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Arbeit, Familie und die (Re-)Produktion sozialer Ungleichheit

  • Angelika Tölke
  • Karsten Hank
  • Peter A. Berger
Chapter
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Zusammenfassung

Eine wesentliche Erkenntnis der Ungleichheitsforschung ist, dass bei der Analyse sozialer Ungleichheit nicht nur das einzelne Individuum, sondern auch der Haushalts- und Familienkontext in den Blick genommen werden müssen. Familien sind mächtige Solidaritätsinstanzen und die intergenerationale Solidarität gilt lebenslang. Finanzielle Transfers und nicht monetäre Unterstützungsleistungen erfolgen über den gesamten Lebenslauf sowohl von den Eltern zu den Kindern als auch in umgekehrter Richtung (z.B. Brandt et al. 2008; Deindl/Brandt 2011). Die sozialen Netzwerke einzelner Familienmitglieder stellen soziales Kapital auch für alle anderen Familienmitglieder dar (z.B. Furstenberg 2005; Ravanera/ Rajulton 2010); Bildung, Einkommen und Status der Eltern sind wesentliche Ressourcen für die Kinder (z.B. Kreyenfeld 2007; Schneider 2004). Diejenigen, die bereits in ihrer Kindheit und Jugend bessere individuelle Startpositionen hatten, sind auch im Erwachsenenalter im Vorteil. Darüber hinaus wirken sich Elternschaft bzw. Kinderlosigkeit und Partnerschaftsstatus auch auf die Verfügbarkeit ökonomischer, gesundheitlicher und sozialer Ressourcen im Alter aus (z.B. Hank/Wagner 2010; Wagner 1997). Bei all diesen gesellschaftlich erwünschten Transfers, Ressourcen und familialer Solidarität stellen sich jedoch gleichzeitig Fragen nach den Folgen für die Sozialstruktur, für die Reproduktion und möglicherweise Zunahme gesamtgesellschaftlicher Ungleichheiten (z.B. Kohli 2009; Künemund et al. 2005).

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Angelika Tölke
  • Karsten Hank
  • Peter A. Berger

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