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Eine Analyse monetärer Wechselkursmodelle

  • Tilmann Gerhards
Chapter
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Part of the Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge book series (WIRTSCH.BEITR., volume 99)

Zusammenfassung

Im diesem Kapitel wird die Relevanz der monetären Theorie anhand des Datenmaterials modemer offener Volkswirtschaften untersucht. Dazu wird ermittelt, ob die tatsächliche Entwicklung einer Volkswirtschaft langfristig im Einklang mit monetären Überlegungen steht. Ist dies der Fall, so sollten entsprechende Gleichgewichtsbeziehungen existieren, an denen sich die zyklischen volkswirtschaftlichen Bewegungen orientieren. Speziell für eine derartige Untersuchung bietet sich der Kointegrationsansatz in multivariaten Systemen an. Existieren langfristige Beziehungen, dann sind diese geschätzten Relationen stationär, obwohl die einzelnen Zeitreihen innerhalb der betrachteten VAR-Modelle für sich selbst einen nichtstationären Charakter haben. Es ist das Ziel dieses Abschnittes, festzustellen, ob Kointegrationsbeziehungen existieren, und zu testen, ob diese Vektoren mit theoretischen monetären Gleichgewichtsbeziehungen vereinbar sind. So greift die folgende Analyse zum einen die grundlegenden Fragestellungen der monetären Theorie auf und bietet neue empirische Resultate im Hinblick auf die Existenz stabiler, langfristiger monetärer Gleichgewichtsbeziehungen innerhalb des Datenmaterials moderner offener Volkswirtschaften. Zum anderen stellt sie auch eine entscheidende Grundlage für die Untersuchung monetärer Wechselkursmodelle dar. Denn die ermittelten Resultate hinsichtlich der monetären Zusammenhänge in Volkswirtschaften können in einem zweiten Schritt für die Analyse der monetären Wechselkursmodelle verwendet werden. Dies bedeutet, daß bei der Spezifikation von Wechselkursmodellen die gefundenen Wechselwirkungen berücksichtigt werden und in die Modellbildung einfließen können.

