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Die Ableitung von Preisen in Ökosystemmodellen

  • Bernd Klauer
Chapter
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Part of the Umwelt und Ökonomie book series (UMWELT, volume 25)

Zusammenfassung

Jeder einzelne Bürger wäre überfordert, wenn man von ihm verlangen würde, alle naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über die Zusammenhänge in Ökosystemen bei seinen ökonomischen Entscheidungen mit zu berücksichtigen. Folglich spiegelt sich sicherlich nicht alles, was Wissenschaftler über das Funktionieren von Ökosystemen herausgefunden haben, in den Präferenzen der Bürger, auf denen ihre Entscheidungen beruhen, wider. Wenn aber alle naturwissenschaftlichen Erkenntnisse von den Individuen erfaßt werden könnten, würden sie voraussichtlich in deren Präferenzen und Entscheidungen ihren Niederschlag finden. Man kann daher davon ausgehen, daß es viele Menschen wünschenswert fanden, wenn naturwissenschaftliche Erkenntnisse in die Diskussion, wie man Nachhaltigkeit am besten operationalisiert, in systematischer Weise einflössen. Eine Möglichkeit, wie das geschehen könnte, werden wir in diesem Kapitel diskutieren. Sie besteht darin, aus Informationen über die Stoff- und Energieströme innerhalb eines Ökosystems Preise abzuleiten. Auf diese Weise erhält man Surrogate für (ökonomische) Preise von Naturgütern. Diese „Ökosystempreise“können dann bei der Operationalisierung des Nachhaltigkeitskonzeptes verwendet werden.

