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Einleitung

  • Otto Hölder

Zusammenfassung

In der Mathematik und in den exakten Naturwissenschaften, die sich der Mathematik als einer Hilfswissenschaft bedienen, kommen eigentümliche, lange und verzweigte Schlußketten vor. Während in den historischen Wissenschaften der Grundsatz gilt, daß Kombinationen sich nur auf unmittelbar beurkundete Wahrheiten, nicht auf gleichfalls nur Kombiniertes stützen sollen, baut man in den mathematischen Wissenschaften fortgesetzt das Eine auf das Andere. Daß ein solches Verfahren hier möglich ist, kann nur auf der exakten Gültigkeit der Gesetze beruhen, die hier zur Verfügung stehen. Dieses Verfahren hat da, wo es angewandt wird, um Tatsachen zu beweisen, die bereits vorher auf andere Weise gefunden worden sind, den Zweck, einen möglichst vollständigen Zusammenhang zwischen den Tatsachen herzustellen und sie zugleich vollständig sicherzustellen. Unser Bemühen ist also vornehmlich auf das Verstehen der Tatsachen, auf ihre Erklärung gerichtet. Daß wir damit nur die „einfachste Beschreibung“ der Tatsachen anstreben, kann ich durchaus nicht zugeben; auch ist eine solche mathematische Behandlung meist viel weniger einfach als eine unmittelbare Beschreibung. Aus diesem Verstehen der Tatsachen ergibt sich dann in den Anwendungen auf die Naturwissenschaften und auf die Technik von selbst die Vorausbestimmung künftiger Ereignisse und das Erzielen gewollter Wirkungen; doch sind diese Ziele nicht die wissenschaftlich im Vordergrunde stehenden.

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Literatur

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1924

Authors and Affiliations

  • Otto Hölder
    • 1
  1. 1.Universität LeipzigDeutschland

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