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Tolerierter Völkermord in Afrika - Von Ruanda nach Darfur

  • Egbert Jahn
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Zusammenfassung

Die Region Darfur im Sudan ist seit 2003 immer wieder in den Schlagzeilen der Weltöffentlichkeit, aber seit Ende 2008 nur noch auffallend selten. Bürgerkriegsgreuel, Massenflucht, Massenvergewaltigung und Völkermord rufen dabei das Verlangen nach humanitärer Hilfe, diplomatischer Konfliktregulierung und internationaler militärischer Intervention hervor, gehen aber auch oft im großen Schweigen der Medien und Politiker und in der Ohnmacht internationaler Nichtregierungs- und auch Regierungsorganisationen unter. Immer wieder wird die Doppelmoral westlicher Politik beklagt, nach der das Leben eines Afrikaners als weniger wert gelte als das eines Europäers oder Weißen. Bereits beschränkter Völkermord auf dem Balkan rufe weit eher entschlossenes Handeln hervor als viel umfangreicherer Völkermord in Ruanda, Darfur oder anderswo in Afrika. Gleichzeitig stößt westliches militärisches oder auch nur ziviles Eingreifen in das Konfliktgeschehen immer wieder auf den Vorwurf, Ausdruck neokolonialistischer und neoimperialistischer Überheblichkeit und Herrschaftsansprüche zu sein. Dies ruft einen Streit zwischen Anhängern unterschiedlicher Formen des internationalen, auch europäischen und deutschen Eingreifens und Befürwortern einer autonomen Konfliktaustragung in und zwischen den afrikanischen Staaten hervor.

Verlangten während des Biafrakrieges von 1967-1970 zur Zeit des Ost- West-Konflikts mit zwei bis drei Millionen Kriegs- und Völkermordtoten nur wenige Stimmen eine internationale militärische Intervention, so riefen die Bürgerkriege und Völkermorde in Somalia (ab 1991) und insbesondere in Ruanda 1994 mit ca. 800.000 Toten eine ernsthafte Krise der Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen als Organisation, die für die Sicherung des Weltfriedens und den Schutz der Menschenrechte zuständig ist, hervor. Sie veranlaßte eine Ausweitung des Instrumentariums der VN zur (robusten) Friedenserhaltung und zur Friedenskonsolidierung. Subsidiär beansprucht aber auch die Afrikanische Union ihre Zuständigkeit für die regionale Friedenssicherung. Seit Juli 2007 wird in Darfur unter großen Schwierigkeiten eine hybride VN-AU-Mission (UNAMID) in Gang gesetzt.

Seit einiger Zeit sind in den Darfur-Konflikt im Sudan auch die Nachbarstaaten Tschad und Zentralafrikanische Republik durch grenzüberschreitende Fluchtbewegungen und Kampfhandlungen einbezogen. Schon deshalb kann der VN-Sicherheitsrat nicht mehr untätig bleiben. Er hat aber bislang kein effektives, konsensuales Handlungskonzept gefunden. Selektiver Humanismus in der Bevölkerung wie in den Eliten sowie Interessengegensätze zwischen den Großmächten erschweren ein tatkräftiges Engagement der Weltöffentlichkeit und der Staatengemeinschaft im Darfur-Konflikt.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012

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  • Egbert Jahn

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