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Die Arbeitsfähigkeit

  • Viktor v. Weizsäcker

Zusammenfassung

Von den 13 Mill. Menschen, welche heute in Deutschland Renten, Unterstützungen und Krankengeld aus öffentlichen Mitteln erhalten, gehen nach vorsichtiger Schätzung gegen 6 Mill. durch die Hand eines Arztes zum Zwecke der Prüfung ihres Anspruches und der Höhen festsetzung ihrer Rente1. Der deutsche Arzt hält also für jeden zehnten Mitbürger das Sieb in der Hand, durch das dieser passieren muß, um in irgendeine der mehr oder minder unerfreulichen ökonomischen Kategorien zu gelangen, die nun sein Schicksal bilden wird. Diese ungeheure Tatsache bezeichnet deutlich genug den Ort, an dem der Arzt in unserer Volksgemeinschaft steht, aber auch die Situation seines Patienten. Der Eintritt in die Krankheit und der Austritt aus der Krank heit ist gekoppelt mit dem Eintritt in die Arbeitsunfähigkeit und aus ihr heraus. Das bedeutet, da über zwei Drittel unserer Bevölkerung ver sichert sind (einschließlich Angehörige der Versicherten), daß auch diese Verschiebung im Volkseinkommen und in der Existenzform des Volkes bewegt wird durch den Finger des Arztes. So weitbekannt diese Tatsachen sind, so wenig wirken sie sich bisher aus in der Idee der Medizin, in den bewußten Normen ärztlichen Handelns, in dem Grund begriff des kranken Menschen.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1930

Authors and Affiliations

  • Viktor v. Weizsäcker
    • 1
  1. 1.Universität HeidelbergDeutschland

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