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Weltpolitische Dimensionen der permanenten Irakkrise

  • Egbert Jahn
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Zusammenfassung

Der Irak steht seit dem Ende des Osmanischen Reiches in der Folge des Ersten Weltkrieges im Mittelpunkt einer permanenten krisenhaften Entwicklung des Nahen und Mittleren Ostens und von Bemühungen zu seiner Neuordnung. Großbritannien und Frankreich versuchten über Jahrzehnte, ihre imperiale Hegemonie über die Region zu errichten, teils unter Ausnutzung, teils im Gegensatz zum panarabischen und zu den einzelnen arabischen Nationalismen. In den 1950er Jahren trachteten die USA vergeblich danach, den Irak in das Netz der weltumspannenden Einkreisung der Sowjetunion einzufügen (Bagdad-Pakt). Es gelang ihnen jedoch mit den beiden ehemaligen Kolonialmächten, die sich mühsam herausbildenden Ethno- und Staatsnationen der Region gegeneinander auszuspielen und eine regionale Großmachtbildung durch dosierte Aufrüstung und gelegentliche politische und militärische Intervention zu verhindern. So wurde die irakische Aggression gegen den Iran in den 1980er Jahren unterstützt, gleichzeitig jedoch ein Sieg Iraks vermieden. Mit Unterstützung fast der ganzen Welt konnten die USA die erdölreiche, undemokratische Monarchie Kuwait nach der irakischen Eroberung des Landes im August 1990 nach wenigen Monaten wieder restaurieren, ohne daß den USA und den VN eine dauerhafte Friedensordnung in der Region gelang.

Die US-Regierung von George W. Bush behauptete schließlich, der Irak Saddam Husseins habe bereits atomare und chemische Massenvernichtungswaffen; außerdem stelle er sich als Basis für den transnationalen Terrorismus zur Verfügung. Dennoch gelang es den USA nicht, im VN-Sicherheitsrat ein Votum für eine militärische Intervention zu erlangen, so daß sie sich entschlossen, in einer Allianz mit 35 anderen Staaten das Regime Saddam Husseins mittels eines Interventionskrieges zu stürzen, was im Frühjahr 2003 innerhalb weniger Wochen gelang. Der Sieg der US-geführten Interventionsstreitkräfte über die regulären Truppenverbände Iraks im Frühjahr 2003 leitete lediglich zum terroristischen Kleinkrieg mit hohen Menschenverlusten über. Wahlen legitimierten eine ethno-religiöse Machtumverteilung zugunsten der arabischen Schiiten und der Kurden, ohne bis zum Abzug der letzten US-Kampftruppen im August 2010 den Staat wirklich föderalistisch-demokratisch stabilisieren und die Region befrieden zu können. Die Grundthemen der westlichen Weltpolitik des Nahen und Mittleren Ostens bleiben bestehen: a) Verhinderung einer regionalen Großmacht und b) der sie ermöglichenden Massenvernichtungsarsenale, c) Restauration der westlichen Hegemonie über die Erdölausbeutung der Region, d) Eindämmung des islamisch-arabischen Terrorismus, e) Stabilisierung der Staatenordnung, f) hinreichende Liberalisierung und „Demokratisierung“ der Regime in der Region.

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  • Egbert Jahn

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