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Fazit – Wozu der Anschluss an Bourdieus Forschungsperspektive?

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Part of the Bildung und Gesellschaft book series (BILDUNGUG)

Zusammenfassung

Die Sozialisationsforschung der vergangenen Jahre ist äußerst vielschichtig. Verfolgt man das Auf und Ab der unterschiedlichen Fragestellungen und wägt man die Schwächen der Engführungen ab, die auch hier zum Gegenstand der Hinführung wurden, bleibt ein Zugang übrig, der so etwas wie den definitorischen Kern der Sozialisationsforschung umfassen kann. Sozialisationsforschung beschreibt danach jenen Vermittlungsprozess, in dem gesellschaftliche Einflüsse in Interaktion mit einer sich ausbildenden und permanent weiter bildenden Persönlichkeit treten. Das eigentliche Zentrum der Sozialisationsforschung bezeichnet also der Interaktionsprozess zwischen dem handelnden Individuum und den umgebenden sozialen und materiellen Strukturen, die Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung initiieren und dieser sich entwickelnden Persönlichkeit Handlungswissen zur Verfügung stellen. Handlungswissen, das wiederum für die Handlungsfähigkeit in den relevanten Bezugsystemen der Persönlichkeitsentwicklung notwendig ist. Aber auch dieses knapp skizzierte Grundverständnis ist gewiss nicht unumstritten. Zwar kann nur eine allgemeine Einführung in die Sozialisationsforschung auf diese Definitionsfrage mehr Raum verwenden. Hier sei aber zumindest angemerkt, dass die Differenz zu einer anderen, sehr gängigen und sehr populären Definition von Sozialisation beträchtlich ist. Wenn wir dem Diskussionsstand der Sozialisationsforschung ab den 1980er Jahren und dabei insbesondere der Position von Klaus Hurrelmann folgen, dann bezeichnet Sozialisation den Prozess der Entstehung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von und in Auseinandersetzung mit den historisch vermittelten sozialen und dinglich-materiellen Lebensbedingungen (s. oben 3.). Dass hier die Persönlichkeit im Mittelpunkt steht, ist gewiss kein Zufall. Es ist Anzeichen einer Entwicklung der Sozialisationsforschung, bei der vorliegenden Hinführung eine zu deutliche Dominanz der so bezeichneten Subjektzentrierung kritisierte. Und tatsächlich, allein den Prozess der Entstehung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit als Gegenstand der Sozialisationsforschung anzusehen, hieße beinah schon, Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung synonym zu verstehen. Aber genügt das? Reservieren wir diese Beschreibung von Sozialisation nicht gleich besser für den viel dezidierteren Begriff der Persönlichkeitsentwicklung?

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden 2012

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität Duisburg-EssenEssenDeutschland

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