Advertisement

Konflikt- und Kooperationsstrukturen im Osten Europas

  • Egbert Jahn
Chapter
  • 1.6k Downloads

Zusammenfassung

Diese Vorlesung ist eine Zusammenfassung meiner Abschiedsvorlesung als Hochschullehrer, die ich am 5. Juli 2005 als Inhaber des Lehrstuhls für Politische Wissenschaften und Zeitgeschichte in Mannheim gehalten und erst jetzt zum Abschluß von vier Semestern Frankfurter Montagsvorlesungen ausgearbeitet habe.

Die Analyse von einmaligen historischen Ereignissen und dauerhaften Strukturen und Prozeßmustern erfordert unterschiedliche geschichts- und gesellschaftswissenschaftliche Methoden, die der Einmaligkeit von Ereignissen und der Regelhaftigkeit von Strukturen Rechnung tragen. Gesellschaftsgeschichtswissenschaft und historische Sozialwissenschaft sind zwei nicht völlig verschmelzbare Forschungsansätze, die die Ereignis- und Strukturanalyse auf je eigene Weise zu verknüpfen trachten. Ihre Verbindung läßt sich als soziohistorischer oder gesellschaftsgeschichtlicher Forschungsansatz bezeichnen.

Im Zeitalter der Volkssouveränität sind sowohl starke Tendenzen zum dauerhaften Weltfrieden als auch gleichzeitig zur legalen und illegalen Massenvernichtung, vor allem in den Formen des Krieges und des Massenmordes, zu beobachten. Ein sinnvolles Friedensverständnis kann nicht auf strukturelle Konfliktlösung und Konfliktbeendigung abzielen, sondern lediglich auf eine regulierte, gewaltarme Konflikt- und Kooperationsdynamik.

In der Europapolitik werden die räumlichen mit den gesellschaftspolitischen Dimensionen des Europaverständnisses auf unterschiedliche Weise verknüpft. Historisch ist eine Verlagerung vom Bild eines Süd-Nord-Europa über ein West-Mittel-Osteuropa zu einem West-Ost-Europa zu beobachten. Die Fragilität der Staaten im Osten Europas haben einen starken Ethno- und gleichzeitig einen Imperialnationalismus begünstigt, der die Nationalstaatsbildung im Osten Europas erschwert hat. Die Nationalstaatsbildung ist keineswegs mit der Übertragung militärischer und ökonomischer Funktionen auf supranationale staatliche Einrichtungen abgeschlossen; mit der militärischen und ökonomischen Integration Europas wächst sogar das Bedürfnis nach nationalkultureller Differenz und ihrer nationalstaatlichen Absicherung. Es begrenzt die Integrationsfähigkeit und -reichweite des demokratischen Europas, das auf längere Dauer nur als ein Zwitter zwischen einem vorherrschend konföderierten (vereinten) und einem ansatzweise auch föderierten (vereinigten) westlichen Europa und gleichzeitig als ein Gesamteuropa mit einer neuen, jedoch möglichst offenen inneren West-Ost-Grenze vorstellbar ist. Dementsprechend war es erstrebenswert, das MZES von einem Zentrum für Unions-Europäische in eines für Gesamt-Europäische Sozialforschung zu entwickeln, was jedoch nicht gelang.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012

Authors and Affiliations

  • Egbert Jahn

There are no affiliations available

Personalised recommendations