondern auch über die Vertreter der weißen Rasse im fernen Osten, die Russen, zu erringen und in dem Bündnis mit England auch äußerlich, moralisch, seine neuerworbene Weltgeltung als Großmacht ausgedrückt zu sehen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1913

Authors and Affiliations

  • Fritz Wertheimer
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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