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Die Kosten der Politikkoordination

  • Beat Gygi
Chapter
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Part of the Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge book series (WIRTSCH.BEITR., volume 46)

Zusammenfassung

Falls die Regierungen gegen einen Prestigeverlust oder gegen die durch den Einfluss der Märkte bedrohte Machtposition Massnahmen ergreifen wollen, bieten sich ihnen grundsätzlich zwei Möglichkeiten dazu an. Sie können entweder isoliert handeln und neue, auf das Inland ausgerichtete Politikinstrumente schaffen, oder sie können kooperieren und die bisherigen Instrumente in Koordination mit anderen Regierungen anwenden. Der Nutzen aus einer solchen Kooperation wurde in Kapitel 2 untersucht. Der Nutzen allein gibt aber noch keinen Aufschluss über die Nachfrage nach Kooperation, vielmehr müssen auch die daraus erwachsenden Kosten berücksichtigt werden. Die Anwendung von neuen Politikinstrumenten erfordert die Zustimmung der nationalen Instanzen und Stimmbürger, falls entsprechende Mitspracherechte vorgesehen sind. Zudem verursacht die Koordination mit anderen Regierungen Such- und Einigungskosten und birgt das Risiko, dass Vorleistungen zur Kooperation wegen Vertragsbrüchiger Partner möglicherweise verloren sind. Mit zunehmender Kooperationsintensität werden diese Kosten zunehmen und die Nachfrage der Regierungen nach den entsprechenden Kooperationsstufen reduzieren. Die Kosten, mit denen Regierungen dabei zu rechnen haben, setzen sich aus den folgenden Komponenten zusammen: (1) Widerstand der nationalen Verwaltung (2) Widerstand der gegenwärtigen Rentenbesitzer (3) Ungewissheit infolge der Spielsituation (4) Finden eines Kooperationspartner (5) Einigungskosten: - Einigung auf Politikziele - Einigung auf ein wirtschaftspolitisches Modell - Einigung auf die geeigneten wirtschaftspolitischen Massnahmen (6) Einhalten von Verträgen (7) Verteilen der Koordinationsgewinne, sofern diese noch flexibel sind.

