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Von der individuellen Ebene zur Marktebene

  • Reiner P. Hellbrück
Part of the Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge book series (WIRTSCH.BEITR., volume 78)

Zusammenfassung

In der Neoklassik befinden sich alle Individuen augenblicklich im Optimalzustand. Es handelt sich um eine statische Theorie. Doch was in „turbulenter“ Umwelt optimal oder zumindest besser ist, müssen die Individuen erst durch einen Versuchs- und Irrturmsprozeß herausfinden.1 Dies gilt für Anbieter wie für Nachfrager. Es ist überhaupt fraglich, ob Individuen in von ihnen als komplex empfundenen Entscheidungsbedingungen in der Lage sind, das Optimum zu finden. Möglicherweise existieren mehrere lokale Optima und Individuen verharren in einem inferioren lokalen Optimum ohne das globale Optimum jemals zu erreichen.

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Literatur

  1. 1.
    Siehe auch die Ausführungen zu den ausgewählten Neb engesetz en Thorndikes Seite 17.Google Scholar
  2. 2.
    Das Diffusionskonzept basiert nicht auf der Vorstellung voneinander isoliert handelnder Individuen. Individuen tauschen Informationen aus und kreieren Informationen, um Zusammenhänge besser zu verstehen (Kommunikation). Demgemäß definiert Rogers (1983, S. 5): „Diffusion is the process by which an innovation is communicated through certain channels over time among the members of a social system.“Google Scholar
  3. Dieser Begriff erscheint jedoch noch zu allgemein, denn der hier interessierende Erkenntnisgegenstand umfaßt die Entstehung und Ausbreitung von Neuerungen auf Märkten. Es interessieren kompetitive Diffusionprozesse, worunter in Anlehnung an Gerybadze (1982, S. 236) die Ausbreitung einer Neuerung auf Märkten verstanden wird. Wird das in Frage stehende Produkt (durch Anbieter oder Nachfrager oder Dritte) abgewandelt und breitet sich dieses abgewandelte Produkt aus, so beginnt ein neuer Ausbreitungsprozeß, der zum Abbruch des bisherigen kompetitiven Diffusionsprozeß führen kann, aber nicht zwangsläufig dazu führen muß. Es sind im (historischen) Zeitverlauf mehrere solcher Verzweigungen vorstellbar, wobei die Produktveränderungen es gerechtfertigt erscheinen lassen, von einer Evolution einer Produktkategorie zu sprechen. Durch die Gesamtheit solcher Ausbreitungsprozesse innerhalb einer Produktkategorie wird ein Produktlebenszyklus beschrieben.Google Scholar
  4. In die gleiche Richtung argumentiert Metcalfe (1984, S 104f): “..., we have an envelope of succesive diffusion curves, each appropriate to a given set of innovation and adoption environment characteristics, ......., the envelope need not conform to the logistic pattern, and its exact shape will depend on the temporal incidence of the changes in characteristics.”Google Scholar
  5. 3.
    Die Adoption wird als dynamischer Prozeß aufgefaßt und in verschiedene Stufen eingeteilt (Vgl. Rogers (1983, S. 163)). Gatignon und Robertson (1986, S. 48) unterscheiden zwei Adoptionsprozesse: Eine Adoption mit hoher kognitiver Beteiligung, der durch die Schritte Wahrnehmung, Beurteilung, Versuch, Adoption charakterisiert wird, sowie eine Adoption mit geringer kognitiver Beteiligung, die durch die Schritte Wahrnehmung, Versuch, Einstellung, Adoption charakterisiert wird.Google Scholar
  6. Insbesondere bei empirischen Studien, tritt das Problem der zu wählenden Adoptionseinheit auf (vgl. Tigert und Farivar (1981, S. 84)). Die Adoptionseinheit kann aus einzelnen Individuen oder aus Haushalten bestehen, sie kann aus einem gesamten Unternehmen mit vielen einzelnen Betriebsstätten bestehen oder einzelne Betriebsstätten können als Adoptionseinheit gewählt werden.Google Scholar
  7. 4.
    Siehe auch Witt (1985).Google Scholar
  8. 5.
    Siehe z.B. Haken (1983) oder Weidlich und Haag (1983).Google Scholar
  9. 6.
    Es handelt sich hier um den gängigen Anwendungsfall der Binomial Verteilung (siehe z.B. Bamberg und Baur (1980, S. 99f)).Google Scholar
  10. 7.
    Für weitere Erläuterungen siehe Haken (1983, S. 107). Eindimensionale Differentialgleichungen gehören zu der Klasse der sogenannten „Gradienten Systeme“, wenn sie von einer Potentialfunktion ableitbar sind. Der große Vorteil von Gradienten Systemen liegt darin, daß die Art aller möglichen Bifurkationen für Parameterräume der Dimension kleiner oder gleich vier klassifiziert werden können (Silverberg (1988, S. 534f)).Google Scholar
  11. 8.
    Im Gegensatz zu hier wird das Nachfrageverhalten bei Granovetter und Soong (1986) durch eine Differenzengleichung beschrieben. Deshalb ist bei ihnen chaotisches Verhalten möglich. Die Wahl des Gleichungstyps hat weitreichende Konsequenzen bezüglich der Stabilitätseigenschaften eines Systems.Google Scholar
  12. 9.
    Kürzlich hat Arthur (1991) einen Lernmechanismus vorgestellt, durch den das Lernverhalten einzelner Menschen gut simuliert werden kann. Der Grundgedanke ist recht einfach: Mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit wird eine Handlungsalternative aus einer gegebenen Menge von Handlungsalternativen gewählt. Das Ergebnis (der Payoff) dieses Prozesses wird zur Korrektur all der Wahrscheinlichkeiten benutzt, mit der die einzelnen Handlungsalternativen in der nächsten Periode gewählt werden. Zur Überprüfung dieses Lernmechanismus nutzt Arthur (1991) Daten einer Versuchsreihe zum Problem des „zweiarmigen Banditen“. Die Versuchspersonen sehen sich also einer wohldefinierten Menge an alternativen Handlungsmöglichkeiten gegenüber. Wahrnehmungsprozesse spielen hier jedoch keine Rolle.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1993

Authors and Affiliations

  • Reiner P. Hellbrück
    • 1
  1. 1.Freiburg/Br.Deutschland

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