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Johann Franz Wenzel Krimer (1795–1834)

  • Erich Ebstein

Zusammenfassung

Krimer wurde am 12. September 1795 in Datschitz in Mähren geboren, wo er auch seine erste Jugend verlebte. Seine Gymnasialerlebnisse im Kloster Neureusch entbehren in ihrer Offenheit und Realistik keineswegs eines besonderen Reizes, um so mehr, als er es ausgezeichnet versteht, lebensvolle Bilder der Zeit aufzurollen. Krimer hat in der Vorrede zu seinen Memoiren betont, daß er mit aller Freimütigkeit, streng wahrheitsgetreu, nicht nur ohne alle Scheu seine guten Seiten, sondern ebenso schonungslos alle seine Schwächen, Torheiten, Unbesonnenheiten, Irrtrümer und Fehler geschildert habe. Im Mittelpunkt stehen jedenfalls Krimer’sErlebnisse im Lützowschen Freikorps, in dem er auch mit Theodor Körner bekannt wurde. Bis zur Auflösung der Freischar machte Krimer den Feldzug von 1813 mit, folgte dann der Armee als Arzt nach Dresden, Culm und Leipzig und übernahm hierauf die Leitung des Typhusspitales in Stadt-Ilm. Diese Schilderung sei hier u. a. wiedergegeben, wie der geglückte Versuch, Goethes Haus in Weimar zu retten. 1814 zog er nach Frankreich und 1815 durch Flandern über Waterloo nach Paris. Nach Beendigung des Krieges ließ er sich in Halle immatrikulieren und wurde dort schließlich medizinischer Doktor.1) Hiermit schließen die Memoiren ab, die aus Anlaß der Jahrhundertjahrfeier der Befreiungskriege erst wieder ausgegraben werden mußten. Als Schüler von Friedrich Nasse habilitierte sich Krimer in Bonn und hat sich durch eine große Anzahl (39) von Arbeiten bekannt gemacht, in denen besonders seine Vorliebe für das Praktische und für Technizismen am Krankenbett auffallen. So verdankt man ihm die Einrichtung, daß jeder Soldat im Futter seines Tschako zwei Binden, ein Tuch und eine Handvoll Charpie bei sich tragen mußte. Diese Krimerschen „Verbandpäckchen“ wurden erst 1869 allgemein eingeführt. (Vgl. Fischer, J.: Wien. klin. Wochenschr. 1916, Nr. 49, und Bergeat: Münch, med. Wochenschr. 1915, Nr. 6, S. 215.) Außerdem hat er das Dynamometer für die Untersuchung der Muskelkraft eingeführt und den Vorschlag gemacht, zur Untersuchung des Mastdarms sich des Lisfrancschen Mutterspiegels zu bedienen. Besonders bemerkenswert ist Krimers „Bericht über einige Versuche, welche in der Absicht angestellt wurden, um besondere Fälle von Lungenschwindsucht durch chirurgische Kunsthilfe zu heilen“, die er mit anderen Arbeiten in Gräfe und Walhers Journal für Chirurgie, Bd. 13, 1829, veröffentlichte. Dabei machte Krimer zu dem Titel der heute modern anmutenden Arbeit die bescheidene Anmerkung: „Obige Aufschrift wird zwar manchem paradox klingen, mancher Medicinae practicus wird zwar kopfschüttelnd und mitleidig lächelnd sagen: das muß ich gestehen ! Schwindsucht durch eine Operation heilen! wahrlich, magnus mihi eris Apollo! „Nun — er lese nur unbefangen weiter!“ Allein, unerfüllte Versprechungen, getäuschte Hoffnungen, Gram und Nahrungssorgen trieben Krimer an, wie er selbst ebenda berichtet, seinen Wirkungskreis zu verlassen und sich als praktischer Arzt nach Aachen zurückzuziehen. Ein Jahr vor dem am 22. November 1834 erfolgten Tode vollendete er die Niederschrift seiner Memoiren. Er, dem dreizehn Verwundungen in drei Feldzügen, zahllose Krankheiten, Unglücksfälle und Duelle nichts anhaben konnten, ging an einem Speiseröhrenkrebs zugrunde (Härtung in Hufelands Journal 1838, Bd. 86, Juni, S. 35).

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1923

Authors and Affiliations

  • Erich Ebstein
    • 1
  1. 1.LeipƶigDeutschland

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