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Jakob Henles Briefe aus Berlin 1834–1840

  • Hermann Hoepke
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Part of the Heidelberger Jahrbücher book series (HJB, volume 8)

Zusammenfassung

Jakob Henle war von 1832 bis 1840 in Berlin. Er hat diese Stadt sehr geschätzt, die er einmal seine „zweite Vaterstadt“nannte. Nur wenn er unzufrieden oder unglücklich verliebt war, fand er sie „trostlos“. Er war in seinem Beruf geachtet, freute sich an den Erfolgen seiner wissenschaftlichen Arbeit und verkehrte in den ersten Berliner Familien. Anschließend an die 1963 veröffentlichten Briefe) will ich hier wiederum Briefe bringen, die seine Persönlichkeit von vielen Seiten beleuchten. So sehen wir nicht nur den Forscher und Lehrer heranreifen, der seine Arbeiten, den Verkehr mit dem Ministerium und Erlebnisse der verschiedensten Art schildert, wir bekommen dadurch auch einen Einblick in das Leben und Treiben im alten Berlin. Denn Henle verkehrte im Hause des Bildhauers Rauch, der damals „an dem Hilfsmodell zum alten Fritzen seinem Pferd lebensgroß und mit vieler Anstrengung“arbeitete und 1840 anfing, „etwas alt und ängstlich“zu werden. Er verkehrte bei Schinkel, kannte Schadow und Alexander von Humboldt, wohnte bei der Witwe des Philosophen Hegel und ging im Hause seines Lehrers Johannes Müller, wenigstens anfangs, ein und aus. Bei den Bankleuten Magnus und von Mendelssohn war er ständiger Gast, mit dem Maler Bendemann eng befreundet. Er spielte Geige, liebte Musik und die Künste und kannte die schöne Literatur seiner Zeit. Als Mann mit umfassender Bildung war er überall beliebt und begehrt. Durchschnittlich alle zwei Wochen schrieb er seinen Eltern einen langen Brief, in dem er freimütig alles besprach, was ihn bewegte. Er verstand es meisterhaft, die Pflichten seines Berufs mit Geselligkeit zu verbinden.

