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Die Rolle der internationalen Organisationen bei der Kooperation der Regierungen

  • Beat Gygi
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Part of the Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge book series (WIRTSCH.BEITR., volume 46)

Zusammenfassung

Da die Spielsituation, wie sie in Kapitel 3 dargestellt wurde, für die Regierungen in der Praxis unabschätzbar viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit offenlässt, sind diese nicht in der Lage, alle Alternativen zur Zusammenarbeit zu prüfen. Es wird hier deshalb postuliert, dass die Politiker den Such- und Einigungskosten soweit als möglich ausweichen und nur einzelne, bekannte und institutionell abgesicherte Wege der Zusammenarbeit beschreiten werden. In diesem Kapitel wird untersucht, welche Institutionen sich dafür anbieten und wieweit solche Institutionen den Nutzen aus der Kooperation erhöhen und deren Kosten senken. Der Akzent liegt dabei auf den kostensenkenden Funktionen der internationalen Institutionen, sie nützen der internationalen Kooperation in zweierlei Hinsicht:

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Literatur

  1. 1.
    Die Institutionen erhöhen auch die Wirksamkeit der Kooperation für die Regierungen, z.B. indem der Abstand zwischen Bürger und Politikern vergrössert wird. Dieser Aspekt wird in diesem Kapitel jedoch zurückgestellt.Google Scholar
  2. 2.
    Die Nachfrage der Regierungen nach Kooperation wurde in den Kapiteln 2 und 3 untersucht.Google Scholar
  3. 3.
    Diese Wahl entspricht der nicht-kooperativen Spielsituation in den spieltheoretischen Modellen: das unabhängige Optimieren der beiden Partner im Rahmen des Gefangenendilemmas führt zum Nash- Gleichgewicht.Google Scholar
  4. 4.
    Leyton-Brown (1981) beschreibt, wie die amerikanische Regierung für kanadische Tochterfirmen von amerikanischen Mutterfirmen Vorschriften erliess, die eigentlich in die Kompetenz der kanadischen Regierung fielen. Damit dehnte die amerikanische Regierung unilateral ihre Regulierungstätigkeit über die hoheitlichen Grenzen aus und kam in Konflikt mit ausländischen Behörden.Google Scholar
  5. 5.
    Als Beispiel hierzu diene das Vorgehen der amerikanischen Regierung im Zusammenhang mit der Besteuerung von Tochterfirmen ausländischer Unternehmen, Insidergeschäften, dem Röhrengeschäft deutscher Firmen mit Russland 1982, der Wettbewerbspolitik, oder jüngst dem Verbot für chinesische Firmen, eine amerikanische Firma zu übernehmen (siehe NZZ vom 5.2. 1990). Eine stark institutionalisierte Form der unilateralen Politik ist das amerikanische Exportkontrollsystem (Cocom), siehe dazu Gabriel (1989).Google Scholar
  6. 6.
    Aehnliche Spannungen beschreiben Young, Hood and Hamill (1988) für England, vor allem in Kapitel 6.Google Scholar
  7. 7.
    Siehe dazu auch Lal (1987), der beschreibt, wie Zahlungsbilanzprobleme von Entwicklungsländern meist auf protektionistische Wirtschaftspolitik zurückzuführen sind und früher oder später die Regierungen doch zur Liberalisierung zwingen, sofern sie an der Macht bleiben wollen.Google Scholar
  8. 8.
    Die Situation entspricht in der Spieltehorie einem kooperativen Spiel.Google Scholar
  9. 9.
    Siehe auch Yarbrough und Yarbroiigh (1987): sie argumentieren, dass eine einheitliche Regelung auf multilateraler Basis manchmal mit überproportional zunehmenden Kosten verbunden ist und sich deshalb mit zunehmender Regelungstiefe oder Mitgliederzahl so verteuert, dass ein Abkommen nicht zustandekommt.Google Scholar
  10. 10.
    Im Sinne der Theorie des fiskalischen Föderalismus. Siehe dazu Buchanan (1965), Cornes und Sandler (1986).Google Scholar
  11. 11.
