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Schulbuchanalyse Teil I: Klassen- und unterrichtsfächerübergreifende Themen der Schulbuchinstrumentalisierung

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Zusammenfassung

Im Geographieschulbuch der Klasse fünf wird Berlin behandelt. Dabei fällt folgende Aussage: „Die Stadt ist das politische Zentrum unserer Republik. Hier haben das Zen-tralkomitee der SED, die Vorstände der anderen Blockparteien sowie die Massenorganisationen ihren Sitz.“Das Zentralkomitee findet auch andernorts Erwähnung, zum Beispiel im Heimatkundeschulbuch der Klasse vier: „Das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands leitet die gesamte Tätigkeit der Partei auf der Grundlage der Beschlüsse der Parteitage.“Das ZK der SED ist Organ einer politischen Partei und hinsichtlich seiner politischen Determiniertheit nicht grundsätzlich unabhängig wie etwa der Bundestag. Der Bundestag ist zunächst an keinen Träger von Macht gebunden, er ist eine staatliche Institution und insofern politisch unabhängig, als seine Zusammensetzung und politische Orientierung regelmäßig durch Wahlen neu definiert wird. Die zitierten Schulbuchaussagen sind darum nicht vergleichbar mit einer möglichen Äußerung eines beispielsweise bundesdeutschen Schulbuches zum Bundestag. Sie verdeutlichen vielmehr die Verflechtung von Alltag und SED in den Schulbüchern. Diese Aufgabe wird im Mathematikschulbuch der Klasse vier gestellt: „Lies die folgenden Bezeichnungen! X. Parteitag der SED“. Ein gänzlich unpolitisches Thema (das Üben römischer Zahlen) wird hier benutzt, um der SED Präsenz zu verleihen. Im Muttersprachschulbuch der Klasse vier werden Wörter mit dem Buchstaben ‚t‘ behandelt. Ein Beispiel ist ‚die Partei‘. Dazu werden Aufgaben formuliert, in denen die Schüler die folgenden Worte abschreiben und sich einprägen sollen: „die Partei der Arbeiterklasse, die sozialistische Einheitspartei, parteilich, die Parteien“ oder in denen sie das Wort ‚Partei‘ in allen Beispielen unterstreichen sollen.Fünf Klassenstufen weiter werden die kurz vor dem Schulabschluss stehenden Fünfzehn- bzw. Sechzehnjährigen auf das Schreiben von Bewerbungen und Lebensläufen vorbereitet: „Am 15. November 19.. wurde ich, Alexander Hauschild, als 2. Kind meiner Eltern in Leipzig geboren. Meine Mutter, Siegrid H. geb. Maisch, ist gelernte Schneiderin und seit 19.. als Näherin im VEB Vestis tätig. Mein Vater, Klaus-Dieter Hauschild, ist Wartungsmechaniker bei der Reichsbahn-Direktion Halle. Er ist Mitglied der SED.“

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