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Alfred Schütz, die Phantasie und das Neue. Überlegungen zu einer Theorie des kreativen Handelns

  • Hubert Knoblauch
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Zusammenfassung

„Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde war wüst und leer, Finsternis lag über der Urflut, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Da sprach Gott: Es werde Licht. Und es ward Licht“ (Genesis 1:1). Die Schöpfungsgeschichte ist sicherlich eines der berühmtesten Beispiele für die Schaffung des Neuen in seiner dramatischsten Form, nämlich ex nihilo. Hält man sich die jüdisch –christliche Schöpfungsgeschichte vor Augen, erscheint das Thema dieses Beitrags doch etwas weit gegriffen, ja geradezu anmaßend: Wer die Frage danach stellt, wie das Neue in die Welt kommt, nimmt leichthin jene hybriden Züge an, die Goethe in seinem Prometheus in Stanzen setzt. Wollte man also diese Frage verfolgen, dann läge ein Vergleich von Schöpfungsvorstellungen nahe. In der jüngeren Entwicklung verdichtet sich die säkularisierte Vorstellung der menschlichen Schöpfung vor allem im von Schumpeter geschaffenen Begriff der Innovation: Der bürgerliche Unternehmer zerstört durch die schöpferische Zerstörung das Alte und schafft damit das Neue (Schumpeter 1912). Dieser Begriff der Innovation trägt eine sich rasant ausbreitende Innovationsforschung (Rogers 1995). Diese Forschung behandelt die Innovation durchaus als eine soziale Konstruktion, in der Handlungsaspekte und institutionelle Rahmenbedingungen miteinander verknüpft sind (Rammert 2000). Seit einigen Jahren setzt sich daneben auch der Begriff der Kreativität durch. So wenig dieser Begriff eine klare Bestimmung erfährt, impliziert er, dass es hier nicht mehr auf die Unternehmer und Techniker ankommt, sondern auf das Potential von Handelnden. Dieses Potential ist keineswegs folgenlos, wird mit „kreativen Industrien“ schon globale Ressourcenverteilung betrieben, die auch das zustande bringt, was mittlerweile (wenn auch höchst ungenau) als Diagnose der Herausbildung einer „kreativen Klasse“ in die Sozialstrukturanalyse eingeht (Florida 2004).

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Literatur

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  • Hubert Knoblauch

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