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Familien in Verbraucherinsolvenz

  • Max Wolf
  • Wolfram Backert
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Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag befasst sich mit einem Thema, das in der sozialstrukturellen Literatur und auch in der Familiensoziologie allenfalls als Randnotiz eine Rolle spielt: die zunehmende Zahl an überschuldeten Haushalten in Deutschland und daraus resultierend die steigende Zahl an Haushalten und Familien, die sich mittels der Verbraucherinsolvenz aus dem sprichwörtlichen Schuldensumpf befreien wollen. Dabei macht das einführende Zitat aus dem amerikanischen Bestseller „The Two-Income Trap. Why Middle-Class Parents Are Going Broke“ der Autoren Elisabeth Warren und Amelia Warren-Tyagi deutlich, welche Ausmaße ökonomisches Scheitern und Überschuldung inzwischen in modernen Gesellschaften angenommen haben. Warren, Harvard-Professorin und von der Obama- Administration mit der Aufarbeitung der Finanzkrise beauftragte Spezialistin für das Gebiet Überschuldung und Insolvenz, kommt zusammen mit ihrer Co- Autorin zu dem Schluss, dass unter den Risiken, die Familien in modernen Gesellschaften drohen, das finanzielle Scheitern die Scheidung als tendenziell größte Herausforderung abgelöst hat. Tatsächlich belegen die Autorinnen, dass im Jahr 2001, also deutlich vor der Finanzkrise, 1,1 Millionen Scheidungen rund 1,5 Millionen Verbraucherinsolvenzen gegenüberstanden (Warren/Warren-Tyagi 2004: 194). Dies ist wohlgemerkt ein amerikanisches Beispiel und der Umgang mit den Themen „Kredit“ und „Insolvenz“ in den USA unterscheidet sich in erheblichem Maße von unserer deutschen Erfahrung. Dennoch machen diese Zahlen deutlich, dass Überschuldung und in Folge die Insolvenz eine Problemlage für Familien bedeutet, die sich gegenwärtig in wachsendem Umfang in allen modernen Gesellschaften stellt.

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  • Max Wolf
  • Wolfram Backert

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