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Literatur

  1. 1.
    Mit dieser Struktur korrespondiert die Nachfragegleichung im Prinzip mit der Sichtweise von Keynes [1936].Google Scholar
  2. 2.
    Im Rahmen rationaler Erwartungen werden diese Effekte von Preisflexibilität z.B. auch in Driskill und Sheffrin [1986] oder Delong und Summers [1986] untersucht. Tobin [1975] betrachtet in diesem Zusammenhang speziell die Wirkungen einer Deflation auf den Realzins und die Beschäftigung.Google Scholar
  3. 3.
    In seinen empirischen Studien mit Jahresdaten konnte die Hypothese, daß nur unerwartete Geldmengenänderungen die Produktion beeinflussen, nicht verworfen werden. Mishkin [1983], der im Unterschied zu Barro mit Quartalsdaten arbeitet, gelangt dagegen zu dem Resultat, daß sowohl unerwartete als auch erwartete Änderungen einen dauerhaften Einfluß haben.Google Scholar
  4. 4.
    Die Analysen wurden auch mit dem realen Bruttosozialprodukt als Einkommensgröße durchgeführt. Dabei ergaben sich jedoch keine großen Unterschiede zu den Ergebnissen mit der Industrieproduktion.Google Scholar
  5. 5.
    Die Ausnahme ist der effektive Wechselkurs im System für Deutschland, bei dem der Außenwert der D-Mark gegenüber 18 Industrieländern aus den Statistischen Beiheften der Deutschen Bundesbank verwendet wird. Die Unterschiede zu dem effektiven Wechselkurs des IMF sind jedoch nur gering.Google Scholar
  6. 6.
    Ebenso wurde bei den VAR-Modellen der anderen Länder vorgegangen. Auch bei diesen Systemen wurden jeweils zwei zeitverzögerte Werte für die Variablen verwendet.Google Scholar
  7. 7.
    Zu der Robustheit der Hypothesentests in Hinblick auf Abweichungen der Residuen von der Normal Verteilung siehe Kapitel 5.5.Google Scholar
  8. 8.
    Ein LR-Test, der den Koeffizienten des kurzfristigen Zinses auf Null restringiert, wird bei einem Wert von χ2(1)=0.71 nicht abgelehnt.Google Scholar
  9. 9.
    Wie schon für die oben untersuchten Systeme wird auch in diesem Modell, im Unterschied zur Preishomogenität (19.20 χ2(3)-verteilt), Homogenität im Einkommen für den gesamten Kointegrationsraum nicht verworfen (1.62, χ2(3)).Google Scholar
  10. 10.
    Interessanterweise wird bei einer Untersuchung des Modells bei der Verwendung des für die Schweiz auch wichtigen Wechselkurses zwischen dem französichen Franc und dem Schweizer Franken ein Ausschluß des Wechselkurses aus den Kointegrationsbeziehungen ebenso verworfen wie im Fall des DEM/CHF-Kurses (mit 5.09 und 7.39 jeweils bei einer χ2(1)-Verteilung).Google Scholar
  11. 12.
    Auf die Fragen möglicher Verzerrungen der Ergebnisse aufgrund endlicher Stichproben oder Meßfehler wird hier nicht weiter eingegangen, siehe dazu Kapitel 5 und Kapitel 9.Google Scholar
  12. 13.
    Der Ausgangspunkt der Modellierung einer monetären Wechselkursgleichung in reduzierter Form führt im folgenden zu einem VAR-Modell, das nicht den Preisindex in der Variablenmenge beinhaltet.Google Scholar
  13. 14.
    Bei dem VAR-Modell mit den Inflationsraten läßt sich dagegen ein monetärer Wechselkursvektor identifizieren, der als Fehler-Korrektur-Mechanismus auf die Wechselkursgleichung wirkt. Auch die Tests auf Ausschluß sowie schwache Exogenität der GBP/USD-Variablen werden abgelehnt.Google Scholar
  14. 15.
    Auf eine Untersuchung unter Verwendung der Inflationsraten anstatt der Zinssätze wurde verzichtet, da dies nicht mit der gewählten Form des strukturellen Modells (siehe unten) vereinbar ist. Ein modifiziertes Modell führt dagegen nicht unbedingt zu vergleichbaren Resultaten.Google Scholar
  15. 16.
    Die Bedeutung von Kointegration in vektorautoregressiven Modellen wird auch in Reimers [1992] und Lütkepohl [1991] untersucht.Google Scholar
  16. 17.
    Strukturelle vektorautoregressive Modelle im Niveau der Daten wurden u.a. von Blanchard und Watson [1986] oder Sims [1986] untersucht. Blanchard [1989], Blanchard und Quah [1989] und Giovannini [1992] betrachten Modelle mit Variablen in 1. Differenzen, während Bernanke [1986] beide Fälle analysiert. SVAR-Modelle zur Analyse makroökonomischer Fluktuationen wurden auch von Gali [1992], Bruno und Portier [1993] und Karras [1993] verwendet.Google Scholar
  17. 18.
    Die Analyse vektorautoregressiver Modelle mittels einer Choleski-Zerlegung wurde von Sims [1980] erstmals vorgeschlagen und ist im weiteren in einer Vielzahl von empirischen Arbeiten mit VAR-Modellen verfolgt worden. In Kapitel 11 und 12 dieser Arbeit werden für die dynamische Analyse VAR-Modelle mit Choleski-Zerlegungen verwendet.Google Scholar
  18. 19.
    Die Grundlagen für diese Betrachtungen wurden von Arbeiten von Frisch [1933], Slutzky [1937] und Kalecki [1954] gelegt.Google Scholar
  19. 20.
    Die Wechselkursgröße ist hier als Preis einer ausländischen Währungseinheit in Einheiten der inländischen Währung definiert. Daher wirkt diese Größe im inländischen Teilmodell mit entgegengesetztem Vorzeichen wie im (ausländischen) US-Modell.Google Scholar
  20. 21.
    Es werden für die Varianz-Zerlegungen keine Signifikanzintervalle angegeben, zu der Frage ihrer Bedeutung siehe Sims [198G] und die Diskussion in Runkle [1987] und Sims [1987].Google Scholar
  21. 22.
    Dieses Resultat gilt unverändert auch dann, wenn eine Choleski-Zerlegung zugrundegelegt und die Wechselkursvariable an die erste Stelle gesetzt wird. Die Innovationen in den anderen Variablen verursachen den signifikanten Anteil der Wechselkursvariation.Google Scholar
  22. 23.
    Die Konfidenzintervalle wurden mit Hilfe von Monte-Carlo-Experimenten mit jeweils 100 Ziehungen ermittelt.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1994

Authors and Affiliations

  • Tilmann Gerhards
    • 1
  1. 1.Investment/Research, SGZ-Bank, SüdwestdeutscheGenossenschafts-Zentralbank AGFrankfurt am MainDeutschland

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