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Handlung und Kommunikation – eine situationstheoretische Reformulierung

  • Andreas Ziemann
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Zusammenfassung

Es gibt einige soziologische Sätze, von denen eine unbestreitbare Überzeugungsleistung ausgeht, die es deswegen zu einiger Berühmtheit gebracht haben und die auch den Grundwortschatz eines jeden Soziologiestudenten prägen. Der folgende Satz von William Isaac Thomas ist ein solcher: „If men define situations as real, they are real in their consequences.“ (Thomas/Thomas 1928: 572) Wo aber Sätze zu klar und die Überzeugungskraft zu selbstverständlich ist, dort besteht bisweilen Anlass zur kritischen Nachfrage und zur Aufklärung der Hintergründe bzw. Implikationen. Zu fragen wäre mindestens, woher Menschen ihr Situationswissen nehmen, wie autonom sie in der Wahl und Festlegung der Situationsbedeutung sind und wen die Wirkungen betreffen. Es sind dies Kernfragen, zu denen sich eine ansprechende wie anspruchsvolle Sozial –und Kommunikationstheorie verhalten muss. Ich will und werde deshalb vom Situationsbegriff her sowohl Reichertz’ kommunikationstheoretische Arbeiten würdigen und systematisieren als auch weitergehende Probleme aufzeigen, die maßgeblich mit der Situationsordnung und dem Einbruch des Unvorhergesehenen und Außergewöhnlichen zu tun haben. Zur Debatte stehen damit die sequenzielle Genese von Frames und der soziokulturell emergente Sinn von Situationen. Entfalten und diskutieren werde ich dies im hinteren Teil an zwei quasi –empirischen Filmbeispielen Michael Hanekes.

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Authors and Affiliations

  • Andreas Ziemann

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