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Dimensionen der Ökonomisierung

  • Jens Bergmann
Chapter

Zusammenfassung

Was ist eigentlich mit „Ökonomisierung“ gemeint und wie könnte man ein solches Phänomen ggf. nachweisen? Anstatt das Thema der Ökonomisierung der Gesellschaft als bekannt vorauszusetzen oder es als selbstverständliches Faktum zu betrachten, wird an dieser Stelle versucht, das Problem tiefer zu legen. In Frage stehen, wie bereits oben erläutert, Bedeutung und Tragfähigkeit bzw. Anwendbarkeit von Ökonomisierung auf eine spezifische Problematik. Ziel dieses ersten Kapitels ist es daher, den Begriff der Ökonomisierung zunächst mit Hilfe einer komparativen Betrachtung verschiedener Konzeptualisierungen und Analyseansätze empirisch operationalisierbar zu machen. Denn obwohl mittlerweile zum „Dauerthema“ (Bango 2001: 60) avanciert und als Schlagwort omnipräsent, mangelt es diesem Konzept nach wie vor sowohl an definitorischer Präzision bzw. Eindeutigkeit als auch an empirischer Fundierung. Ökonomisierung ist ein Schlagwort, das in heterogenen theoretischen Kontexten Verwendung findet und das höchst Verschiedenes bezeichnen kann (Krönig 2007: 12f.). Das Spektrum der Bedeutungen reicht von einer Aufwertung ökonomischer Handlungsprinzipien in Organisationen oder im Alltagshandeln über den Wandel von politischideologischen Programmen bis hin zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Strukturveränderungen. Mangels verlässlicher Daten ist außerdem kaum etwas bekannt über die tatsächlichen Effekte von Ökonomisierung (Schimank/Volkmann 2008: 392). Dennoch oder gerade deswegen scheint dieses Konzept für viele Autoren ausreichend plausibel oder attraktiv zu sein, um Veränderungen (in) der Gesellschaft zusammenfassend zu beschreiben. So geht bspw. eine Einladung zu einer soziologischen Fachtagung zum Thema „Ökonomisierung“ im Mai 2008 wie selbstverständlich von einer „Ausweitung der ökonomischen Geltungssphäre auf gesellschaftliche Teilbereiche“ aus, „in denen wir bisher gewohnt waren, nichtökonomisch zu handeln“. Um sich in dieser Situation ein Urteil darüber erlauben zu können, inwieweit der Begriff der Ökonomisierung tragfähig genug ist für eine Analyse gesellschaftlichen Wandels auch auf der Ebene von Privatheit, soll es in diesem ersten Untersuchungsschritt zunächst darum gehen, die semantische Vielfalt dieses Konzepts aufzuzeigen und unterschiedliche Diskussionszusammenhänge aufzuarbeiten. Ein Vergleich der verschiedenen Konnotationen, der impliziten oder expliziten Strukturannahmen, der beschriebenen Entstehungsbedingungen und Auswirkungen von Ökonomisierung soll dabei helfen, die ertragreichsten und für die hier angestrebten Untersuchungsziele nützlichsten Auslegungen zu isolieren.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

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  • Jens Bergmann

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