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Fakten I: Sammeln von Tatsachen

  • Rüdiger Lautmann
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Zusammenfassung

Eine Phase jedes Entscheidungsprozesses ist es, Tatsachen zu sammeln, das heißt die Deskription einer problematisch gewordenen Realität anzufertigen. Aus mehreren Gründen steht der Richter hier vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Zum prinzipiellen Bestand reflektierter Soziologie gehört das Bewußtsein, wie voraussetzungsreich jegliche Beschreibung einer (nichttrivialen) sozialen Wirklichkeit ist: Strukturierend wirken die Selektivität von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Gedächtnis sowie die Transformation in eine intersubjektive Sprache. Zudem hat es jede solche Deskription mit der beschränkten Kapazität des Menschen zur Informationsaufnahme und -verarbeitung zu tun. Speziell der Richter verfügt nur über begrenzte Mittel in zeitlicher und materieller Hinsicht. Von ihm werden beinahe routinemäßig Wirklichkeitsaufnahmen erwartet, und er kann nicht, wie mancher Wissenschaftler, über Jahre hinweg sich einem einzigen Entscheidungsproblem widmen. Auch muß er sein Urteil gegenüber konfligierenden Parteien oder partiell nicht mitspielenden Angeklagten finden. Keine der herkömmlichen Ausbildungen trainiert den Juristen in seiner Aufgabe der Realitätsdeskription; gelehrt und gelernt wird fast ausschließlich die Arbeit mit Normen. Hieraus ergibt sich die Primitivität juristischer Faktenfindung (T. A. Cowan 1962, S. 110), die es aber weniger zu beklagen als vielmehr zu analysieren gilt.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

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  • Rüdiger Lautmann

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