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Biographische Notizen

  1. Altenstein. Karl Freiherr von Stein zum Altenstein, 1817–1838 Preußischer Minister für Geistliche-, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultusminister)Google Scholar
  2. Alton, Joh. Samuel Eduard d’, 1803-1854. Schwiegersohn von Rauch. Prosektor und Lehrer der Anatomie an der Akademie der Künste in Berlin. Folgte 1834 einem Ruf nach Halle als Nachfolger von MeckelGoogle Scholar
  3. Asseburg, Graf. Studienfreund HenlesGoogle Scholar
  4. Bendemann, Eduard, 1811–1889. Historienmaler, später Direktor der Kunstakademie in Düsseldorf. Schwager des Malers HübnerGoogle Scholar
  5. Bergmann, Potsdamer Bekannte von HenleGoogle Scholar
  6. Bidder, Heinrich Friedrich, 1810-1894. Studierte in Dorpat, lebte eine Zeitlang in Berlin. 1836 Prosektor, 1842 Professor der Anatomie in DorpatGoogle Scholar
  7. Froriep, Robert von, 1804-1861. Der mit Henle eng befreundete spätere Preußische Geheime Medizinalrat, Sohn des sachsen-weimarischen Obermedizinalrates Ludwig Friedrich von Froriep, war seit 1833 Prosektor am Pathologischen Museum der CharitéGoogle Scholar
  8. Frühling, Jettchen. Bekannte der Frau Justizrat SulzerGoogle Scholar
  9. Hecker, Bekannter von HenleGoogle Scholar
  10. Hegel, Marie, geb. von Tucher. Geboren 1791, Witwe des Philosophen Hegel und Mutter von Karl Hegel (später Professor in Erlangen) und Immanuel Hegel (später Konsistorialpräsi- dent in Berlin)Google Scholar
  11. Hehl, Lenchen, lebt im Hause des Bankiers A. MendelssohnGoogle Scholar
  12. Henle, Friedrich Gustav Jakob, geboren am 19. 7. 1809 in Fürth als ältestes von fünf Kindern des Kaufmannes Wilhelm Henle (f 1856) und seiner Frau Helena Sophia, geb. Diespeck (f Oktober 1836). Mit den Eltern übersiedelte Henle 1815 nach Mainz, 1824 nach Koblenz. Er studierte 1827–1832 an den Universitäten Bonn und Heidelberg, promovierte 1832 bei Johannes Müller in Bonn und legte 1832/33 sein medizinisches Staatsexamen in Berlin ab. Dort wurde er bei seinem inzwischen nach Berlin berufenen Lehrer J. Müller 1834 Prosektor. 1837 Habilitation. 1840 Ruf nach Zürich als Professor der Anatomie. 1844–1852 Heidelberg, 1852–1885 Göttingen. Einen nach dem frühen Tod von J. Müller an ihn ergangenen Ruf auf dessen Berliner Lehrstuhl lehnte Henle ab und blieb in Göttingen, woer am 13. 5. 1885 starb.Google Scholar
  13. Als Henle nach Berlin ging, lebten seine Schwestern Marie, Rosalie, Johanna und Helene noch bei den Eltern in Koblenz. Marie, an der er besonders hing, war bereits mit seinem Schulfreund Mathieu verlobt, sie heiratete 1836. Die dritte Schwester, Johanna (Nettchen), heiratete (nach der Berliner Zeit Henles) ebenfalls einen Freund ihres Bruders, Gustav Adolf Schöll. Jakob Henle selbst heiratete 1846 Elise Egloff (f 21. 2. 1848) und nach ihrem frühen Tod 1849 Marie Richter Henning, Leopold Dorotheus von, 1791–1866, Professor an der Universität Berlin, Mitarbeiter des Philosophen HegelGoogle Scholar
  14. Hübner, Rudolph Julius Benno, 1806-1882, Maler. Bis 1833 in Berlin, später Professor an derGoogle Scholar
  15. Kunstakademie in Dresden. Schwager von E. Bendemann Hueck, Alexander Friedrich, 1802–1842. Professor der Anatomie in Dorpat, 1835 Dekan der dortigen medizinischen FakultätGoogle Scholar
  16. Humblot, Berta, Berliner Bekannte von HenleGoogle Scholar
  17. Jordan, Mitbewohner der Berliner Junggesellenwohnung HenlesGoogle Scholar
  18. Kalisch, Bekannter von Henle (vielleicht der 1814 in Polnisch-Lissa geborene deutsche Schrift-steller Ludwig Kaiisch)Google Scholar
  19. von der Mark, Armeelieferant. Die Familien Henle und von der Mark waren seit langem be-freundet. Henle war es unangenehm, als Bewerber um die Hand der Tochter Julie zu geltenGoogle Scholar
  20. Magnus. Von der Familie des Bankiers Magnus, in dessen Haus Henle zu Gast war, wurden die mit ihm eng befreundeten Eduard Magnus und Gustav Magnus berühmtGoogle Scholar
  21. Magnus, Eduard, 1799–1872. Bildnis-, Genre- und Historienmaler. Porträtierte viele bedeutende Zeitgenossen (u. a. auch Rauch). Schüler von J. Schlesinger. Seit 1837 Mitglied der Berliner AkademieGoogle Scholar
  22. Magnus, Heinrich Gustav, 1802-1870. Hervorragender Physiker, Chemiker und Technolog, machte grundlegende Versuche über Blutgase und die Rolle, die sie bei der Atmung spielenGoogle Scholar
