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Migration und Diversität als urbane Ressource

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Zusammenfassung

Als Einstieg in die Thematik möchte ich eine Alltagsbeobachtung des russischen Autors Wladimir Kaminer voranstellen, eine humorvoll pointierte Sicht auf unsere urbanen Lebenswirklichkeiten: „Berlin ist eine geheimnisvolle Stadt. Nichts ist hier so, wie es zunächst scheint […]. Einmal verschlug mich das Schicksal nach Wilmersdorf […] in einen türkischen Imbiss. […]. Das sind keine Türken, das sind Bulgaren, die nur so tun, als wären sie Türken […]. Berlin ist zu vielfältig. Man muss die Lage nicht unnötig verkomplizieren. Der Konsument ist daran gewöhnt, dass er in einem türkischen Imbiss von Türken bedient wird, auch wenn sie in Wirklichkeit Bulgaren sind, erklärten uns die Verkäufer. Gleich am nächsten Tag ging ich in ein bulgarisches Restaurant, das ich vor kurzem entdeckt hatte. Ich bildete mir ein, die Bulgaren dort wären in Wirklichkeit Türken. Doch diesmal waren die Bulgaren echt. Dafür entpuppten sich die Italiener aus dem italienischen Restaurant nebenan als Griechen. Nachdem sie den Laden übernommen hatten, waren sie zur Volkshochschule gegangen, um dort italienisch zu lernen, erzählten sie mir. Der Gast erwartet in einem italienischen Restaurant, dass mit ihm wenigstens ein bisschen italienisch gesprochen wird. Wenig später ging ich zu einem ‚Griechen‘, mein Gefühl hatte mich nicht betrogen. Die Angestellten erwiesen sich als Araber. Von Tag zu Tag erfuhr ich mehr. Die Chinesen aus dem Imbiss gegenüber meinem Haus sind Vietnamesen. Der Inder aus der Rykestraße ist in Wirklichkeit ein überzeugter Tunesier aus Karthago. Und der Chef der afroamerikanischen Kneipe mit lauter Voodoo-Zeug an den Wänden ein Belgier“.

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