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Farbwaren für die Färberei

  • G. A. Buchheister
  • Georg Ottersbach

Zusammenfassung

Es sind kaum einige Jahrzehnte vergangen seit der Entdeckung der Teerfarbstoffe, denn so müssen wir statt Anilinfarbstoffe sagen, da eine ganze Reihe von anderen Bestandteilen des Steinkohlenteeres außer dem Anilin zur Herstellung von Farben dienen, und doch beherrschen diese Farben, wegen ihrer prächtigen Farbtöne und wegen ihrer bequemen Anwendung fast die ganze Woll- und Seidenfärberei und teilweise auch die Malerei. Immer mehr und mehr wird die Anwendung der früher gebräuchlichen Farbstoffe zurückgedrängt, und es ist die Zeit wohl nicht fern, wo mit Ausnahme einiger wenigen, wie Blauholz, Koschenille, alle anderen gänzlich verdrängt sein werden. Alljährlich werden viel neue Teerfarben hergestellt, und es gibt kaum noch einen Farbton, der nicht durch sie hervorgerufen werden könnte. Auch hat man gelernt, sie waschecht zu machen; ihr einziger Übelstand besteht darin, daß sie zum Teil nicht sehr licht- und luftbeständig sind. Die Beseitigung dieser unangenehmen Eigenschaft ist schwierig; denn sie beruht auf der großen Vielfältigkeit ihrer Zusammensetzung und den zarten Farbtönen, die durch die Teerfarbstoffe erzeugt werden können. Ihre Ausgiebigkeit ist beim Färben so überaus groß, daß sie wohl kaum von einem anderen Farbstoff erreicht wird. Wir können hier die Darstellung der zahllosen Teerfarben, ebenso ihre Zusammensetzung nur oberflächlich betrachten, weil sowohl die Dar-Stellung sehr verwickelt, häufig auch geheim gehalten ist, andernteils auch die chemischen Vorgänge oft nicht sehr einfach sind. — Die Bestandteile oder auch Umsetzungserzeugnisse des Steinkohlenteeres, aus denen die Farben dargestellt werden, sind Benzol, Toluol, Xylol, Phenole, Kresole, Naphthalin und Anthrazen, ferner hauptsächlich Anilin, Phthaleine und Toluidin. Der wichtigste und früher auch der einzige der genannten Körper ist das Anilin, auch Amidobenzol oder Phenylamin, C6H7N oder C6H5(NH2), genannt (s. chemische Abt.). Es wurde schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei der trockenen Destillation des Indigos entdeckt, und hiervon stammt auch der noch heute gebräuchliche Name Anilin, da „Anil“ im Spanischen Indigo bedeutet. Später fand Runge im Steinkohlenteer denselben Stoff und nannte ihn, wegen seiner blauen Eeaktion, die er mit Chlorkalklösung gab, Kyanol. Noch später lernte man ihn durch Desoxydation des Nitrobenzols herstellen. Ende der 40 er und Anfang der 50 er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren es namentlich die großartigen Untersuchungen von Professor A. W. Hofmann, die darauf hinwiesen, wie wertvoll das Anilin für die Farbenherstellung werden könne. Von dieser Zeit stammen die ersten Anfänge der Teerfarbenherstellung, die sich heute zu einem der wichtigsten Zweige der chemischen Technologie entwickelt hat. Namentlich ist es Deutschland, das den bedeutendsten Teil der ganzen Herstellung in Anspruch nimmt.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1928

Authors and Affiliations

  • G. A. Buchheister
  • Georg Ottersbach
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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