    Die Grundpräferenzen der Bürger werden zwar als gleich angenommen, die geäusserten Präferenzen unterscheiden sich jedoch, weil diese aus der Interaktion dieser Grundpräferenzen mit der natürlichen Ausstattung des Landes, der wirtschaftlichen Entwicklungsstufe und den politischen Möglichkeiten zur Durchsetzung der Präferenzen, resultieren.Google Scholar
  12. 12.
    Mäler, Karl-Goran, zitiert in ‘Economist’, 25. November 1989, p. 79.Google Scholar
  13. 13.
    Die komparativen Vorteile der bilateralen im Vergleich zu multilateralen Verträgen in der Entwicklungshilfe werden in Kapitel 9 analysiert.Google Scholar
  14. 14.
    Wie in Kapitel 3 schon postuliert wurde, sind die diskretionären Instrumente mit dem geringsten politischen Widerstand austauschbar, die regelgebundenen schwieriger, die rentengebundenen am schwierigsten austauschbar.Google Scholar
  15. 15.
    Dies entspricht der Preisdiffenzierung auf dem konventionellen Markt.Google Scholar
  16. 16.
    Siehe dazu für einen Ueberblick Shaffer (1978), ferner Olson und Zeckhauser (1966), Murdoch und Sandler (1984) sowie Sloan (1985) für die Aufteilung der Verteidigungsausgaben in der NATO. Alle Arbeiten kommen zu ähnlichen Ergebnissen: je näher das Gut ‘Verteidigung’ einem öffentlichen Gut kommt, desto stärker wird von den kleineren Ländern Trittbrett gefahren.Google Scholar
  17. 17.
    Siehe dazu Williamson (1983b).Google Scholar
  18. 18.
    Für Yarbrough und Yarbrough (1987) bedeutet das, dass gerade bilaterale Verträge die überlegene Kooperationsform sind, wenn die Parteien Geiseln austauschen können. Axelrod (1984) beschreibt für wiederholte Spiele den Mechanismus des ‘tit for tat’, nach welchem Kooperation freiwillig wiederholt wird, solange der Partner auch kooperiert.Google Scholar
  19. 19.
    Koordination diskreter Politikmassnahmen kann sowohl ein Substitut als auch ein Komplement der Harmonisierung darstellen. Die diskretionäre Politik fällt eher in den Arbeitsbereich der Regierungen, die regelgebundene Kooperation eher in den der Verwaltungen. Am besten ist es für eine Regierung, wenn für die Verwaltung gleichzeitig auch ein Nutzen aus der Koordination anfällt. Steinherr (1985) unterscheidet z.B. Koordination von Harmonisierung und Konvergenz: (1) Konvergenz bedeutet, dass die Werte der Zielvariablen für alle Länder/Regierungen einander angeglichen werden. (2) Harmonisierung bedeutet, dass gemeinsam Regeln gesetzt werden, welche von allen respektiert werden und für die beteiligten Entscheidungsträger die diskretionäre Politik durch Regeln ersetzen. (3) Koordination heisst, dass sich die Koordinationspartner auf Politikziele einigen (qualitativ: Zielvariablen, quantitativ: Zielwerte) und dass anschliessend modellkonsistent die Instrumente dazu ausgewählt und zeitlich abgestimmt werden.Google Scholar
  20. 20.
    Keohane (1984:88) postuliert: ‘Governments believe that ad hoc attempts to construct particular agreements, without a regime framework, will yield inferior results compared to negotiations within the framework of regimes’. Diese Sicht wird hier nicht unbesehen übernommen, sondern lediglich auf diejenigen Situationen angewandt, in denen die Einigungs- Such- und Vertrauenskosten hoch sind. In diesen Situationen spielen stabile Rahmenbedingungen für die Kooperation eine wichtige Rolle.Google Scholar
  21. 21.
    Gemäss der klassischen Situation des Gefangenendilemmas.Google Scholar
  22. 22.
    Dies wird weiter unten aufgegriffen, wenn diejenigen IGO analysiert werden, die sich mit dem Entwurf von Normen befassen.Google Scholar
  23. Es wird nicht immer eine Einhaltung der Verträge angestrebt: manche Treffen dienen lediglich dem persönlichen Prestige der Politiker.Google Scholar
  24. Siehe dazu Axelrod (1984) sowie Wagner (1988).Google Scholar
  25. 25.
