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Die Bewertung von nicht-gehandelten Gütern mit neoklassischen Methoden

  • Bernd Klauer
Chapter
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Part of the Umwelt und Ökonomie book series (UMWELT, volume 25)

Zusammenfassung

Um die Verwendbarkeit der neoklassischen Werttheorie bei der Operationali-sierung von Nachhaltigkeit umfassend beurteilen zu können, ist es notwendig zu wissen, welche Möglichkeiten es gibt, Preise empirisch zu ermitteln. Die Bewertung von Gütern wie Brot, Seife und Fahrrädern bereitet aus praktischer Sicht wenig Schwierigkeiten, denn im allgemeinen bekundet ein Mensch seine Präferenzen für solche Güter am Markt durch seine Nachfrageentscheidungen. Gleichzeitig führt der Marktmechanismus unter bestimmten Voraussetzungen zu der Bildung eines einheitlichen Preissystems, das die individuellen Präferenzen widerspiegelt, und zu einer Pareto-optimalen Güterallokation. Vor allem natürliche Ressourcen werden jedoch häufig nicht auf Märkten gehandelt, weshalb sich für diese Güter auch keine Marktpreise entwickeln und sie nicht durch den Marktmechanismus Pareto-optimal alloziiert werden. Beispiele für solche nicht-gehandelten Dienstleistungen der Natur sind die lebensnotwendigen Funktionen des globalen Klimasystems, wie etwa die Photosynthese der Algen und Grünpflanzen sowie die Filter-und Säuberungsfunktion des Erdreiches für durchsickerndes Wasser.