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Literatur

  1. 1.
    Was der politischen Zustimmung bedarf.Google Scholar
  2. 2.
    Siehe dazu Kapitel 2.Google Scholar
  3. 3.
    Einen Ueberblick über die Spieltheorie geben z.B. Schotter und Schwoediauer (1980).Google Scholar
  4. 4.
    Das heisst im spieltheoretischen Rahmen immer, dass die Summe der Zielfunktionen gemeinsam maximiert wird. Die Aufteilung der Gewinne aus der Kooperation auf die Spieler ist kein Thema.Google Scholar
  5. 5.
    Vergleiche etwa Frankel und Rockett (1988).Google Scholar
  6. 6.
    Dies wird als Cournot-Nash Lösung ausgewiesen, wenn die Aktoren gleich mächtig sind oder als Stackelberg-Gleichgewicht, wenn einer im Vergleich zu den anderen mächtiger ist.Google Scholar
  7. 7.
    Odell und Willett (1989) sind der Meinung, dass die Vorschläge der Oekonomen für die Politik relevant sein sollten. Sie sprechen einige Gründe an, aus welchen die Politiker die Ratschläge der Oekonomen gerade auf dem Gebiet der internationalen Kooperation nur selten zur Kenntnis nehmen: zu enge Modelle in der Theorie und das Vernachlässigen von politischen Einflüssen führen zu irrelevanten Vorschlägen.Google Scholar
  8. 8.
    Eine eingehendere Kritik der spieltheoretischen Analyse der internationalen Koordination wird in Kapitel 5 angebracht.Google Scholar
  9. 9.
    Bei den folgenden Arten von Kosten ist jeweils zu unterscheiden, ob die betreffende Stufe der Kooperationsintensität die letzte ist, die angestrebt wird, oder ob noch weitere folgen werden. Wenn es die letzte ist, werden die Kosten tiefer liegen, als wenn noch eine nachfolgt, weil die nachfolgende Stufe immer nur erreicht wird, wenn auf der vorhergehenden Stufe die Präferenzen richtig angegeben wurden.Google Scholar
  10. Die Eingrenzung der Möglichkeiten der Politiker durch Institutionen ist von der Eingrenzung der Wahlmöglichkeiten in der spieltheoretischen Analyse zu unterscheiden: bei der Eingrenzung durch Institutionen wird die Wahl der Handlungsalternativen durch individuelle Anreize und durch Begrenzungen im individuellen Möglichkeitsraum bestimmt. Das Wahlverhalten ist somit aufgrund der Anreize der Handelnden endogen erklärbar. In der spieltheoretischen Analyse werden die Wahlmöglichkeiten willkürlich von aussen eingeschränkt. Die Handlungsalternativen sind exogen vorgegeben und können über ein weites Spektrum willkürlich variiert werden.Google Scholar
  11. 11.
    Heiner (1983, 1985) stellt ein Modell vor, welches regelgebundenes Verhalten erklärt: je schwieriger die zukünftige Situation prognostizierbar ist, desto eher halten sich Individuen an Regeln, desto eher ist somit ihr Verhalten für den Beobachter voraussagbar. Der oben präsentierte Ansatz ist damit verträglich: bei Unsicherheit fragen die Regierungen schützende Institutionen nach. Ob diese Nachfrage befriedigt wird, die Regierungen die Institutionen somit ausnützen können, hängt von weiteren Faktoren ab, die später erörtert werden.Google Scholar
  12. 12.
    Aussage eines Mitarbeiters von Mitterrand, zitiert nach Putnam und Bayne (1985:221).Google Scholar
  13. 13.
    Dies entspricht in der Terminologie von Olson (1986) exogenen Domains: der Einzugsbereich eines öffentlichen Gutes ist von aussen vorgegeben.Google Scholar
  14. 14.
    Dies entspricht endogenen Domains.Google Scholar
  15. 15.
    In Anlehnung an die ‘Library Group’, die sich seit 1973 in der Bibliothek des Weissen Hauses am Rande der internationalen Währungsverhandlungen traf: die Finanzminister der vier erwähnten Nationen.Google Scholar
  16. 16.
    Nach Helmut Schmidt: ‘Wir wollen ein privates, informelles Treffen derjenigen, die in der Welt wirklich etwas zu sagen haben.’ (Putnam und Bayne 1985:23).Google Scholar
  17. 17.
    Putnam und Bayne (1985:72).Google Scholar
  18. 18.
    Kooperierende Regierungen können als Clubs modelliert werden. Nach Buchanan (1965) sowie Cornes und Sandler (1986) ist die optimale Grösse eines Clubs dann erreicht, wenn die Grenzkosten eines zusätzlichen Beitritts einer Regierung aus der Sicht der bisherigen Clubmitglieder gerade den Grenznutzen aus diesem Beitritt erreichen. Dieser Ansatz geht jedoch von einem beobachtbaren Kooperationsergebnis aus und liefert keinen Anhaltspunkt über die Modellierung des Suchprozesses selber.Google Scholar
  19. 19.
    Zur Theorie der Koalitionsbildung zwischen Parteien siehe z.B. De Swaan (1975).Google Scholar
  20. 20.
    Zur Theorie des optimalen Währungsraumes siehe z.B. Tower und Wiilett (1976).Google Scholar
  21. 21.
    Die G7 Wirtschaftsgipfel endeten oft mit Einigungen auf Ziele und Versprechen für Massnahmen, die nicht eingehalten wurden. Siehe dazu De Menil und Solomon (1983).Google Scholar
  22. 22.
    Siehe zur Kombination verschiedener politischer Dimensionen z.B. Mueller, Tollison und Willett (1975).Google Scholar
  23. 23.
    Z.B. gibt es zahlreiche keynesianische und neoklassische Modelle, welche nebeneinander existieren und die gleichen Märkte modellieren; siehe dazu z.B. Dornbusch und Frenkel (1979) sowie für eine historische Analyse der Zwischenkriegsjahre Eichengreen (1986). Tanzi (1988) listet explizit auf, welche Modeligrössen vor einer Koordination der Fiskalpolitiken geklärt sein müssen, insbesondere müssen die Politikeffekte prognostiziert werden.Google Scholar
