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„Soldaten der Bewegung“. Gewaltpraxis und Gewaltkult in der SA während der nationalsozialistischen „Kampfzeit“

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Zusammenfassung

Im Sommer des Krisenjahrs 1932 gehörte politische Gewalt zum bedrohlichen Alltag der deutschen Bevölkerung. Nachdem Mitte Juni die zwischenzeitlich verbotene Sturmabteilung (SA) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) durch die rechtsgerichtete Regierung Papen wieder legalisiert worden war, wurden aus allen Gegenden des Reiches regelmäßig massive Gewaltexzesse gemeldet – die „Soldaten der Bewegung“ (Gundelach 1933: 11) waren an so gut wie allen beteiligt und trugen für den überwiegenden Teil die Verantwortung. Im Vorfeld der auf den 31. Juli 1932 angesetzten Reichstagswahl brach ein regelrechter „Wahlkrieg“ aus, der binnen weniger Wochen weit mehr als 100 Tote forderte (vgl. Jasper 1986: 92f.; Blasius 2005: 55ff.). Im Zentrum dieser Auseinandersetzungen zwischen den politischen Gegnern, die die Schwelle zum Bürgerkrieg zwar nicht dauerhaft, aber immer wieder aufs Neue überschritten, standen vor allem die größeren und großen Städte. Ihren Höhepunkt erreichte die Gewalt am 17. Juli 1932: An diesem Tag drang eine vieltausendköpfige Marschsäule von SA-Männern in die Arbeiterviertel der Industriestadt Altona bei Hamburg vor, um, auf diese Weise das von ihrem politischen Gegner beanspruchte Terrain symbolisch einzunehmen. Dies stieß dementsprechend auf heftigen Widerstand der Kommunisten, die Folgen waren unübersichtliche Straßenkämpfe, die bis in die Nacht dauerten. Der „Blutsonntag von Altona“ forderte 18 Tote sowie über 100 Verletzte (vgl. Kopitzsch 1983; Schirmann 1994).

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