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Der geträumte Mord

  • Otto Kaus
Part of the Individuum und Gemeinschaft book series (IG, volume 4)

Zusammenfassung

Der Traum, in dem Raskolnikoff die ganze Mordsituation reproduziert, und zwar ohne daß der Mord gelänge, knüpft an eine bewußte Überlegung an. Raskolnikoff ist durch die Begegnung mit dem Kleinbürger, der ihn als Mörder verdächtigt, geängstigt und gesteht sich, daß er derselbe Feigling geblieben ist wie früher. »Nur zu töten verstand ich! Und auch das nicht einmal, wie sich jetzt erweist .... Gehorche, zitternde Kreatur, und — wage nicht Wünsche zu hegen, weil — das nicht deine Sache ist! .... O, nimmer, nimmer vergebe ich es der Alten!« Er kann ihr nicht vergeben, daß er an ihr keineswegs zum Helden geworden ist. Wir sehen ihn also noch durchaus in seinem Männlichkeitsfetischismus befangen, er ist jedoch einer klaren Auseinandersetzung mit seiner Schwäche näher gekommen, er ängstigt sich weniger vor sich selbst. Die Erfahrungen der letzten Tage, vor allem die Begegnung mit Sonja, haben ihn bereits mißtrauisch gemacht gegen die unbeschränkte Geltung seines Leitgedankens. Es beginnt ihm zu dämmern, daß der Mord ein falscher Weg war, kein Sieg, sondern eine Niederlage, und daß die Lösung seiner Konflikte auf einer anderen Linie liegt. »Oh, wie ich jetzt die Alte hasse! Ich glaube, ich erschlüge sie zum zweiten Male, wenn sie wieder am Leben wäre! Die arme Lisaweta! Warum mußte sie dazwischentreten! ... Aber seltsam, daß ich an sie fast gar nicht denke, als hätte ich sie gar nicht erschlagen! ... Lisaweta! Sonja! Die armen, sanften Wesen mit den stillen Augen ... Ihr Lieben! Warum weint ihr nicht? Warum klagt ihr nicht? ... Ihr gebt alles hin ... und schaut sanft und still zu ... Sonja, Sonja! Stille Sonja! ....«

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Otto Kaus

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