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Literatur

  1. 1.
    Es ist in diesem Zusammenhang interessant, daß Quesnays Vorstellung des Wirtschaftskreislaufes durch die Entdeckung des menschlichen Blutkreislaufes — also eines natürlichen Stoffkreislaufes — inspiriert wurde. Quesnay war Leibarzt der Marquise de Pompadour und Ludwig des XV.Google Scholar
  2. 2.
    In der Ökonomik werden als Dienste immaterielle Güter bezeichnet, wie z.B. Haareschneiden.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. z.B. Hannon 1973, Patten et al. 1976, Ulanowicz/Kemp 1979 und Ulanowicz 1991.Google Scholar
  4. 6.
    Es gibt in der Ökonomik allerdings auch Modelle, in denen die Wohlfahrtsfunktion nicht nur Flußgrößen als Variablen besitzt. Beispielsweise betrachten Keeler, Spence und Zeckhauser (1971) in ihrem Modell zur optimalen Kontrolle von Umweltverschmutzung eine Wohlfahrtsfunktion, die außer von den konsumierten Gütermengen explizit vom Schadstoffniveau — einer Bestandsgröße — abhängt.Google Scholar
  5. 7.
    Der Umwandlungsprozeß geschieht annahmegemäß ohne Zeitverzögerung. Diese Annahme ist nötig, weil man die Outputs und die Inputs einer Aktivität zu Netto-Outputs, der Differenz zwischen Outputs und Inputs, zusammenfaßt. Solange das Modell statisch formuliert ist, wird dadurch jedoch die Allgemeinheit nicht eingeschränkt.Google Scholar
  6. 8.
    Georgescu-Roegen (1971: 213–214) hat darauf aufmerksam gemacht, daß die Grenzen der Aktivitäten (er betrachtet allgemein Produktionsprozesse) genau festzulegen sind, weil es sonst nicht möglich ist, die Inputs und Outputs bzw. den Netto-Output zu messen. Auch wenn beispielsweise die Aktivität „Regenwürmer“über das ganze Ökosystem verbreitet ist, muß aufgrund der Definition der Aktivität genau bestimmbar sein, wann ein Stoff in einen Regenwurm ein- oder austritt.Google Scholar
  7. 9.
    In der Volkswirtschaftslehre werden gewöhnlich nicht-reproduzierbare Produktionsfaktoren (z.B. Arbeit) als Primärfaktoren bezeichnet. In unserem Ökosystemmodell werden hingegen (ebenso wie bei Koopmans 1951) nicht nur diejenigen Produktionsfaktoren,Google Scholar
  8. die innerhalb des Systems nicht reproduziert werden können und daher importiert werden müssen, sondern alle Netto-Inputs des Systems Primärfaktoren genannt.Google Scholar
  9. 10.
    Das Wort „beeinflussen“impliziert nicht, daß das Ökosystem bewußt Entscheidungen trifft. Vielmehr wird es in ähnlicher Weise benutzt wie das Wort „wählen“in der Formulierung des Fermatschen Prinzips, derzufolge ein Lichtstrahl von Punkt A nach Punkt B immer den kürzesten Weg wählen wird.Google Scholar
  10. 11.
    Im allgemeinen ist der Preis eines knappen Gutes echt größer Null, es kann aber der Grenzfall vorkommen, daß, obwohl die Faktorrestriktion mit Gleichheit erfüllt ist, dennoch eine marginale Lockerung der Restriktion zu keiner Steigerung der Produktion führt. In diesem Fall ist der Preis eines knappen Primärfaktors gleich Null.Google Scholar
  11. 12.
    Koopmans schließt in seinem Modell allerdings nicht aus, daß „Input ohne Output“(free disposal) in beliebiger Höhe möglich ist. Auch in diesem Fall wäre der Energie-und-Materie-Erhaltungssatz verletzt (Dyckhoff 1992: 81).Google Scholar
  12. 13.
    Preissysteme sind in den von uns betrachteten Ökonomien immer nur bis auf ein skalares Vielfaches bestimmt, d.h. wenn man alle Preise einer Ökonomie oder (in diesem Falle) eines Ökosystems mit einer positiven Zahl multipliziert, so ändert sich an den Preisverhältnissen zwischen den Gutern (auf die es bei Entscheidungen ankommt) nichts. Wenn wir daher im folgenden von der Eindeutigkeit eines Preissystems sprechen, ist immer Eindeutigkeit bis auf ein skalares Vielfaches gemeint. Umgekehrt sind zwei Preissysteme dann verschieden, wenn die zugehörigen Preisvektoren linear unabhängig sind.Google Scholar
  13. 16.
    Die Anwendung des Berechnungsschemas auf die Daten eines realen Ökosystems, das Cone-Spring Ökosystem in Iowa/USA (Tilly 1968), ist in Vorbereitung.Google Scholar
  14. 17.
    Diese Charakterisierung der Ecken ist nicht für alle Technologiepolyeder zutreffend. Im Anhang zu diesem Kapitel (Abschnitt 6.8.2) werden wir eine allgemeingültige Charakterisierung der Ecken angeben und daraus einen Algorithmus zum Auffinden der Ek-ken und der Facetten ableiten.Google Scholar
  15. 18.
    Es wurde ein Zahlenbeispiel mit nur drei Diensten gewählt, weil man dann das Polyeder Y graphisch darstellen kann. Um einem anderen Problem auszuweichen, das i.a. bei Modellen mit mehreren Endprodukten nicht mehr auftritt, mußten die Aktivitätsvektoren linear abhängig festgelegt werden: Wenn man nämlich die Zahlen in einem Beispiel mit zwei Primärfaktoren und einem Endprodukt so setzt, daß die Aktivitätsvektoren linear unabhängig sind (d.h. keine der Aktivitäten ist zur Herstellung des beobachteten Netto-Outputs entbehrlich), so kann man sich überlegen, daß es nur einen einzigen effizienten Punkt gibt und daß zu dessen Produktion nur zwei Aktivitäten eingesetzt werden. Weil bei der Herstellung des beobachteten Netto-Outputs aber alle drei Aktivitäten benutzt werden, kann er nicht effizient sein. In einem solchen Beispiel kann man daher kein Preissystem ableiten.Google Scholar
  16. 19.
    Man kann sich auch den geometrischen Ort der Menge C in Abbildung 6.5 leicht vorstellen: Sei O der positive Orthant des Koordinatensystems, so ergibt sich die Menge C, indem man O um den Vektor y* parallel verschiebt.Google Scholar
  17. 21.
    Diese Bedingungen sind wesentlich schwächer als die Prämissen des Nichtsubstitu-tionstheorems (vgl. Varian 1994: 358), die Hannon (1985) voraussetzt; denn es wird nicht gefordert, daß es nur einen einzigen Primärinput gibt.Google Scholar
  18. 22.
    Zum Begriff der Zeitskala vgl. Kapitel 3, Fußnote 3.Google Scholar
  19. 23.
    In dem Input-Output-Modell von Hannon (1985) ist diese Maximierungsannahme nur implizit in der Annahme des sektoralen Bilanzgleichgewichtes enthalten. Ein solches Bilanzgleichgewicht kommt nämlich genau dann zustande, wenn eine bestimmte Wohlfahrtsfunktion ihr Maximum annimmt.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1998

Authors and Affiliations

  • Bernd Klauer
    • 1
  1. 1.Abteilung Ökologische Ökonomie und UmweltsoziologieUFZ - Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbHLeipzigDeutschland

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