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Zusammenfassung

Dringliche Operationen sind solche, welche unmittelbar lebensrettend wirken sollen. Ihre Dringlichkeit festzustellen, demnach ihr Indikationsgebiet zu umgrenzen, ist Gegenstand der chirurgischen Erkenntnis, ihre Durchführung Vorwurf der operativen Kunst. Es kann daher keinsfalls die Aufgabe des Anatomen sein, über die Indikationsstellung, die Ausführbarkeit und die Art der Ausführung dringlicher Operationen zu sprechen. Viele dieser Operationen erhalten ihre Dringlichkeit nicht so sehr durch die aus der Topik oder der Physiologie eines Organes hervorgehenden Eigentümlichkeiten oder Störungen, als vielmehr aus der Pathogenese eines mehr minder plötzlich auftretenden Prozesses. Dahin gehören beispielsweise die oft dringliche, also lebensrettende Eröffnung eines Abszesses oder das Debridement nach Verletzung des Schädels. Für diese Operationen ist die landläufige Kenntnis der Anatomie genügend, die Indikationsstellung entscheidend. Für solche Eingriffe können wir auch kaum topographische Anhaltspunkte geben. Ganz anders verhalten sich jene Operationen, bei welchen, die Dringlichkeit des Eingriffes vorausgesetzt, der Erfolg von der genauen Kenntnis der gegenseitigen Lagebeziehung der Organe bei deren Aufsuchung oder Bloßlegung abhängig ist. Hier könnte man von typischen dringlichen Operationen sprechen, bei welchen die topographisch-anatomische Kenntnis unterstützend, ja vielfach entscheidend sein kann. In diese Kategorie operativer Eingriffe gehören die dringlichen Unterbindungen der Blutgefäße, die Bronchotomie, die Herniotomie und ähnliche Operationen.

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1923

Authors and Affiliations

  • J. Tandler
    • 1
  1. 1.Universität WienÖsterreich

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