    Hieraus ergibt sich eine erste Schwäche des Regimeansatzes: Staaten werden als einheitliche Aktoren modelliert. Oft sind die Handlungen von Regierungen jedoch gerade dann besser erklärbar, wenn die Regierungen und ihre Opponenten auf desaggregiertem Niveau modelliert werden.Google Scholar
  26. Es wird dabei angenommen, dass eine Vertragsbrüchige Regierung in Zukunft keine Partner mehr finden wird.Google Scholar
  27. 27.
    Siehe Axelrod (1984).Google Scholar
  28. 28.
    Nossal (1989) modelliert die Sanktionen einzelner Regierungen durch die anderen als internationale Bestrafung für abweichendes Verhalten.Google Scholar
  29. 29.
    Die Vermittlung von glaubhafter Information für die Regierungen ist eine der Rollen der IGO, auf die weiter hinten eingegangen wird.Google Scholar
  30. 30.
    Keohane (1984) kommt aufgrund seiner Beobachtungen zum Schluss, dass ein Hegemon die Bildung von Regimes fördert. Er beschäftigt sich anschliessend mit der Frage, was mit den Regimes geschieht, welche durch hegemonialistische Staaten aufgestellt wurden, wenn diese Staaten an Macht verlieren. Seine Antwort ist nicht eindeutig, er argumentiert jedoch, dass diese Regimes wegen der langfristigen Gewinne für alle Beteiligten daraus (gemäss obiger Argumentation) wahrscheinlich bestehen bleiben.Google Scholar
  31. 31.
    Die politologische Literatur befasst sich zwar intensiv mit unterschiedlichen Macht- und Ressourcenausstattungen, dieses Gefälle spielt jedoch gerade beim Regimeansatz eine untergeordnete Rolle. Siehe dazu Keohane und Nye (1977,1987).Google Scholar
  32. 32.
    Hegemonialmächte sind bei Kindleberger sogenannte ‘privilegierte Mächte’, die öffentliche Güter auch im Alleingang herstellen, weil der private Nutzen daraus für sie genug Anreize zur Produktion bietet.Google Scholar
  33. 33.
    Die gleiche Meinung vertritt Helmut Schmidt (1988), der die amerikanische Regierung aufforderte, in der Wirtschaftspolitik, vor allem im Zusammenhang mit dem Budgetdefizit, eine vorbildlichere Rolle zu übernehmen als bisher, damit sie in der Welt als glaubwürdige Macht auftreten können.Google Scholar
  34. 34.
    Siehe z.B. Ansari (1986).Google Scholar
  35. 35.
    Gemäss der Terminologie von Keohane (1986).Google Scholar
  36. 36.
    Die Realisten gehen von den Staaten als einheitlichen Aktoren aus und wenden alle Nutzenkalküle auf diese Aggregationsebene an.Google Scholar
  37. 37.
    Siehe dazu Keohane (1986) sowie Grieco (1988).Google Scholar
  38. 38.
    Gemäss dieser Position bestehen die höchsten Kosten der Kooperation zwischen Regierungen aus der Furcht, der andere Staat könnte sich relativ verbessern.Google Scholar
  39. 39.
    Der Ausdruck stammt von Keohane. Kindleberger (1986b) nennt sie ‘Moralisten’, Grieco (1988) nennt sie ‘Neoliberale’ oder ‘Liberale Institutionalisten’.Google Scholar
  40. 40.
    Es werden jedoch hier die Staaten teilweise in einzelne Aktoren aufgegliedert (siehe dazu z.B. Allison 1971), so dass die Ansicht der ‘Institutionalisten’ in diesem Punkt dem Ansatz der ökonomischen Theorie der Politik näherkommt als die Vorgehensweise der ‘Realisten’.Google Scholar
  41. 41.
    Gleich argumentieren auch Jacobson, Reisinger und Mathers (1986): internationale Organisationen sind quer über die Staaten hinweg entstanden, um technische und politische Bereiche zu koordinieren. Ueberprüfbare Hypothesen lassen sich jedoch daraus nicht ableiten.Google Scholar
  42. 42.
