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Das Nachhaltigkeitsproblem in der Wissenschaft

  • Bernd Klauer
Chapter
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Part of the Umwelt und Ökonomie book series (UMWELT, volume 25)

Zusammenfassung

Mit der Verabschiedung der Agenda 21 hat sich die internationale Völkergemeinschaft Nachhaltigkeit als ein verbindliches Ziel der Umwelt- und Entwicklungspolitik gesetzt. Viele Politiker und Bürger erwarten nun von den Wissenschaftlern Vorschläge, wie das Ziel erreicht werden könnte. Die erhebliche finanzielle Unterstützung aus öffentlicher Hand, die in den letzten Jahren in entsprechende Forschungsprojekte geflossen ist, kann als ein Indiz hierfür gewertet werden. In der Tat ist das Thema Nachhaltigkeit von vielen Wissenschaftlern aufgegriffen worden. Ende der achtziger Jahre wurde die International Society for Ecological Economics gegründet, die Nachhaltigkeit zu einem ihrer zentralen Forschungsgegenstände erklärt hat (Costanza 1989; Costanza/Daly/Bartholomew 1991).

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Literatur

  1. 1.
    in der Tat ist der Begriff der Nachhaltigkeit auf dem Gebiet der Forstwirtschaft im deutschsprachigen Raum schon seit langem in Gebrauch. Er bezeichnet dort eine Art der Waldbewirtschaftung, bei der langfristig ein möglichst hoher Holzertrag gewährleistet ist, ohne daß Boden und Standort beeinträchtigt werden (Nutzinger 1995: 207–212).Google Scholar
  2. 2.
    In diesem Sinne wird „Nachhaltigkeit“z.B. auch bei Haber (1992, 1994: insb. S.13) verwendet.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. hierzu Pezzey (1992), der eine Vielzahl von Nachhaltigkeitsdefinitionen zusammengetragen hat.Google Scholar
  4. 4.
    Wir weisen darauf hin, daß in der Literatur als Zweck der Erhaltung der Natur neben der Erhaltung für zukünftige Generationen auch die Erhaltung um ihrer selbst willen diskutiert werden (vgl. z.B. Sagoff 1992; Krebs 1997).Google Scholar
  5. 5.
    Chichilnisky (1977a, 1977b, 1996) hat ein Nachhaltigkeitskriterium entwickelt, in dem intergenerative Gerechtigkeit nicht einfach als Erhalt einer bestimmten Systemgröße konkretisiert wird. Das Anliegen ihrer Arbeiten ist, das Nachhaltigkeitskonzept in die neoklassische Wachstumstheorie zu integrieren. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist, daß das dort gebräuchliche soziale Wohlfahrtsmaß (Summe der diskontierten Wohlfahrt aller Generationen) die Generationen der fernen Zukunft systematisch benachteiligt, weil deren Beitrag zur Gesamtwohlfahrt das Ergebnis kaum mehr beeinflußt. Chichilnisky (1996: 241) versteht unter einem nachhaltigen sozialen Wohlfahrtsmaß ein Maß, das — vereinfacht gesagt — weder die gegenwärtigen noch die zukünftigen Generationen systematisch bevorzugt. Sie zeigt, daß eine solches Wohlfahrtsmaß existiert und welche funktionale Form es notwendigerweise hat (Chichilnisky 1996: 244–246). Chtchilniskys Ansatz zur Konkretisierung der intergenerativen Gerechtigkeit von Allokationsentscheidungen hat den Nachteil, daß er außerordentlich schwer handhabbar ist. Zur Überprüfung, ob ein konkreter Entwicklungspfad optimal im Sinne eines nachhaltigen sozialen Wohlfahrtsmaßes ist, läßt sich nicht wie bei anderen Wohlfahrtsmaßen die Kontrolltheorie heranziehen. Die mathematischen Grundlagen zu einer breiteren Anwendung des Chichilnisky-Wohlfahrtsmaßes müssen erst noch entwickelt werden. In dieser Arbeit, in der die Operationalisierung von Nachhaltigkeit zentrales Thema ist, wird Chichilniskys Ansatz nicht weiter diskutiert, denn es ist bisher nicht versucht worden, Nachhaltigkeit aufbauend auf den Arbeiten von Chichilnisky zu operationalisieren.Google Scholar
  6. 6.
    Pearce, Barbter und Markandya diskutieren das Problem an einer anderen Stelle ihres Buches (1990: 3).Google Scholar
  7. 7.
    Im Jahre 1994 waren in der Bundesrepublik Deutschland 555 Deponien für Hausmüll u.ä. sowie 14 Sonderabfalldeponien in Betrieb (SRU 1996a: 164). Die Zahl der nicht mehr betriebenen Deponien in den alten Ländern wird auf 30.000 bis 50.000 geschätzt (Hölting 1992: 328).Google Scholar
  8. 8.
    Der Wirkungsmechanismus einer Einigung auf das Leitbild „Nachhaltigkeit“ist mit dem großer internationaler Abkommen zu vergleichen: Auf dessen erster Stufe wird häufig lediglich eine allgemeine, relativ unverbindliche Absichtserklärung vereinbart. Erst im Laufe der Zeit werden die Vereinbarungen konkretisiert und münden schließlich in verbindlichen Maßnahmen. Einen solchen Prozeß konnte man beispielsweise bei den internationalen Vereinbarungen über die Reduktion von FCKW-Emissionen beobachten (vgl. Enquete-Kommisston 1988: Abschnitt C, Kapitel 3 und Anhang zu Kapitel 3): Schon 1977, zwei Jahre nach dem Bekanntwerden der ozonschichtschädigenden Wirkung von FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffen), fand in Washington, DC, eine internationale Konferenz statt, auf der die Mehrheit der teilnehmenden Staaten für eine Verringerung der FCKW-Emissionen eintraten. 1985 wurde das Wiener Übereinkommen zum Schutz der Erdatmosphäre und 1987 das Montrealer Protokoll über ozonschichtschädigende Stoffe gezeichnet, in denen konkrete Reduktionsquoten genannt wurden. Die Abkommen wurden 1988 ratifiziert und traten schließlich 1989 in Kraft.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1998

Authors and Affiliations

  • Bernd Klauer
    • 1
  1. 1.Abteilung Ökologische Ökonomie und UmweltsoziologieUFZ - Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbHLeipzigDeutschland

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