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Zusammenfassung

Wenn C. J. A. Mittermaier vor nunmehr 70 Jahren in seinem Vorworte zu der Waltherschen Bearbeitung der Rechtsmittellehre1) über die Vernachlässigung dieses Gebietes seitens der Wissenschaft klagen konnte2), so ist diese Klage heute nicht mehr am Platze, soweit es sich um das Rechtsmittel der Berufung handelt; denn dieses gehört seit geraumer Zeit zu den beliebtesten Streitobjekten der Strafprozeßwissenschaft, und die durch den Kampf um die Einführung der Berufung gegen Strafkammerurteile hervorgerufene Literatur ist kaum übersehbar. Diese lebhafte Beschäftigung mit der Berufung ist jedoch dem anderen hauptsächlichen Rechtsbehelfe des geltenden Strafverfahrens, der Revision, nur in verhältnismäßig geringem Umfange zugute gekommen, ja die Lehre von der Revision bildet in der prinzipienlosen Unklarheit, die ihr trotz ihrer großen praktischen Bedeutung eigentümlich ist, heute geradezu ein Stiefkind der Strafprozeßwissenschaft3). Diese Unklarheit bezieht sich nicht etwa nur auf die Einzelausgestaltung, sondern vor allem auch auf die Grundlagen, auf denen das Gebäude der Revision ruht, nämlich auf ihren Begriff, ihre Begrenzung, ihren Zweck und schließlich auf ihr Verhältnis zur zivilprozessualen Revision. Unzweifelhaft ist die Lösung dieser Schwierigkeiten zum großen Teile Weltanschauungssache — der Individualist wird dabei oftmals andere Wege gehen als der, dem der Einzelne nur um der Gesamtheit willen existiert. Vollkommene Übereinstimmung wird sich auf diesem Gebiete daher schwerlich jemals erzielen lassen. Indessen gibt es auch hier eine Anzahl grundlegender Voraussetzungen, deren Richtigkeit im allgemeinen anerkannt werden wird und auf denen sich dann weiterbauen läßt. Zum mindesten wird schon die Erkenntnis dieser gedanklichen Zusammenhänge auch dann zur Klärung beitragen, wenn die Richtigkeit der einen oder anderen im folgenden aufgestellten Behauptung bezweifelt werden sollte.

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Literatur

  1. 1).
    Friedrich Walther, Die Rechtsmittel im Strafverfahren nach den Grundsätzen des enghsch-französischen Strafprozeßrechtes mit einem Vorworte von Dr. C. J. A. Mittermaier (München 1853, Bd. I; 1855, Bd. II).Google Scholar
  2. 1).
    B. Cornelius Bei Aschrott, Reform des Strafverfahrens 1908 S.683.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1925

Authors and Affiliations

  • Hermann Mannheim
    • 1
  1. 1.Universität BerlinDeutschland

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