    Siehe dazu die Kritik in Kapitel 5.Google Scholar
  43. 43.
    Wie Kindleberger (1986b) sie nennt.Google Scholar
  44. 44.
    Siehe auch Bernholz (1985, 1988), der von einheitlichen, kalkulierenden Staaten ausgeht, sowie Waltz (1986). Der ökonomische Ansatz unterteilt jedoch zusätzlich die Staaten in die einzelnen relevanten Aktoren, wie dies auch in Kapitel 2 und 3 der Arbeit verfolgt wurde, der der ‘Realisten’ geht allein von Staaten als Aktoren aus.Google Scholar
  45. 45.
    Keohane (1984:94) ordnet den IGO im Rahmen des Regimeansatzes ebenfalls eine tragende, eigenständige Rolle zu: ‘Regimes may also include international organizations whose secretariats act not only as mediators but as providers of unbiased information that is made available, more or less equally to all members.’ Die Analyse in der vorliegenden Arbeit geht jedoch über die Informationsvermittlung hinaus.Google Scholar
  46. 46.
    Institutionen sind hier im Sinne von Gäfgen (1983) und Vanberg (1983) sowohl als Regelpakete als auch auch als konkrete Organisationen zu verstehen. Bei internationalen Organisationen ist dies sinnvoll, weil informelle Verträge vor allem ersteres, IGO vor allem letzteres darstellen.Google Scholar
  47. 47.
    Diese Hypothese stützt sich auf die Theorie der Organisierbarkeit von Gruppen gemäss Olson (1965).Google Scholar
  48. 48.
    Siehe dazu Müller (1988), der die Abbauverträge zwischen ausländischen Firmen und den Regierungen im Rohstoffsektor beschreibt.Google Scholar
  49. 49.
    Siehe Williamson (1983b) sowie Alchian und Woodward (1987). Brander und Spencer (1987) modellieren die Situation, in der ausländische Firmen in Entwicklungsländern Direktinvestitionen tätigen, die nach der Investition illiquid und daher anfällig auf Enteignungen sind. Es stellt sich in der zitierten Arbeit ein Gleichgewicht ein zwischen Glaubwürdigkeit der Regierung und Investitionshöhe der Rrma.Google Scholar
  50. 50.
    Ob die Rente aus dem investierten Kapital eine Quasirente darstellt oder sonst eine Rente, ist abhängig davon, wieviel die Manager aufgewendet haben, um in die IGO zu gelangen. Wenn sie die erwarteten zukünftigen Erträge schon investiert haben, um die Position in der IGO zu erwerben, beziehen sie eine Quasirente.Google Scholar
  51. 51.
    Siehe dazu Becker (1964), Blaug (1976).Google Scholar
  52. 52.
    Havemann (1972) beschreibt die Schwierigkeiten, denen sich deutsche Beamte gegenübersehen, die aus dem internationalen Dienst zurückkommen und in der Verwaltung wegen dem Laufbahnunterbruch tiefer wieder einsteigen müssen als gleichaltrige Beamte, die den nationalen Dienst nicht verlassen haben.Google Scholar
  53. 53.
    Siehe dazu Adams und Kenny (1986).Google Scholar
  54. 54.
    Eine Anwendung auf die FAO wird in Kapitel 9 vorgestellt.Google Scholar
  55. 55.
    Gemäss Umfragen von Kahneman, Knetsch und Thaler (1986) werden Preiserhöhungen als fairer eingestuft, wenn der Anbieter zeigen kann, dass diese durch Kosten verursacht sind und nicht eine Gewinnmaximierung bei einem momentanen Nachfrageüberhang darstellen.Google Scholar
  56. 56.
    Vaubel (1990) kritisiert genau diesen Mechanismus: die Kader des IMF haben den Anreiz, zuviele Kredite gegen unerfüllbare Auflagen zu vergeben und dann die Nichteinhaltung mit unbeeinflussbaren Faktoren zu entschuldigen.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • Beat Gygi
    • 1
  1. 1.„Neuen Zürcher Zeitung“ZürichSchweiz

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