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Konsequenzen für normative Ansprüche an Politikvermittlung

  • Katja Friedrich
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Zusammenfassung

Die Widersprüche zwischen empirischer Evidenz und normativen Prämissen führen schließlich zu der Frage, ob es überhaupt noch angemessen ist, mediale Politikangebote im Hinblick auf die normative Idealvorstellung des politischen Kommunikationsprozesses zu bewerten. In der klassischen Forschungsperspektive wird mediale Politikvermittlung daran gemessen, ob sie den Bürgern die nötigen Informationen zur Meinungsbildung zur Verfügung stellt und der Gesellschaft ein Forum bietet, verschiedene Standpunkte zu politischen Sachverhalten öffentlich zu diskutieren und zu einer mehrheitstauglichen öffentlichen Meinung zu verdichten. Nun zeigen die in Kapitel 3.1 skizzierten empirischen Befunde jedoch, dass Rezipienten im Alltag häufig schon aufgrund weniger Informationen politische Meinungen entwickeln und dass dabei auch Bauchgefühle und alltagserprobte Urteilsheuristiken als Kriterien der Urteilsbildung zum Einsatz kommen. Dazu macht die Fachdiskussion zur Angemessenheit politischer Bürgerbilder und Publikumskonzeptionen deutlich, dass sich das für wohlüberlegte Meinungen notwendige Maß an Informiertheit nicht auf der Grundlage harter empirischer Kriterien festlegen lässt, sondern normativ bestimmt werden muss (Kapitel 4.1). Die Frage, welche Leistungen die Medien im Hinblick auf die individuelle wie kollektive Willensbildung in Demokratien erbringen sollen, entpuppt sich damit als Gretchenfrage politischer Kommunikationsforschung (vgl. Druckman 2005a). Im Mittelpunkt des folgenden Kapitels steht die Frage, welche Konsequenzen sich aus der Berücksichtigung kognitiver Verarbeitungsprozesse bei der Medienrezeption und der politischen Meinungsbildung für die normativen Maßstäbe ergeben, mit denen Wissenschaftler die Vermittlungsleistung politischer Medienangebote beurteilen. Auch in diesem Kapitel ist zu unterscheiden, ob Forschende mediale Politikvermittlung auf der Mikro-Ebene betrachten, also sich mit den Leistungen politischer Medienangebote für den einzelnen Rezipienten und Bürger befassen, oder ob sie auf der Makro-Ebene politische Funktionen der Medien in Bezug auf Publikum, Gesellschaft und Öffentlichkeit in den Blick nehmen.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

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  • Katja Friedrich

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