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Johann Heinrich Jung (genannt Stilling) (1740–1817)

  • Erich Ebstein

Zusammenfassung

Geboren den 12, September 1740 im Dorfe Grund im Nassauischen, gestorben am 2. April 1817 zu Karlsruhe. Anfänglich Schneider und Hauslehrer, studierte er seit 1770 in Straßburg Medizin. Er wurde bekannt durch seine geschickten Staroperationen und war als Arzt in Elberfeld tätig. Seit 1787 war er Professor der Ökonomie und Kameralwissenschaften in Marburg, seit 1804 Professor der Staatswissenschaften in Heidelberg, und darauf lebte er als vortragender Rat in Karlsruhe. Jung-Stilling gehörte in Straßburg mit zu Goethes Tischgesellschaft, und er hat seiner in „Dichtung und Wahrheit“ ausführlich gedacht. Goethe war es auch, der den ersten Teil der auf seine Aufforderung hin verfaßten Selbstbiographie zum Druck beförderte. Goethe nahm, als er Stilling im Juli 1774 in Elberfeld besuchte, das Manuskript mit, es erschien 1777. Stilling erhielt das Honorar, 150 Taler in Gold, gerade in dem Augenblick der höchsten Not von seinem Freunde übersandt. Er selbst legte den Sachverhalt dar in der Litt, und Theater Leitung II, 2, 1779, S. 372 — 380. Diesen Teil, „Jugend“ von Stillings Zebensgeschichte rechnet Nietzsche mit Goethes Schriften, Lichtenbergs Aphorismen und Kellers Leuten von Seldwyla zu dem Wenigen, was von deutscher Prosa wert sei, immer wieder gelesen zu werden. Goethe hat seinen Straßburger Freund folgendermaßen geschildert: „Seine Gestalt, ungeachtet einer veralteten Kleidungsart, hatte, bei einer gewissen Derbheit, etwas Zartes. Eine Haarbeutelperücke entstellte nicht sein bedeutendes und gefälliges Gesicht. Seine Stimme war stark, sobald er in Eifer geriet, welches sehr leicht geschah. Wenn man ihn näher kennen lernte, so fand man an ihm einen gesunden Menschenverstand, der auf dem Gemüte ruhte und sich deswegen von Neigungen und Leidenschaften bestimmen ließ, und aus eben diesem Gemüt entsprang ein Enthusiasmus für das Gute, Wahre, Rechte in möglicher Reinheit.“

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© Julius Springer in Berlin 1923

Authors and Affiliations

  • Erich Ebstein
    • 1
  1. 1.LeipƶigDeutschland

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