  23. Mathieu. Mitabiturient von Henle. Legte während Henles Aufenthalt in Berlin dort sein Examen als Gerichtsassessor ab. Heiratete 1836 Henles Schwester Marie. Später als Landgerichtsrat in TrierGoogle Scholar
  24. Meckel, Johann Friedrich d. J., 1791-1833, Professor der Anatomie in HalleGoogle Scholar
  25. Mendelssohn, Alexander, Berliner Bankier. Vetter von Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit dem Henle ebenfalls verkehrte. A. Mendelssohn war verheiratet mit Marianne Seeligmann. Das zweite ihrer acht Kinder war Margarete MendelssohnGoogle Scholar
  26. Müller, Johannes, geboren am 14. 7. 1801 in Koblenz als ältestes von fünf Kindern eines Schuhmachers, gestorben am 28. 4. 1858 als ord. Professor der Anatomie und Physiologie und Direktor des anatomischen Theaters und des anatomischen zootomischen Museums in Berlin. Müller promovierte 1822 in Bonn, habilitierte sich dort 1824, wurde 1826 a. o. und 1830 ord. Professor. Ostern 1833 folgte er dem Rufe nach Berlin als Nachfolger des von ihm sehr geschätzten Rudolphi. Er gab das „Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin“heraus, bei dessen Redaktion ihm Henle half. J. Müller war verheiratet mit Maria Anna Zeiller, der Tochter eines höheren Beamten aus SimmernGoogle Scholar
  27. Rathke, Martin Heinrich, 1793–1860. Studierte Medizin und Naturwissenschaften, promovierte 1818 in Berlin zum Dr. med. 1829–1835 Professor der Physiologie und allgemeinen Pathologie in Dorpat, 1835 Nachfolger des Professors von Baer in Königsberg, wo er die Professur für Anatomie und Zoologie übernahmGoogle Scholar
  28. Rauch, Christian Daniel, 1777–1857, der berühmte BildhauerGoogle Scholar
  29. Reinick, Robert, 1807–1852. Dichter, Maler, Graphiker. Schüler von Karl Begas d. Ä. 1831–1838 in Düsseldorf, 1838–1841 in Rom, später in Dresden. Hauptleistung auf dichterischem GebietGoogle Scholar
  30. Schadow, Joh. Gottfried, 1794–1850, der berühmte Bildhauer und Direktor der Berliner Kunst-AkademieGoogle Scholar
  31. Schinkel, Karl-Friedrich, 1781–1841, der berühmte Baumeister und MalerGoogle Scholar
  32. Schlesinger, Jakob, 1792–1855. Maler und Restaurateur, seit 1822 als Professor an der Kunstakademie in Berlin, Lehrer von Eduard MagnusGoogle Scholar
  33. Schöll, Gustav Adolph, geboren am 2. 9. 1805 in Brünn, studierte Theologie, Philosophie, Philologie. 1833 Habilitation in Berlin, dort 1835 Lektor für Mythologie an der Akademie der Künste, 1842 Professor der Archäologie an der Universität Halle, 1843 Direktor der Kunstschule in Weimar, 1861–1882 Oberbibliothekar der Großherzoglichen Bibliothek in Weimar. Gestorben am 26. 5. 1882. Schöll heiratete Henles Schwester JohannaGoogle Scholar
  34. Schönlein, Johann Lukas, 1793–1864, habilitierte sich 1817 für pathologische Anatomie, 1824 als ordentlicher Professor für spezielle Pathologie und Therapie in Würzburg, 1833 Ruf nach Zürich. Schönlein kam 1839 als Leibarzt des Königs und Professor an der medizinischen Klinik nach BerlinGoogle Scholar
  35. Schultze (Schulze), Johannes, 1786–1869, Preußischer Geheimer Oberregierungsrat im Kultus-ministerium. Schultze war früher Leiter der Schulen in den preußischen Rheinlanden und hatte als solcher die Eltern von Joh. Müller bewegt, den hochbegabten Sohn studieren zu lassen. 1849–1858 Direktor der Unterrichts-Abteilung im KultusministeriumGoogle Scholar
  36. Schultze, Karl August Sigismund, 1795–1877, Schüler von Meckel, bei dem er Assistent und von 1818–1821 Prosektor war. 1821–1831 als Professor der Anatomie und Physiologie in Freiburg i. Br., 1831–1868 in GreifswaldGoogle Scholar
  37. Schwann, Theodor, 1810–1882, promovierte 1834 bei Joh. Müller in Berlin, übernahm 1835 Henles Stelle als Gehilfe am anatomischen Museum. 1839 Professor in Löwen, 1848–1880 in Lüttich. Begründer der tierischen Zellenlehre Senkenberg, Koblenzer Bekannte der Familie HenleGoogle Scholar
  38. Sulzer, Justizrat in BerlinGoogle Scholar
  39. Tschoppe, Geheimrat in der Berliner Ministerialkommission, die mit der Untersuchung der angeklagten Burschenschaftler betraut warGoogle Scholar
  40. Weber, Moritz Ignaz, 1795–4875. 1825 Professor e. o. der Anatomie, 1830 ord. Professor der Anatomie in Bonn, Lehrer Henles.Google Scholar

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