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Literatur

  1. 1.
    Für externe Effekte bilden sich keine Märkte aus, wenn eine private Verhandlungslösung zu hohe Transaktionskosten verursachen würde (Coase 1960, vgl. Abschnitt 4.2.4).Google Scholar
  2. 2.
    Eine ausführliche Diskussion der Literatur zu den empirischen Bewertungsverfahren für öffentliche Güter bieten Braden und Kolstad (1991) sowie Smith (1993).Google Scholar
  3. 3.
    Güter, bei denen sowohl Nicht-Rivalität im Konsum als auch Nicht-Ausschließbarkeit besteht, nennt man häufig reine öffentlichen Güter (Hanley/Shogren/White 1997: 42). Beispiele für reine öffentliche Güter sind Leuchttürme, Deiche, Rechtsordnung und Landesverteidigung sowie Polizei. Viele Güter sind jedoch weder private noch reine öffentliche Güter. Erschwerend kommen bei der Klassifizierung in private, öffentliche und reine öffentliche Güter noch zwei Umstände hinzu. Zum einen hängt das Charakteristikum Nicht-Ausschließbarkeit auch von der rechtlichen Verfügbarkeit der Güter und nicht nur von deren physischen Eigenschaften ab. Eine Straße kann beispielsweise abgesperrt werden und für die Benutzung kann eine Maut erhoben werden. Zum anderen ist bei den meisten Gütern weder Rivalität noch Nicht-Rivalität in Reinform gegeben. Solange eine Straße nur mäßig benutzt wird, stören sich die Autofahrer nicht gegenseitig in ihrem Konsum dieses öffentlichen Gutes. Wenn aber zu viele Autofahrer unterwegs sind, kommt es zur Rivalität im Konsum. Wenn wir im folgenden von öffentlichen Gütern sprechen, werden wir vereinfachend von reinen öffentlichen Gütern ausgehen. Die meisten Güter sind in der Realität zwar Mischformen zwischen reinen öffentlichen und reinen privaten Gütern, aber für grundlegende Überlegungen sind die reinen Formen interessanter, weil sich die Ergebnisse auf die Mischformen verallgemeinern lassen.Google Scholar
  4. 4.
    Die Anschaffung eines unteilbaren öffentlichen Gutes ist genau dann eine Pareto-Verbesserung, wenn die Summe der (absoluten) Zahlungsbereitschaften der Individuen die (absoluten) Kosten der Bereitstellung übersteigt (Varian 1994: 418–419).Google Scholar
  5. 5.
    Einen Überblick über die bestehenden anreizkompatiblen Mechanismen zur Offenbarung der Präferenzen für öffentliche Güter geben Laffont und Maskin (1982) sowie Blümel, Pethig und Hagen (1986).Google Scholar
  6. 6.
    Myerson und Satterthwaite (1983) betrachten ein zwei-Personen-Spiel, in dem über einen Kaufvertrag für ein privates Gut verhandelt wird. In der Situation des Clarke-Groves-Mechanismus geht es ebenfalls um den Kauf eines — allerdings öffentlichen — Gutes. Man beachte, daß der Clarke-Groves-Mechanismus jedoch nicht auf öffentliche Güter beschränkt ist, obwohl sich diese Interpretation in natürlicher Weise anbietet, sondern daß der Mechanismus sich auch auf den Handel von privaten Gütern zwischen zwei Personen übertragen läßt (Fudenberg/Tirole 1991: 272–273).Google Scholar
  7. 7.
    Weitere indirekte Methoden zur Offenbarung der Präferenzen für öffentliche Güter, wie etwa die Wanderungsmethode, Analyse von Volksabstimmungen und die Vermeidungskostenmethode, findet man in Pommerehne (1987) und Cansier (1996) beschrieben.Google Scholar
  8. 8.
    Eine detailliertere Darstellung der Aufwandsmethode findet sich bei Smith/Desvousges (1986: 181ff), Pommerehne (1987: Kap. 3) und Hanley/Spash (1993: Kap. 5).Google Scholar
  9. 9.
    Bei der Berechnung der Opportunitätskosten der Zeit, die Anfahrt und Aufenthalt in Anspruch nehmen, kann man darüber streiten, ob der häufig verwendete Lohnsatz eine geeignete Bewertungsgrundlage ist, denn in der Regel besteht nicht die Möglichkeit, die aufgewendete Zeit alternativ zur Erwerbsarbeit zu verwenden (Stephan/Ahlheim 1996: 157).Google Scholar
  10. 10.
    Einen Überblick über die Vielzahl der empirischen Studien geben z.B. O’Rouke (1974) sowie Pearce(1978: Kap. 4).Google Scholar
  11. 11.
    Für eine umfangreichere Darstellung der Marktpreismethode, die auf Lancaster (1966), Griliches (1971) und Rosen (1974) zurückgeht, sei auf Pommerehne (1987: Kap. 4), Palmquist (1991) und Hanley/Spash (1993: Kap. 4) verwiesen.Google Scholar
  12. 12.
    Eine andere Möglichkeit wäre, die individuelle äquivalente Variation zu erheben und die Konsumenten nach ihrer minimalen Entschädigungsforderung zu befragen für den Fall, daß das geplante Naturschutzgebiet doch nicht angelegt wird. Vgl. Abschnitt 4.3.3.Google Scholar
  13. 13.
    Eine umfassende Darstellung der Methode der Kontingenten Bewertung findet sich beispielsweise bei Mitchell und Carson (1989), Hanley und Spash (1993) sowie Bateman und Willis (1995).Google Scholar
  14. 14.
    Der Begriff des Gesamtwertes, der in der Literatur üblich ist, ist irreführend, denn im Grunde ist damit nur der gesamte Konsumwert eines Umweltgutes gemeint. Ein Umweltgut kann das Nutzenniveau eines Individuums nicht nur unmittelbar, durch Konsum, beeinflussen (z.B. Genuß der Schönheit einer Landschaft); es kann auch nützlich sein, weil es zur Produktion von Konsumgütern dient. Beispielsweise hat ein Wald die Funktion eines Wasserspeichers und ist daher für die landwirtschaftliche Produktion von Bedeutung. Bei der Diskussion um Gebrauchs- und Nichtgebrauchswerte wird häufig der Produktionswert eines Umweltgutes vernachlässigt.Google Scholar
  15. 15.
    In der Literatur werden neben dieser Unterteilung des Gesamtwertes auch andere Unterteilungen verwendet. In neueren Darstellungen wird insbesondere der Optionswert nicht mehr als Teil des Nichtgebrauchswertes aufgefaßt. Der Optionswert ergibt sich dort vielmehr als Residuum des Gesamtwertes (auch Optionspreis genannt) und des Erwartungswertes der kompensierenden Variation (Marggraf/Streb 1997: Abschnitt 10.2).Google Scholar
  16. 16.
    Einen umfassenden Überblick über mögliche Verzerrungen gibt Mitchel/Carson (1989).Google Scholar
  17. 17.
    Es ist sinnvoll den Probanden zu suggerieren, daß ihre Aussagen politische Entscheidungen beeinflussen, um sie zu ernsthaftem Überlegen und Abwägen ihrer Antworten zu motivieren (vgl. Cummings/Brookshire/Schulze 1986: 206).Google Scholar
  18. 18.
    Kalwani und Silk (1982, nach Cummings/Harrison 1992: 93) weisen eine positive Korrelation zwischen angegebenen Kaufintentionen und tatsächlichem Kaufverhalten nach, bei der der Korrelationskoeffizient bei nur 0,5 liegt.Google Scholar
  19. 19.
    In einem Kommentar zu dem Artikel Kahneman und Knetsch (1992) kommt Smith (1992) zu einer anderen Interpretation der empirischen Ergebnisse. Seiner Meinung nach könnten die Ergebnisse zum größten Teil innerhalb der ökonomischen Standardtheorie erklärt werden.Google Scholar
  20. 20.
    Ein Mensch kann darüber hinaus auch instrumenteil wertvoll sein, denn beispielsweise kann ein Schreiner mit Hilfe seiner Arbeitskraft aus Holzbrettern einen Tisch fertigen.Google Scholar
  21. 21.
    Um in der Ökonomik die Trennung zwischen Subjekt und Objekt ökonomischen Handelns aufrechtzuerhalten, wird der Begriff der Arbeitskraft eingeführt. Der instru-Google Scholar
  22. mentelle Wert eines Menschen, den er zusätzlich zu seinem intrinsischen Wert haben kann, wird dessen Arbeitskraft zugeschrieben. Das Wirtschaftssubjekt „Mensch“ist Besitzer des Objektes „Arbeitskraft“und kann über dessen Verwendung frei verfugen. Insbesondere kann ein Mensch seine Arbeitskraft (aber nicht sich selbst) gegen einen Lohn verkaufen.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1998

Authors and Affiliations

  • Bernd Klauer
    • 1
  1. 1.Abteilung Ökologische Ökonomie und UmweltsoziologieUFZ - Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbHLeipzigDeutschland

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