  24. 24.
    Siehe z.B. Oudiz und Sachs (1984), Bryant und Portes (1987) sowie Masson und Hörne (1988).Google Scholar
  25. 25.
    Siehe z.B. Frenkel und Razin (1986), Canzoneri und Gray (1985), Rogoff (1985).Google Scholar
  26. 26.
    Diese Theorie ist Ende der 70er Jahre unter dem Namen ‘Lokomotivtheorie’ bekanntgeworden.Google Scholar
  27. 27.
    Diese Zielfunktion ist äusserst willkürlich gewählt, es lassen sich zahlreiche andere Straffunktionen denken, die im obigen Zusammenhang ebenso sinnvoll wären.Google Scholar
  28. 28.
    Diese Erklärung deutet jedoch stark in die Richtung einer wohlwollenden, interesselosen Regierung.Google Scholar
  29. 29.
    In einem späteren Papier legt Frankel (1989) die Hindernisse für die internationale Koordination der Makropolitik dar: neben der oben behandelten Unsicherheit bezüglich des Modells der internationalen Störungsübertragung untersucht er auch Unsicherheit bezüglich der Ausgangssituation im Lande selbst, Unsicherheit bezüglich der Zielvariablen, die die Wähler honorieren, sowie die Unsicherheit bezüglich der Multiplikatoren des Modells im Inland. Frankel sieht den Hauptzweck der Koordinationsbemühungen nicht in den kleinen Wohlfahrtsgewinnen, die sie bringen, sondern in der Stärkung der Politiker zu Hause: ‘…Indeed, as suggested earlier, the real purpose behind Secretary Baker’s efforts in international meetings to set in motion worldwide interest rate cuts may have been to overcome political obstacles at home to a switch in the monetary/scale policy mix.’ (Frankel 1989:372).Google Scholar
  30. 30.
    Ein Zitat von Wiliett (1989:237) zur Koordination der Geldpolitik illustriert dies: ‘Under a system of fixed exchange rates the balance of payments constraint makes international macroeconomic policy coordination essential for a well functioning world economy. With the widespread move to flexible exchange rates in the 1970s some economists argued that the needs for such policy coordination had vanished. Many economists were well aware, however, that floating rates would not offer complete insulation from the international transmission of disturbances and hence that policy coordination issues would remain under floating…It is clear today, however, that such beliefs were based on models which were far too simplified.’Google Scholar
  31. 31.
    Nach Odell und Wiliett (1989) schenkte die Reagan-Administration bis 1985 den internationalen Dimensionen der Makropolitk so wenig Beachtung, weil die Kombination von Monetaristen und Supply-Side Oekonomen in der Administration dazu führte: sie blieben in ihrer Ideologie verhaftet.Google Scholar
  32. 32.
    Die Evidenz dazu ist allerdings nicht eindeutig. Nach Paldam (1981) sind die Daten der Industrieländer mit der Hypothese, wonach vor den Wahlen eine expansive Fiskalpolitik betrieben wird, nicht verträglich.Google Scholar
  33. 33.
    In diesem Zusammenhang schreibt Brunner (1983), der Monetarismus habe versagt, weil diese Theorie den Politikern keine diskretionären Instrumente in die Hand gebe.Google Scholar
  34. 34.
    Die Frage stellt sich, ob der Gesamtwert der Kooperierenden oder jeder einzelne Zielfunktionswert angeschaut werden muss. Die Antwort auf die Frage ist abhängig davon, ob eine nachträgliche Kompensation unter den relativen Gewinnern und Verlierern möglich ist oder nicht. Eine Kompensation ist nur dann möglich, wenn der Prozess der Kooperation und der nachträglichen Kompensation streng miteinander gekoppelt sind. Dies hängt vom Rahmen ab, in welchem die Kooperation stattfindet.Google Scholar
  35. 35.
    Siehe dazu Putnam und Bayne (1985) und De Menil und Solomon (1983), die die G7 Wirtschaftsgipfel beschreiben: oft war bis zum letzten Moment des Gipfels noch nicht klar, welches Modell gewählt würde, und die Delegierten und Regierungschefs forderten beharrlich ihre bevorzugten Politikmassnahmen, ohne näher auf die Modellfrage einzugehen.Google Scholar
  36. 36.
    Hier wird deutlich, dass die normativen Analysen von Politikkooperation, die sich darauf beschränken, die Existenz einer paretooptimalen Kooperationslösung nachzuweisen, wenig relevant sind.Google Scholar
  37. 37.
    Weiter hinten wird gezeigt, dass in internationalen Verträgen fast immer eine weitergehende Bindung besteht.Google Scholar
  38. 38.
    Auf diese Institutionen wird in Kapitel 4 eingegangen.Google Scholar
  39. 39.
    Dieser Abschnitt stützt sich auf Snidal (1985).Google Scholar
  40. 40.
    Ein Beispiel zur Illustration: zwei Personen sind in einer fremden Stadt und wollen sich treffen, können aber vorher nicht miteinander sprechen. Beide werden sich überlegen, welches der wahrscheinlichste Treffpunkt ist.Google Scholar
  41. 41.
    Zwischen dem Extremfall des Gefangenendilemmas und demjenigen des Koordinationsspiels sind zahlreiche Zwischenlösungen möglich: wenn im 2 x 2 Schema (2 Spieler, 2 Handlungsalternativen) alle Kombinationen von ordinalen Präferenzen aufgelistet werden, gibt dies 78 unterschiedliche 2x2 Tabellen (siehe Snidal 1985:926).Google Scholar
  42. 42.
    Indem z.B. Leistung und Gegenleistung einer Regierung zwischen Ministerien getrennt sind.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • Beat Gygi
    • 1
  1. 1.„Neuen Zürcher Zeitung“ZürichSchweiz

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