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Der bildungstheoretische Ansatz in der Erwachsenenbildung

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Zusammenfassung

In der Geschichte aller Gesellschaften finden wir eine Vielfalt von praktischen Erzie hungs vorstellungen, die keiner Theorie bedurften, weil sie sich einem konkreten Bedürf nis der Adressaten verdankten. So verstanden sich etwa die kriegerische Erziehung der jun gen Spar taner, die christliche Erziehung im Mittelalter und die berufliche Ausbildung mo der ner Arbeiter und Angestellten durch ihre Zweckgerichtetheit von selbst. Aber aus den zeitlich primären und gesellschaftlich vorrangig zweckbestimmten Formen des Erzie hens und Aufwachsens entstanden in Europa eigenartige pädagogische Gebilde, die sich nur das Ziel setzten, den Menschen zu helfen, wirkliche Menschen zu sein, ein Bild auszu füllen, das man sich von Menschlichkeit und Humanität in langem Nachdenken erarbeitet hatte. Platons Idee der Paideia, wie er sie in dem berühmten Höhlengleichnis entworfen hat, ist ein Muster von Bildungstheorie geworden, insofern hier das Verhältnis des Men schen zur Wahrheit bestimmend für Bildung wird. Aber auch die viel populärere Form griechischer Bildung, die „Enkyklios paideia“, beruht auf einer philosophischen Auffas sung vom Menschen, insofern dieser ein Teil des Kosmos ist und in einer umfassenden, kreisrunden Paideia die dem Kosmos angemessene Bildung erfährt. Der Gedanke einer solchen allgemeinen Bildung war stark genug, über die Zeit der späten römischen Kaiser und schließlich das hohe Mittelalter hinaus in den „Septem artes liberales“ fortzuleben.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Seminars für Pädagogik, Abteilung für allgemeine PädagogikUniversität zu KölnKöln

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