Advertisement

Grundlagen der Funktionskrankheiten

  • Claudia Koch-Remmele
  • Roland Kreutzer
Part of the Physiotherapie Basics book series (PHYSIO)

Zusammenfassung

  • Störfaktoren mechanischer, thermischer, chemischer und entzÜndlicher Art werden durch die Noleiten die Nozizeptorenaktivität auf die spinale Ebene weiter.

  • Überwiegt auf spinaler Ebene die Aktivität der Nozizeptoren über die der Mechanorezeptoren, so wird der Hemmkomplex deaktiviert, das Gate geöffnet und die Nozizeptorenaktivität auf die supraspinale Ebene weitergeleitet. Der nozizeptive somatomotorische Blockierungseffekt (NSB) wird ausgelöst.

  • Dieser organisiert die arthrotendomyotische Reaktion. Über hyper- und hypoton tendomyotisch geschaltete Muskeln kommt es zur Modifikation der Haltungs- und Bewegungsprogramme bis hin zur Blockierung von Bewegungsabläufen. Parallel erfolgt im viszeromotorischen System die infrastrukturelle Reaktion. Diese pathophysiologische Reflexgeschehen dienen der Vermeidung potenzieller Schädigung oder dem Schutz bereits vorhandener Störfaktoren.

  • Steigt der nozizeptive Input weiter, so dass die unbewusste Modulation der Haltungs- und Bewegungsprogramme nicht ausreicht, so kommt es zur Weiterleitung der Nozizeptorenaktivität zur kortikalen Ebene. Dort wird die Nozizeptorenaktivtät in Form von Schmerzen wahrgenommen. Dabei wird der Schmerz oft nicht im Bereich der Störungsursache, sondern am Ort des wirksamsten Schutzes in den hyper- und hypoton tendomyotisch geschalteten Muskeln registriert. Ziel des Schmerzes ist es, das Individuum aktiv an der Schonung des Störherdes zu beteiligen. Dies geschieht über bewusst induzierte Sorgfaltsprogramme.

  • Brügger teilt die Störfaktoren in transitorische und persistierende Störfaktoren ein.

  • Transitorische Störfaktoren sind leicht zu beseitigende Störfaktoren wie z. B. Kleidung, Schuhe, Möbel, welche den Körper in die Belastungshaltung drängen und dort über einwirkende Biegespannungen, Fehlbelastungen und Scherkräfte der Gelenke und Einengung der Körperhöhlen die Nozizeptorenaktivität erhöhen.

  • Ziel der ausgelösten transitorischen arthrotendomyotischen und infrastrukturellen Reaktion ist es, die ökonomische aufrechte Haltung zu fördern, um somit die Nozizeptorenaktivität auf ein physiologisches Maß zu verringern. Hierzu werden alle Muskeln, die in die aufrechte Haltung arbeiten, hyperton und alle, die in die Belastungshaltung arbeiten, hypoton tendomyotisch geschaltet.

  • Persistierende Störfaktoren sind manifeste Störfaktoren die, je nach Art, durch therapeutische Maßnahmen gut bis komplett zu beseitigen sind.

  • Aufgrund der zunehmenden Bewegungsarmut im Alltag und der Monotonie der Haltungs- und Bewegungsprogramme ohne entsprechenden Ausgleich, finden sich häufig muskuläre Störfaktoren wie Kontrakturen und muskuläre überlastungsödeme (OGE). Sie sind hauptverantwortlich für die Auslösung vieler klinischer Erscheinungsbilder.

  • Funktionelle Kontrakturen, welche im klinischen Alltag zahlenmäßig stärker vertreten sind, werden von den strukturellen Kontrakturen abgegrenzt. Eine der häufigsten Ursachen einer funktionellen Kontraktur ist das Funktionsüberwiegen.

  • Bei den muskulären überlastungsödemen handelt es sich um einen erhöhten Anfall von muskulären Zerfallsprodukten im Interstitium der Muskulatur. Diese entstehen aufgrund monotoner Muskelarbeit über einen längeren Zeitraum oder durch kurzfristige, maximale Beanspruchung.

  • Diese und weitere persistierende Störfaktoren lösen bei entsprechend hoher Nozizeptorenaktivität eine persistierende arthrotendomyotische und infrastrukturelle Reaktion aus. Ziel der ausgelösten persistierenden arthrotendomyotischen und infrastrukturellen Reaktion ist es, die vorhandenen Störfaktoren zu schützen und die Nozizeptorenaktivität zu senken, um eine weitere Schädigung zu vermeiden bzw. gegebenenfalls eine Heilung zu ermöglichen.

  • Aus ursprünglich zum Schutz von Störfaktoren hyper- und hypoton tendomyotisch geschalteten Muskeln entwickeln sich auf Dauer reaktive Störfaktoren. Daher liegen in der Regel mehrere, sowohl transitorische als auch persistierende Störfaktoren vor. Diese Störfaktoren können sich bei Bedarf auch gegenseitig schützen (Staffelung der Störfaktoren).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

Authors and Affiliations

  • Claudia Koch-Remmele
    • 1
  • Roland Kreutzer
    • 2
  1. 1.Kassel
  2. 2.Marburg

Personalised recommendations